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Es war einer dieser Abende, an denen die Luft über dem Stimbergstadion nach Bratwurst, Spannung und leichtem Lampenfieber roch. 2000 Zuschauer hatten sich am Sonntagabend zum 22. Spieltag der Verbandsliga I eingefunden, um zu sehen, ob die SpVgg Erkenschwick den aufmüpfigen Gästen aus Laegerdorf bändigen könnte. Am Ende hieß es 3:2 (1:0) - ein Ergebnis, das der Dramatik des Spiels kaum gerecht wurde. Los ging’s mit einem Knall. Noch bevor sich die Fans die Jacken richtig zugezogen hatten, stand es 1:0. In der ersten Minute (!) wuchtete Innenverteidiger Richard Raab einen Eckball von Erik Schöne per Kopf ins Netz. "Ich hab’ gar nicht verstanden, warum alle so früh jubeln - ich dachte, das war noch Aufwärmen!", grinste Raab nach Abpfiff. Trainer der Gastgeber, sichtlich erleichtert, murmelte: "So früh treffen wir sonst nur im Training. Und da zählt’s nicht." Laegerdorf schüttelte sich kurz und übernahm dann Stück für Stück die Kontrolle. 50,3 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse - statistisch sah das nach einem ordentlichen Auswärtsauftritt aus. Doch was fehlte, war die Konsequenz. Vor allem Marc Schultz und Leon Nickel prüften den Erkenschwicker Keeper Pascal Berger mehrfach aus der Distanz, aber der 33-Jährige hielt, als ginge es um seine Anschlussfinanzierung. "Ich hab heute einfach nichts gesehen, was reingehen durfte", sagte Berger später mit einem Augenzwinkern. Das Spiel blieb bis zur Pause intensiv, manchmal übermotiviert. Zwei Gelbe für Laegerdorf - Johann Behrendt (44.) und Harald Fuhrmann (47.) - zeigten, dass die Gäste durchaus bereit waren, auch mal mit der Brechstange zu arbeiten. "Wir wollten halt zeigen, dass wir da sind", meinte Behrendt, "vielleicht waren wir etwas zu sehr da." Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie kurzzeitig. In der 58. Minute belohnte sich Laegerdorf endlich: Der flinke Knud Korn zog nach Zuspiel von Schultz von links in den Strafraum und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. 1:1, und plötzlich war’s mucksmäuschenstill im Stadion - abgesehen von den zehn mitgereisten Laegerdorfer Ultras, die sich mit einem Megafon und viel Enthusiasmus bemerkbar machten. Doch Erkenschwick konterte mit altmodischer Tugend: Einsatz, Wille, und vielleicht auch ein bisschen Glück. In der 68. Minute traf Nils Lindner nach einem Gewusel im Strafraum zum 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er ehrlich zu, "aber wenn der Ball so reinfällt, sag ich nicht nein." Nur drei Minuten später setzte Yanik Paul nach Lindners Vorarbeit noch einen drauf - 3:1! Das Stadion kochte. "Da dachte ich, wir hätten’s im Sack", gestand Trainer Möller später (der Name des Trainers blieb inoffiziell, aber sein Zitat zu gut, um es wegzulassen). "Aber meine Jungs haben sich gedacht: Spannung ist doch schöner." Und tatsächlich, Laegerdorf kam in der 88. Minute noch einmal gefährlich zurück. Marc Schultz verwertete eine butterweiche Flanke von Behrendt zum 3:2-Anschluss. Die letzten Minuten? Ein Nervenkrimi. Laegerdorf warf alles nach vorne, hatte in der Nachspielzeit noch zwei Schüsse aufs Tor (Schultz wieder, natürlich), doch Berger hielt den Sieg fest. "Ich hab ihn angeschrien: Lass doch mal einen rein!", witzelte Verteidiger Raab nachher. "Aber er wollte wohl den Helden spielen." Statistisch war’s fast ausgeglichen: 10:12 Torschüsse, 49,7 zu 50,3 Prozent Ballbesitz, selbst die Zweikampfquote pendelte sich knapp bei 49:51 zugunsten der Gäste ein. Nur auf der Anzeigetafel blieb Erkenschwick vorne. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", bilanzierte Raab lakonisch. Laegerdorfs Coach hingegen seufzte: "Wir spielen guten Fußball, aber wir belohnen uns nicht. Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal in der ersten Minute auch einfach mal reinschießen." Als die Flutlichter um kurz nach halb zehn langsam erloschen, blieb das Gefühl zurück, ein ehrliches, wildes Verbandsligaspiel gesehen zu haben - mit allem, was dazugehört: frühen Toren, späten Treffern, Schweiß, Schrammen und ein bisschen Chaos. Erkenschwick jubelte, Laegerdorf haderte, und die Fans gingen zufrieden nach Hause. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Das war kein Fußball - das war Herzrasen mit Ball." Und irgendwie hatte er recht. 02.06.643993 04:53 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
Werner Lorant über sein Buch 'Eine beinharte Story'