Außenseiter
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Erfurts frühes Feuer erlischt - Hof dreht das Spiel eiskalt

Wenn Fußball ein Geduldsspiel wäre, hätte RW Erfurt an diesem Samstagabend vermutlich gewonnen. Doch es war Oberliga, erster Spieltag, Flutlicht an - und so kam alles anders. Vor 4379 Zuschauern im Steigerwaldstadion führte Erfurt zur Pause verdient mit 1:0, nur um am Ende mit leeren Händen dazustehen: Bayern Hof drehte in der zweiten Halbzeit auf und gewann 2:1.

Dabei begann alles nach Maß für die Thüringer. Schon in der Anfangsphase drückte das Team von Trainer Mario Pingel aufs Gas. Die Statistik spricht Bände: 18 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, und das Gefühl, dass das 1:0 eigentlich schon in der Luft hing, bevor es fiel. In der 23. Minute war es dann soweit - ausgerechnet Linksverteidiger Luis Albacar, der sonst eher hinten für Ordnung sorgt, traf nach Vorarbeit von Youngster Andreas Kunze. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Albacar nach dem Spiel, "aber der Ball hat sich einfach in die richtige Richtung überlegt."

In der Folge hätte Erfurt nachlegen können - ja, eigentlich müssen. Diego Romero prüfte den Hof-Keeper Zorrilla mehrfach (1., 53., 54., 66. Minute), Kunze und Scherer wirbelten auf den Flügeln. Doch das zweite Tor fiel nicht. Stattdessen schlich sich in der zweiten Halbzeit ein gefährlicher Schlendrian ein. Pingel gestikulierte wild an der Seitenlinie, während seine Elf den Ball zirkulieren ließ wie bei einem Trainingsspiel. "Wir haben das Spiel kontrolliert - aber leider nicht das Ergebnis", seufzte der Coach später.

Bayern Hof, bis dahin harmlos, witterte plötzlich Morgenluft. Trainer Samih Uresen hatte in der Pause offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab den Jungs gesagt, dass sie ruhig mal so tun dürfen, als wären sie die Auswärtsmannschaft", witzelte er später. Und siehe da: In der 69. Minute schlug Lukas Busch zu. Nach feiner Vorarbeit von Pierre Hubbert nahm der 34-Jährige Maß und setzte den Ball trocken ins lange Eck - 1:1. Die mitgereisten Fans schrien sich die Kehlen wund, während Erfurts Spieler nur konsterniert dreinschauten.

Und kaum hatte sich die Heimelf wieder sortiert, folgte der nächste Nackenschlag. Drei Minuten später legte Busch quer auf Christian Sorglos - ja, der Mann heißt wirklich so - und der sorgte mit einem humorlosen Linksschuss für das 1:2 (72.). "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Sorglos später mit einem Schulterzucken, "und diesmal war der Ball eben nicht sorglos."

Erfurt versuchte noch einmal alles, drückte, rannte, schoss. Ronald Winter zwang Zorrilla in der Nachspielzeit zu einer Glanztat (91.), doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Hof verteidigte clever, wenn auch mit gewisser Härte - drei Gelbe Karten in den letzten 25 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Besonders Heinrich Günther (67.) und Lukas Busch (76.) gingen rustikal zu Werke, aber Schiedsrichter Noll ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Am Ende jubelten die Gäste, während die Erfurter Fans sich kopfschüttelnd auf den Heimweg machten. "Das war ein klassischer Auftakt, den man lieber vergisst", meinte Kapitän Gebhardt. "Aber lieber jetzt aufwachen als im Herbst."

Trainer Pingel sah es ähnlich, wenn auch mit bitterem Unterton: "Wenn du 18 Mal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, dann ist das kein Pech mehr, sondern mangelhafte Präzision." Sein Gegenüber Uresen grinste währenddessen breit: "Wir haben zwei Chancen, zwei Tore - Effizienz ist eben auch eine Taktik."

Taktisch übrigens war das Spiel durchaus interessant: Beide Teams starteten offensiv, Erfurt mit viel Ballbesitz, Hof eher auf Konter bedacht. Doch während die Thüringer in der zweiten Halbzeit zunehmend kraftlos wirkten - laut Datenbank: schwacher Einsatz, kein Pressing - blieben die Oberfranken beharrlich, geduldig, fast stoisch.

Als die Flutlichtlampen nach 96 Minuten langsam erloschen, lag ein Hauch von Ratlosigkeit über dem Steigerwald. RW Erfurt hatte das Spiel im Griff, bis es ihm entglitt. Bayern Hof dagegen zeigte, dass Erfahrung manchmal mehr zählt als Spielanteile.

Oder, wie es Lukas Busch nach dem Abpfiff trocken formulierte: "Man muss nicht schön spielen, nur richtig treffen."

Ein Satz, den man sich in Erfurt wohl noch eine Weile merken wird.

30.05.643990 05:43
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