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Ein Montagabend, Flutlicht, 1.891 Zuschauer - und ein Spiel, das für den BV Brambauer wohl noch lange in den Albträumen nachhallen wird. Mit 0:7 (0:5) ging die Mannschaft im eigenen Stadion gegen Borussia Emsdetten unter. Ein Ergebnis, das nach Zahlen klingt, aber in Wahrheit noch schmeichelhaft war. "Ich habe selten so früh das Gefühl gehabt, dass der Ball heute einfach nicht für uns rollt", murmelte Brambauers sichtlich gezeichneter Kapitän Oskar Rose nach dem Spiel, der schon in der achten Minute Gelb sah - vermutlich aus Frust über das, was sich da gerade anbahnte. Denn da stand es schon 0:2. Heinz Reinhardt, der 29-jährige Taktgeber der Emsdettener, eröffnete das Torfestival in der 2. Minute - nach Vorarbeit des flinken Aad Van Cortlandt, der mit gerade einmal 18 Jahren den rechten Flügel beackerte, als hätte man ihm ein Skateboard unter die Stollen geschnallt. Nur zwei Minuten später legte der 17-jährige Danilo Perri nach, ebenfalls auf Vorlage von Van Cortlandt. Was danach kam, war eine Lehrstunde in jugendlicher Unbekümmertheit. Perri, der aussah, als würde er gleich nach dem Spiel noch für die Matheklausur lernen müssen, traf in der Folge noch drei weitere Male (30., 32. und 35. Minute). Ein lupenreiner Hattrick plus eins - Brambauer hatte zu diesem Zeitpunkt mehr Gelbe Karten (zwei) als eigene Torschüsse (null). "Ich hab ihnen gesagt: Bleibt locker, spielt euer Spiel", grinste Emsdettens Trainer Nico Wolf später. "Dass sie das so wörtlich nehmen und Brambauer komplett auseinandernehmen, war dann die angenehme Überraschung." Die Statistik spricht Bände: 23 Torschüsse für die Gäste, null für das Heimteam. 65 Prozent Ballbesitz für Emsdetten, 35 Prozent für Brambauer. Man könnte sagen, das Spiel fand nur in einer Hälfte statt - und selbst dort meist im Strafraum der Gastgeber. Nach der Pause ließ Borussia Emsdetten merklich nach. Vielleicht, weil Wolf in der Kabine auf die Bremse trat, vielleicht auch, weil die Ersatzbank mit Spielern unter 20 ohnehin eher nach U19 aussah. In der 56. Minute kam Joseba Corona (18) für den vierfachen Torschützen Perri - und fügte sich nahtlos ein. In der 68. Minute netzte er selbst ein, nach schöner Vorarbeit von Mirko Dembinski. Vier Minuten später setzte Janis Walther mit dem 7:0 (Assist von Detlev Hase) den Schlusspunkt unter einen Abend, der in Brambauer wohl in die Vereinschronik als "Der Schwarze Montag" eingehen dürfte. Die Zuschauer schwankten zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor. Einer rief nach dem fünften Gegentor laut: "Wir warten auf den Videobeweis!" - ein Running-Gag, der später in der Vereinsgaststätte sicher noch oft erzählt werden wird. Trainer Wolf hatte da schon längst die Hände in den Taschen vergraben, und selbst seine Mimik wirkte zwischen Stolz und Mitleid gefangen. "Man will ja nicht respektlos sein", sagte er nach dem Spiel. "Aber wer so spielt wie wir heute, der darf auch mal Spaß haben." Auf der anderen Seite war an Spaß nicht zu denken. Brambauers Innenverteidiger Wolfgang Steffen, der in der 60. Minute ebenfalls Gelb sah, schüttelte nur den Kopf: "Wir sind nicht mal in die Zweikämpfe gekommen. Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich Perri nur von hinten gesehen habe." Immerhin, und das ist fast schon ein Wunder: Kein Platzverweis, keine Verletzungen, keine Ausfälle - außer vielleicht beim Selbstbewusstsein. Die Emsdettener zeigten, dass sie trotz defensiver Grundordnung (laut Taktikdaten: DEFENSIVE, BALANCED, SURE - klingt nach Sicherheitsfußball, spielte sich aber wie Samba) nicht nur sicher stehen, sondern vor allem eiskalt zuschlagen können. Der BV Brambauer hingegen bleibt ein Rätsel. Offensiv ausgerichtet, aber ohne einen einzigen Schuss aufs Tor - das ist, als würde man mit offener Gitarre auf ein Rockkonzert gehen und nie anschlagen. Zum Schluss kam noch ein Moment mit Symbolkraft: Als der Schlusspfiff ertönte, liefen die Emsdettener Jugendlichen lachend zu ihrem Torhüter Frideborg Abramson (17), der sich wohl fragte, ob er überhaupt im Spiel war. Brambauers Keeper Volker Herrmann hingegen sank auf die Knie - und wurde von seinen Mitspielern aufgerichtet. "Es war ein gebrauchter Abend", meinte Trainer Wolf trocken. Dann grinste er - und korrigierte sich: "Für Brambauer, meine ich." Ein Satz, der alles zusammenfasst. Borussia Emsdetten feiert ein 7:0, das in seiner Leichtigkeit fast unverschämt war, während der BV Brambauer wohl noch einige Trainingseinheiten lang an der eigenen Offensive arbeiten wird. Vielleicht beginnen sie am besten mit einem Schuss aufs Tor. 22.08.643993 12:52 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler