Elfmeter
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Emsdetten tanzt Neitersen aus - 3:0 und jede Menge Selbstbewusstsein

Es war einer dieser Abende in der Verbandsliga J, an denen man sich fragt, ob die Heimelf vielleicht vergessen hat, dass man auch Tore schießen darf. 2.372 Zuschauer in Neitersen sahen am 4. Spieltag ein 0:3 (0:1) gegen Borussia Emsdetten - und ein Spiel, das von Anfang an nur eine Richtung kannte: die auf das Tor von Volker Büttner. Der hatte mit 21 Schüssen aufs Gehäuse reichlich zu tun, während sein Teamkollege auf der anderen Seite lediglich einmal den Ball in Richtung gegnerisches Tor brachte - vermutlich eher aus nostalgischen Gründen, um zu zeigen, dass es theoretisch ginge.

"Ich glaube, unser Ballbesitz war nur deshalb bei 40 Prozent, weil Emsdetten zwischendurch Trinkpausen brauchte", knurrte ein Fan auf der Tribüne - und traf damit den Kern. Borussia Emsdetten kontrollierte das Geschehen mit 59 Prozent Ballbesitz, Passsicherheit und einem beinahe stoischen Gleichmut, selbst wenn der Ball mal ins Aus sprang. Trainer Nico Wolf sah von außen zufrieden zu, wie seine Elf die Partie in ein Lehrstück über Geduld und Präzision verwandelte.

Den Auftakt machte Valter Bjorklund in der 39. Minute. Der 25-jährige Mittelfeldmotor hatte zuvor schon mehrfach Maß genommen und fand schließlich mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe das Ziel - vorbereitet von seinem jungen Stürmer Vicente Jorge, der sich trotz seiner erst 19 Jahre als kompletter Zentrumsspieler präsentierte. "Ich hab gesehen, dass Valter winkt - und wenn Valter winkt, gibst du ihm den Ball", grinste Jorge nach der Partie. Bjorklund selbst reagierte trocken: "Ich wollte eigentlich flanken, aber das Tor hat sich in den Weg gestellt."

Mit der 1:0-Führung ging es in die Pause - und Neitersen wirkte, als hätten sie in der Kabine eher eine Predigt als eine Taktikanalyse bekommen. Die Gäste hingegen spielten weiter, als gäbe es Preisgelder pro Torschuss. Vicente Jorge belohnte sich in der 57. Minute für sein unermüdliches Anlaufen: Nach einer Flanke von Linksverteidiger Florian Wiese stand er goldrichtig und köpfte zum 2:0 ein. Der Jubel war verhalten - vermutlich, weil es längst keine Überraschung mehr war. "Wir wollten das Spiel gar nicht so einseitig gestalten", sagte Trainer Wolf mit einem Augenzwinkern, "aber was soll man machen, wenn die Jungs plötzlich Spaß am Kombinieren haben."

Neitersen versuchte es mit Kampf, aber der blieb meist symbolischer Natur. Die Zweikampfquote von 41 Prozent sprach Bände. Einziger Lichtblick: das beherzte Auftreten von Finlay Warriner, der in der 22. Minute tatsächlich den einzigen Torschuss seines Teams abgab. "Ich dachte, wenn wir schon hier sind, kann man’s ja mal probieren", sagte Warriner mit einem schiefen Lächeln. Leider blieb auch dieser Versuch folgenlos.

In der 74. Minute setzte Davib Elliot, ebenfalls 19 und mit erstaunlicher Übersicht gesegnet, den Schlusspunkt: Nach einem klugen Zuspiel des quirligen Ricardo Quintana traf er aus 18 Metern trocken ins linke Eck. 3:0 - und das völlig verdient. "Ich wollte zeigen, dass wir nicht nur Ballbesitz haben, sondern auch Tore schießen können", erklärte Elliot später mit jugendlicher Bescheidenheit. Sein Trainer Nico Wolf ergänzte: "Das war eine sehr erwachsene Leistung. Wenn sie jetzt noch aufhören, sich gegenseitig auf Instagram zu feiern, haben wir vielleicht eine Mannschaft."

Neitersen-Coach - dessen Name an diesem Abend lieber nicht genannt werden wollte - stand nach Abpfiff ratlos neben der Bank. "Wir hatten uns vorgenommen, kompakt zu stehen", murmelte er. "Hat nur keiner gesagt, dass man sich dabei auch bewegen darf." Selbst die sonst so treuen Fans verließen das Stadion mit einem Schulterzucken. "Na ja", sagte einer, "wenigstens war’s nicht kalt."

Borussia Emsdetten dagegen feierte den klaren Auswärtssieg als Statement: jung, mutig, effizient. Dass sie dabei defensiv aufgestellt waren, merkte man nur an den taktischen Notizen - auf dem Platz war das ein kontrollierter Offensivrausch, bei dem fast jeder einmal zum Abschluss kam. Von Abelson bis Paola, von Quintana bis Arnaud - alle suchten das Tor, als gäbe es dafür Bonuspunkte. Nur zwei Gelbe Karten, für Eric Neville gleich zu Beginn und Florian Wiese kurz vor Schluss, trübten das Bild minimal.

Am Ende blieb ein Spiel, das keine Fragen offenließ - außer der, ob Neitersen in dieser Saison noch weiß, wie sich ein Torjubel anfühlt.

"Wir nehmen das sportlich", meinte Kapitän Friedrich Eckert beim Verlassen des Rasens. "Schließlich kann man ja nicht jedes Wochenende verlieren." Ein Satz, der so ehrlich war, dass man ihm fast applaudieren musste.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr leise: "Das war schön anzusehen - wenn man neutral ist."

16.12.643993 09:30
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