Außenseiter
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Empor Rostock zerlegt FV Künzelsau - Fußballlehrstunde an der Ostsee

Wenn ein Spiel 5:0 endet, sagt das Ergebnis oft schon alles. Doch was Empor Rostock am frostigen Mittwochabend im Ostseestadion bot, war mehr als eine bloße Tor-Show - es war eine Demonstration von Spielfreude, Effizienz und, seien wir ehrlich, Mitleidlosigkeit. Der FV Künzelsau durfte 90 Minuten lang zusehen, wie die Rostocker Ball, Gegner und Zeit nach Belieben kontrollierten. 28:1 Torschüsse sprechen eine Sprache, die selbst Goethe als "deutlich" bezeichnet hätte.

Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass das Ziel nur "nach vorn" heißen konnte. Simon Kessler, quirliger Flügelflitzer mit einem Hang zum Übermut, prüfte Künzelsaus Torwart Sascha Haas bereits in Minute drei. Der hatte da noch Lust aufs Spiel - später dürfte er diese Entscheidung bereut haben. In der 40. Minute war es dann soweit: Kessler traf nach schöner Vorarbeit von Maurice Hofmann zum längst überfälligen 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball wollte halt auch mal rein", grinste Kessler später.

Mit dieser Führung ging es in die Pause. FV Künzelsau hatte bis dahin einen Torschuss zustande gebracht - von Phillip Thiel in der 20. Minute, halb Schuss, halb Verzweiflungstat. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Trainer Johansson nach der Partie, "aber meine Jungs haben wohl ’kompakt’ mit ’bewundern’ verwechselt."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit Rostocker Dominanz. Lars Schumacher, 22, flink wie ein Dachs, legte in der 55. Minute nach. Wieder hatte Hofmann die Vorarbeit geleistet, und wieder sah die Künzelsauer Abwehr aus wie bei einem Trainingsspiel. Zehn Minuten später traf Schumacher erneut, diesmal nach Zuspiel von Linus Weber. "Ich wollte erst flanken, aber dann dachte ich: Ach komm, probier’s", sagte Schumacher lachend.

Spätestens da war der Widerstand gebrochen. Trainer Johansson stand an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und murmelte etwas, das wie "Das läuft ja fast zu glatt" klang.

In der 71. Minute durfte sich auch Jakob Hauser in die Torschützenliste eintragen. Der rechte Flügelstürmer schloss einen Angriff über - na klar - Schumacher ab. 4:0, und die 3.495 Zuschauer jubelten, als ginge es um die Meisterschaft. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als nur ansehnlich kombinieren", meinte Hauser später. "Heute war’s halt auch mal zählbar."

Den Schlusspunkt setzte, wie könnte es anders sein, wieder Simon Kessler in der 76. Minute. Noch einmal Hofmann als Vorlagengeber, noch einmal ein Abschluss, der so präzise war, dass man in Künzelsau vermutlich noch heute davon träumt. 5:0 - und Empor hatte noch Chancen, um das Ergebnis zweistellig zu gestalten.

FV Künzelsau indes versuchte es mit Schadensbegrenzung. Kapitän Iban Salinas kassierte kurz nach Wiederanpfiff eine Gelbe Karte - ein symbolischer Akt der Frustration. Wenig später verletzte sich der junge Phillip Thiel und musste in der 70. Minute ausgewechselt werden. Trainer der Gäste, dessen Name in den Unterlagen nicht auftauchte, stand fassungslos an der Linie und schüttelte nur den Kopf. "Rostock war heute einfach zwei Klassen besser. Das ist keine Schande, aber weh tut’s trotzdem."

Statistisch gesehen war das Spiel eine Einbahnstraße: 56 Prozent Ballbesitz für Empor, aber gefühlt 90 Prozent Spielkontrolle. Der Rest war eine Frage der Konzentration - und die behielten die Hausherren bis zum Abpfiff. Torhüter Max Falk hätte sich theoretisch auch einen Liegestuhl mitbringen können; seine einzige Aktion war, den Ball nach einem harmlosen Fernschuss der Gäste in der 20. Minute locker aufzunehmen.

Nach Abpfiff brandete Applaus auf. Kessler und Schumacher umarmten sich, Hofmann grinste breit, und Trainer Johansson erklärte mit nordischer Gelassenheit: "Das war heute ordentlich. Aber wir wissen, dass’s nächste Woche wieder bei null losgeht."

Das mag stimmen - doch an diesem Abend war Empor Rostock alles andere als null. Es war ein Team, das Fußball in seiner schönsten, kompromisslosesten Form zeigte.

Und irgendwo auf der langen Heimfahrt nach Künzelsau wird sich der Busfahrer gedacht haben: "Nächstes Mal vielleicht besser Volleyball."

26.07.643990 17:50
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Rainer Calmund
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