Außenseiter
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Empor Rostock tanzt Pommern Stralsund aus - Fußball mit norddeutscher Präzision

Rostock - Ein kalter Februarabend, Flutlicht über dem Ostseestadion, 3.683 Zuschauer mit dicken Schals, heißen Getränken und kalten Zehen - und ein Heimteam, das Pommern Stralsund mit einer Mischung aus Geduld, Technik und norddeutschem Pragmatismus auseinandernimmt. Am Ende steht ein klares 2:0 für Empor Rostock, das auch 4:0 hätte heißen können, wenn die Rostocker ihre 24 Torschüsse etwas zielsicherer genutzt hätten. Die Gäste aus Stralsund hingegen brachten es auf ganze zwei Schüsse - was wohlwollend als "zurückhaltender Offensivplan" durchgehen könnte.

Von Anfang an machte Empor klar, wer hier das Sagen hat. Schon in der ersten Minute prüfte Jannik Hafner den Stralsunder Keeper Finlay Hunt - ein Vorbote dessen, was folgen sollte. Der Ball lief rund durch die Reihen der Rostocker, 65 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht kontrolliert einschlafen", grinste Trainer Johan Johansson später mit typisch schwedischer Trockenheit.

Die Gäste aus Stralsund hatten dagegen mehr mit der eigenen Ordnung zu kämpfen als mit dem Gegner. Trainer Dennis Koch gestikulierte früh wild an der Seitenlinie, rief "weiter raus!", doch seine Abwehr stand so tief, dass sie fast schon Eintrittskarten für die erste Reihe des Heimblocks hätte lösen können.

In der 36. Minute war es dann soweit: Nach einem feinen Pass von Jakob Hauser nahm Olaf Jürgens Maß - und traf mit links ins lange Eck. 1:0 für Rostock, und der Jubel war so laut, dass man ihn vermutlich bis Warnemünde hörte. "Ich hab’ den Ball einfach gespürt", sagte Jürgens später und lachte, "und wenn ich ihn spüre, fliegt er meistens auch."

Pommern Stralsund fand auch danach kaum Mittel. Zwar versuchten sie es mit langen Bällen, aber die landeten meist direkt auf den Köpfen der Rostocker Innenverteidiger. Einziger echter Aufreger vor der Pause: Cafer Simsek sah in der 24. Minute Gelb - für ein rustikales Einsteigen, das man in Rostock freundlich als "robust" bezeichnet.

In der zweiten Hälfte änderte sich wenig am Spielverlauf. Empor kombinierte, Stralsund konterte - zumindest theoretisch. In der Praxis blieb es bei zwei zaghaften Abschlüssen von Uwe Wiese (78.) und Wilhelm Keil (83.), die Rostocks junger Keeper Max Falk mit stoischer Ruhe parierte. "Ich hab’ mich fast gefreut, endlich mal was zu tun zu kriegen", witzelte der 19-Jährige nach dem Spiel.

Rostock dagegen ließ Chance um Chance liegen. Hauser, Kessler, Bachmann - sie alle durften sich in die Statistik der Torschüsse eintragen, aber nicht in die Torschützenliste. Erst in der Nachspielzeit fiel die endgültige Entscheidung: Phillip Bachmann zog auf rechts durch, flankte scharf in die Mitte, und Jakob Hauser bedankte sich mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck. 2:0, Spiel entschieden, die Fans sangen, und Johansson klatschte zufrieden in die Hände.

"Wir haben heute mit Geduld gewonnen", meinte der Trainer nach dem Spiel. "Manchmal ist 2:0 schöner als 5:0 - weil du weißt, dass du’s unter Kontrolle hattest." Sein Gegenüber Koch sah das naturgemäß etwas anders: "Wir wollten mutig sein, aber Mut allein reicht nicht, wenn der Ball immer wieder beim Gegner landet."

Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied deutlich: 24:2 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Rostock dominierte in allen Belangen. Nur in der Kategorie "Gelbe Karten" stand es unentschieden: je zwei Verwarnungen, wobei Stralsunds Tom Van Overmeire in der 54. Minute mit einem beherzten Griff ans Trikot den gelben Karton verdiente.

Ein unschöner Moment dann in der 72. Minute: Stralsunds Jens Sack, gerade erst eingewechselt, verletzte sich bei einem harmlosen Zweikampf und musste wieder raus. "Ich hab’ mehr Zeit auf der Trage verbracht als auf dem Rasen", sagte er mit Galgenhumor im Kabinengang.

Als der Schlusspfiff ertönte, blieben die Rostocker Spieler noch minutenlang auf dem Rasen und ließen sich feiern. "Das war heute eine Demonstration", meinte Kapitän Lars Schumacher, der selbst Gelb sah, aber ansonsten ein starkes Spiel machte. "Wir wollten zeigen, dass wir oben mitspielen können - und das haben wir."

Empor Rostock klettert mit diesem Sieg weiter nach oben in der Oberliga F, während Pommern Stralsund sich mit der Erkenntnis trösten muss, dass Wille allein im modernen Fußball selten reicht.

Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne es formulierte, als er sich die Handschuhe wieder überzog: "Schön, dass die Jungs gewonnen haben. Aber nächstes Mal dürfen sie gern schon in der ersten Halbzeit alles klar machen - meine Nerven sind nicht mehr die jüngsten."

Ein norddeutscher Abend also, wie er im Fußballbuch steht: viel Wind, wenig Worte - und drei Punkte für Empor Rostock.

07.08.643990 15:55
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Rainer Calmund
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