Außenseiter
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Empor Rostock dreht nach der Pause auf - Pommern Stralsund ohne Durchschlagskraft

Das Flutlicht im Stadion an der Kupfermühle glühte am Dienstagabend heller als die Offensive von Pommern Stralsund. 4325 Zuschauer sahen eine Mannschaft, die zwar wollte, aber nicht konnte - und eine andere, die erst ab der 50. Minute so richtig Lust bekam. Am Ende stand ein deutliches 0:2 aus Stralsunder Sicht gegen den clever auftretenden Tabellenfünften Empor Rostock.

"In der ersten Halbzeit war das wie Schach mit Bauklötzen", grinste Empor-Trainer Johan Johansson nach Abpfiff. "Viel Geschiebe, wenig Risiko - aber wir wussten, irgendwann fällt einer rein." Und tatsächlich: Nach 52 Minuten war es der 19-jährige Björn Hafner, der nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Phillip Bachmann trocken vollendete. Der Youngster, sonst eher als Ballverteiler bekannt, traf aus rund 18 Metern und ließ Pommern-Keeper Finlay Hunt keine Chance. "Ich hab einfach mal draufgehalten. Der Trainer sagt immer, irgendwann muss man die Theorie in die Praxis umsetzen", schmunzelte Hafner später in die Mikrofone.

Stralsund, bis dahin auf Schadensbegrenzung bedacht, taumelte - und fiel 20 Minuten später endgültig. Linus Weber, der flinke Linksaußen, verwertete ein Zuspiel von Bernt Riedel zum 0:2 (72.). Riedel hatte sich zuvor mit einem beherzten Solo durchs Zentrum gearbeitet, als wolle er die gesamte Stralsunder Defensive hypnotisieren. "Ich dachte, er rennt sich fest", kommentierte Rostocks Kapitän Simon Kessler. "Aber dann legt er quer - und Linus haut ihn rein. So einfach ist Fußball manchmal."

Dass es bei diesen zwei Treffern blieb, war vor allem der Chancenverwertung geschuldet. 15 Torschüsse für Empor, ganze einer für Pommern - das spricht Bände. Der einzige Abschluss der Hausherren, ein halbherziger Versuch von Rechtsverteidiger Bernd Schüler in der 16. Minute, landete mehr in der Fangnetzkategorie als in der Gefahrenskala.

Trainer Dennis Koch wirkte nach dem Spiel gefasst, aber sichtlich ernüchtert. "Wir haben versucht, kompakt zu stehen. Das hat bis zur Pause funktioniert. Danach war es, als hätten wir den Stecker gezogen." Auf die Frage, ob ihm die Offensivleistung Sorgen bereite, antwortete er knapp: "Sagen wir so - ich hab schon lebendigere Trainingsspiele gesehen."

Auch an der Seitenlinie flogen in der zweiten Hälfte mehr Anweisungen als Bälle in den Strafraum. Koch brüllte, Johansson klatschte, der vierte Offizielle zückte irgendwann nur noch das Notizbuch. Die Stralsunder Fans hielten tapfer durch, doch selbst sie konnten dem Ballbesitzwert von nur 42,5 Prozent keinen Applaus abringen.

Die Partie begann ruppig: Bereits nach sieben Minuten sah Stralsunds André Guillory Gelb, offenbar mehr aus nostalgischer Erinnerung an seine glorreichen 90er als aus taktischem Kalkül. Später folgte Dejan Dragutinovic (55.) mit derselben Farbe, diesmal nach einem beherzten Tritt in den Abendhimmel. Auf Rostocker Seite erwischte es Riedel (25.), dessen rustikaler Einsatz aber immerhin den Ball eroberte - und damit wohl moralisch zum späteren 0:2 beitrug.

Kurz vor Schluss musste Empors Olaf Jürgens nach einem Zweikampf verletzt raus. "Nur eine Prellung", beruhigte Johansson. "Olaf hat mehr Wucht als die meisten Gegner." Für ihn kam Routinier Maik Haase, der in den letzten Minuten geschickt das Tempo aus dem Spiel nahm - und die Stralsunder Hoffnung gleich mit.

In taktischer Hinsicht blieb Empor seiner offensiven Linie treu, spielte schnörkellos, hielt den Ball clever in den eigenen Reihen und ließ sich auch vom fehlenden Pressing nicht beirren. Stralsund kämpfte, rannte, rutschte - doch immer einen Schritt zu spät.

"Wir müssen lernen, dass Fußball kein Wunschkonzert ist", sagte Koch beim Abgang in die Kabine. "Aber manchmal würde ich mir wenigstens eine Zugabe wünschen." Die Fans quittierten es mit höflichem Applaus - und dem stillen Wissen, dass Pommern an diesem Abend zwar alles gegeben hatte, aber nie wirklich im Spiel war.

Empor Rostock dagegen darf weiter träumen. Zwei Tore, drei Punkte, eine Mannschaft, die nach der Pause mit jugendlicher Frische und abgeklärter Routine überzeugte. Johansson brachte es auf den Punkt: "Wenn meine Jungs so weiterspielen, müssen wir bald einen größeren Mannschaftsbus bestellen - für all das Selbstbewusstsein."

Und Stralsund? Die Pommern müssen sich sammeln, vielleicht mal wieder an den Strand, tief durchatmen und beim nächsten Mal mehr Mut zeigen. Denn Fußball bleibt, bei aller Ironie, ein einfaches Spiel: Wer den Ball öfter aufs Tor bringt, gewinnt meist auch. Und das war an diesem Abend - ziemlich eindeutig - Empor Rostock.

14.06.643993 02:18
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