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Ein Pokalabend, der eigentlich Spannung versprach, wurde schon nach einer Viertelstunde zur Lehrstunde. Der FC Höchst demontierte den überforderten FC Stadlau mit 11:0 (8:0) und schickte die Gäste mit einem Ergebnis nach Hause, das man sonst eher auf der PlayStation erwartet. 24.634 Zuschauer im Höchster Stadion rieben sich die Augen: War das noch Fußball oder ein öffentliches Trainingsspiel? Vom Anpfiff an machte der FC Höchst klar, dass hier keine Sensationen geduldet werden. "Wir wollten gleich zeigen, wer hier das Sagen hat", grinste Trainer Ronnie Ekström nach dem Spiel - und seine Elf setzte das mit gnadenloser Präzision um. Schon in der 6. Minute eröffnete Adam Malfoy den Torreigen, nach Vorlage des 19-jährigen Hanns Schreiber. Drei Minuten später erhöhte Robert Bossong, und kaum hatte Stadlau einmal tief Luft geholt, stand es auch schon 3:0 - wieder Bossong, diesmal nach einem feinen Zuspiel von Routinier Timm Schreiner. Die Gäste? Nun ja, sie standen meist in der Nähe des Balls, sahen aber selten etwas von ihm. Ganze 0 Torschüsse verbuchte der FC Stadlau, während Höchst 28-mal auf das Tor feuerte. Der Ballbesitz sprach mit 61 Prozent eine ebenso deutliche Sprache. "Ich habe irgendwann angefangen, die Minuten bis zum Pausenpfiff zu zählen", murmelte Stadlau-Keeper Andreas Römer später, der trotz elf Gegentoren als bester Mann seines Teams durchging. In der 21. Minute durfte sogar Innenverteidiger Stefan Westergaard jubeln - nach einer Ecke wuchtete er den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes ins Netz, der sonst hinten aufräumt. Dann folgte ein Doppelschlag: Schreiber (26.) und Schreiner (28.) erhöhten auf 6:0, beide Male nach sehenswerten Kombinationen durchs Mittelfeld. "Wir haben einfach Spaß gehabt", meinte Schreiner mit einem Schulterzucken. "Das war heute wie auf dem Bolzplatz - nur mit mehr Zuschauern." Kurz vor der Pause wurde es fast grotesk: Schreiner (43.) und Malfoy (44.) legten noch zwei Treffer nach. 8:0 zur Halbzeit - und der Schiedsrichter hätte wohl auch einfach abpfeifen können, ohne dass jemand protestiert hätte. Stattdessen ging es weiter, und man fragte sich: Wie viel Schaden kann ein Pokalspiel in 90 Minuten eigentlich anrichten? In der zweiten Hälfte nahm Höchst etwas Tempo raus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht, um die eigene Statistik nicht völlig absurd wirken zu lassen. Trotzdem klingelte es noch dreimal: Jacques Edgecomb traf in der 53. und 79. Minute, dazwischen durfte Bossong (60.) ein weiteres Mal jubeln. "Elf Tore sind schon heftig", sagte Edgecomb später, "aber ehrlich gesagt: Wir hätten noch fünf machen können." Bei den Gästen war der Frust mit Händen zu greifen. In der 73. Minute sah Philip Sommer nach einem rustikalen Einsteigen die Gelbe Karte - ein seltener Moment, in dem Stadlau wenigstens körperlich Präsenz zeigte. Trainer des FC Stadlau wollte sich nach dem Spiel lieber nicht äußern, ließ aber über den Pressesprecher ausrichten, man werde "das Ergebnis intern aufarbeiten". Übersetzt heißt das wohl: Es wird eine sehr, sehr lange Videoanalyse geben. Interessant: Taktisch blieb Höchst die gesamte Partie über offensiv, während Stadlau in seiner "balancierten" Grundordnung verharrte - offenbar in der Hoffnung, dass die Höchster irgendwann müde würden. Taten sie aber nicht. Selbst in der 92. Minute drosch Dmitri Makarow noch einen Ball aufs Tor, als wolle er sicherstellen, dass der Schlusspfiff wirklich bald kommt. "So ein Spiel darf man nicht überbewerten", warnte Trainer Ekström, "aber man darf sich auch mal freuen." Der Satz fiel in einer Pressekonferenz, in der man das Schmunzeln kaum unterdrücken konnte. Die Spieler scherzten, die Fans sangen, und irgendwo auf der Tribüne soll ein Stadlau-Anhänger gefragt haben: "Gibt’s hier eigentlich eine Gnade-Regel?" Nein, die gab es nicht. Und so geht der FC Höchst mit einem historischen 11:0 in die zweite Pokalrunde - während der FC Stadlau wohl erst einmal nach einem neuen Selbstverständnis suchen muss. Oder, wie es Höchst-Kapitän Schreiner mit trockenem Humor zusammenfasste: "Das war heute kein Spiel, das war eine Bewerbung für die Geschichtsbücher." 26.07.643990 17:28 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.