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Ein milder Januarabend, knapp 28.000 Zuschauer, und ein Spiel, das so früh Fahrt aufnahm, dass selbst die Churros-Verkäufer an den Eingängen kaum hinterherkamen. UD Elche und Celtiga trennten sich am 21. Spieltag der 2. Liga Spanien mit 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Seiten schmeichelte und doch irgendwie gerecht war. Bereits in der 7. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz der Gastgeber. Celtigas Altmeister Ivan Diéguez, 33 Jahre jung und mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat, zog von links ab, nachdem Gabri Vázquez den Ball sehenswert in seinen Lauf gespielt hatte. Elches Torhüter Duarte Derlei streckte sich, aber der Ball küsste unverschämt lässig den Innenpfosten. 0:1 - und auf der Heimtribüne war kurz das große Murren zu hören. Doch wer glaubte, dass die jungen Wilden von Elche die Köpfe hängen lassen würden, wurde eines Besseren belehrt. Nur acht Minuten später kombinierte sich die Baby-Offensive der Hausherren durch die Celtiga-Abwehr, als spielten sie auf dem Pausenhof. Der 18-jährige Jamie Wyler passte quer, der 17-jährige Raul Yáñez zog trocken ab - und plötzlich stand’s 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Yáñez später in der Mixed Zone, mit Eisbeutel am Knöchel und einem Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Stolz und Ungläubigkeit. Die Partie blieb danach offen, Elche hatte mit 13 Torschüssen leicht die Nase vorn, Celtiga kam auf 10. Der Ballbesitz? Fast ausgeglichen: 49,7 zu 50,3 Prozent. Eine statistische Punktlandung, die sinnbildlich für diesen Abend stand - keiner wollte wirklich verlieren, keiner konnte wirklich gewinnen. In der 18. Minute gab’s die erste Verwarnung: Elches Innenverteidiger Julian Assis holte sich Gelb ab, nachdem er Libor Trojan etwas zu leidenschaftlich "begrüßt" hatte. Mike Johnson, der Trainer von Elche, hob nur die Schultern: "Julian hat halt manchmal das Temperament eines Espresso doppio." Später, in Minute 31, musste er Assis dann doch vom Platz holen - allerdings verletzungsbedingt. Der junge Schwede Albin Karlsson kam und machte seine Sache ordentlich. Celtiga zeigte sich routiniert, aber nicht überragend. Gabri Vázquez lenkte das Spiel aus der Mitte, Matias Ramos und Thomas Keane versuchten über rechts Druck zu machen, während vorne Agustín Gutiérrez und Libor Trojan immer wieder gefährlich wurden. Doch Elches Defensive hielt stand - auch wenn sie ab und zu mehr improvisierte als geplant. Nach knapp einer Stunde bekam Rechtsverteidiger Alberto Nene Gelb - wegen Reklamierens. "Ich hab nur gesagt, dass der Ball zweimal gesprungen ist", verteidigte er sich später mit einem Lächeln. Johnson reagierte prompt und brachte den 18-jährigen Nicolas Berthier. "Wenn man jung ist, rennt man wenigstens noch freiwillig", kommentierte der Coach trocken. Die Schlussphase wurde hitzig. Celtigas Cristóbal Hernán, zuvor schon verwarnt, sah in der 79. Minute Gelb-Rot - und verabschiedete sich mit einem Applaus Richtung Schiedsrichter, der diesen Humor allerdings nicht erwiderte. Celtiga musste in Unterzahl weitermachen, doch Elche konnte daraus kein Kapital schlagen. Jack Grealish - ebenfalls erst 17 - hatte in der 92. Minute die Riesenchance, doch Celtigas Torhüter Pau Machado parierte glänzend. Die letzte Szene gehörte wieder Yáñez, der sich in der Nachspielzeit verletzte und ausgewechselt werden musste. Beim Abgang winkte er den Fans zu, als hätte er gerade den Pokal geholt. "Ich bin okay, nur ein Schlag abbekommen", versicherte er später. Nach dem Abpfiff herrschte gemischte Stimmung. "Ein Punkt ist besser als keiner, aber wir hätten den Sieg verdient gehabt", meinte Elches Mittelfeldmotor Daniel Bernard. Celtigas Trainer - der sich demonstrativ weigerte, den Schiedsrichter zu kritisieren - sah das naturgemäß anders: "Wir hatten die klareren Chancen, doch am Ende war’s ein gerechtes Ergebnis." Für Elche war es das fünfte Unentschieden in Folge - eine Serie, die zwar niemanden begeistert, aber auch niemanden beunruhigt. Mike Johnson fasste es gewohnt lakonisch zusammen: "Wir sind jung, wir lernen, und manchmal lernen wir eben 90 Minuten lang." Vielleicht war dieses 1:1 also kein verlorener Sieg, sondern ein gewonnener Schritt auf dem Weg zur Reife. Und wer weiß - wenn man mit 17 schon Tore in der 2. Liga schießt, darf man ruhig mal humpelnd vom Platz gehen. Schlusswort eines Zuschauers beim Rausgehen: "Früher hatten wir Erfahrung, jetzt haben wir Hoffnung." Ein Satz, der an diesem Abend im Martínez Valero wohl mehr Applaus verdient hätte als manches Dribbling. 19.09.643987 05:12 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass wir auch kämpferisch überzeugen und nicht nur Eiskunstlaufen machen.
Rainer Calmund