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Was für ein Fußballabend im Estadio Manuel Martínez Valero! 32.427 Zuschauer sahen ein 3:3-Spektakel zwischen UD Elche und Atletic Barcelona, das alles bot - von jugendlichem Übermut bis zu altgedienter Cleverness, von Gelben Karten bis zu einem späten Happy End für die Gastgeber. Wer nach 21 Minuten schon das Stadion verließ, dürfte sich am nächsten Morgen beim Lesen der Tabelle gründlich geärgert haben. Denn nach nicht einmal einer halben Stunde sah alles nach einer klaren Sache für die Gäste aus. Tim Ackermann brachte Atletic in der 11. Minute in Führung, ein wuchtiger Schuss aus spitzem Winkel - Elches Torhüter Duarte Derlei konnte nur hinterherschauen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Atletic-Coach Al Bundy später, "aber Tim hat wohl eine andere Geometrie im Kopf." Nur neun Minuten später legte der junge Mittelfeldmotor Lajos Dumitrescu nach - und traf gleich noch einmal, kaum dass die Wiederholung auf der Anzeigetafel vorbei war (20. und 21. Minute). 3:0 für die Gäste, ein Doppelschlag, der Elches Defensive aussehen ließ wie eine Jugendmannschaft beim Seniorenturnier. "Ich hätte am liebsten das ganze Team ausgewechselt", knurrte Heimtrainer Mike Johnson später, "aber wir hatten nur drei Wechsel." Doch noch vor der Pause zeigte der 19-jährige Veselin Mihajlovic, dass auch Elches Nachwuchs weiß, wo das Tor steht. In der 30. Minute traf der Linksaußen zum 1:3, und plötzlich war wieder Leben in der Bude. "Das war der Moment, an dem wir gemerkt haben: Die atmen auch nur Luft", sagte Mihajlovic nach dem Spiel, während er sich noch die Grasflecken vom Trikot kratzte. Zur Halbzeit reagierte Johnson konsequent: Er brachte Dalia Levinger für den blassen Hamlin. Ein Wechsel, der sich auszahlen sollte - und wie! Kaum hatte die zweite Hälfte begonnen, sprintete Levinger über rechts, bekam von Castello den Ball in den Lauf und versenkte ihn eiskalt zum 2:3 (46.). Das Stadion bebte, und plötzlich war Atletic nicht mehr der souveräne Tabellenzweite, sondern eine wackelnde Truppe, die sich an der eigenen Routine verschluckte. Barcelona versuchte, das Tempo wieder zu kontrollieren - 57 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse -, aber Elche biss sich in die Partie zurück. Besonders auffällig: die aggressivere Spielweise nach der Pause. Pressing, Laufbereitschaft, Mut - die Jugend übernahm das Kommando. "Ich hab’ ihnen in der Kabine gesagt, sie sollen so tun, als hätten sie noch nie Angst gehabt", erzählte Johnson mit einem Schmunzeln. "Offenbar hat’s funktioniert." Das Spiel wurde ruppiger: Barcelonas Innenverteidiger Marcel Gaudin sah Gelb (45.), Elches Xabier de los Reyes ebenfalls (64.), ehe der junge Linksverteidiger verletzt vom Platz musste. Bundy wechselte doppelt, brachte unter anderem den 18-jährigen Rafael Vico, der sofort für frischen Wind sorgte und gleich zweimal gefährlich abschloss. Aber Elches Keeper Derlei hielt, was zu halten war - manchmal mit den Fingerspitzen, manchmal mit dem Glück des Tüchtigen. Und dann kam die 87. Minute. Wieder Levinger, diesmal nach Vorlage von Caio Chalana, wieder rechts, wieder eiskalt. 3:3! Der Jubel kannte keine Grenzen. Die Bank stürmte das Feld, Johnson rannte ein paar Meter mit - und Bundy stand da wie ein Mann, dem gerade die Fernbedienung abgenommen wurde. "Wir haben aufgehört zu spielen", seufzte der Atletic-Trainer hinterher. "Vielleicht dachten die Jungs, 45 Minuten reichen für drei Punkte." Elche hatte am Ende sogar noch Chancen auf den Sieg: Mihajlovic prüfte in der 95. Minute erneut den Gäste-Keeper, doch der blieb standhaft. Kurz darauf lag Jorge Veloso verletzt am Boden - ein Wermutstropfen in einem sonst furiosen Abend. Die Statistik bestätigt, was das Herz schon wusste: Barcelona mit mehr Ballbesitz und Abschlüssen, Elche mit mehr Leidenschaft. 42,9 Prozent Ballbesitz reichten den Hausherren, um den Favoriten am Rande einer Blamage zu halten. Und die Fans? Sie feierten ihre jungen Wilden, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war kein Punktverlust, das war eine Charakterprobe", sagte Johnson abschließend mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erschöpfung lag. "Und Dalia? Die hat heute gezeigt, dass sie mehr Feuer hat als manch erfahrener Profi." Ein 3:3, das sich anfühlt wie ein Sieg für Elche - und wie ein Weckruf für Barcelona. Wer 3:0 führt und trotzdem zittern muss, sollte vielleicht im Training mal wieder daran erinnert werden, dass Fußball 90 Minuten dauert. Mindestens. 02.04.643990 02:39 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs