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Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion zwar gut gefüllt ist - 24.644 Zuschauer, um genau zu sein -, aber die Luft voller Ungeduld hängt. Atletic Barcelona empfing UD Elche zum 15. Spieltag der 2. Liga Spanien, und eigentlich war alles angerichtet für einen Heimsieg. Alles - außer dem Tor. Trainer Al Bundy, an der Seitenlinie in seinem ewigen grauen Pullover, hatte vor dem Spiel noch gewitzelt: "Wir spielen heute offensiv, aber mit Köpfchen." Nach 90 Minuten wusste niemand mehr so genau, wo das Köpfchen geblieben war. Trotz 14 Torschüssen und fast 45 Prozent Ballbesitz stand am Ende ein ernüchterndes 0:1 auf der Anzeigetafel. Dabei begann alles so vielversprechend. Schon in der 16. Minute prüfte Tim Ackermann den Elche-Keeper mit einem satten Schuss, der so gefährlich war, dass selbst die Tauben auf der Tribüne kurz aufhorchten. Pinchas Hasson versuchte es gleich dreimal (35., 52., 66.), und auch Marcel Gaudin, sonst eher bekannt für rustikale Grätschen als für feine Technik, tauchte plötzlich im gegnerischen Strafraum auf. Aber das Tor blieb wie vernagelt. Elche hingegen, zunächst in einer tiefen, fast schüchternen Defensive, lauerte geduldig auf seine Chance. Ihr Trainer Mike Johnson, ein Mann mit dem stoischen Gesichtsausdruck eines Schachspielers, hatte das Spiel offenbar vorhergesehen. "Wir wussten, dass Barcelona irgendwann ungeduldig wird. Dann kommt unsere Stunde", erklärte er später mit einem kaum merklichen Lächeln. Diese Stunde schlug in der 76. Minute. Der Ball zirkulierte über die linke Seite, Archie Willoughby - gerade einmal 19, aber mit der Ruhe eines 30-Jährigen - passte präzise auf die rechte Seite, wo Dalia Levinger, ebenfalls 19, lauerte. Ein kurzer Haken, ein trockener Schuss aus 16 Metern - und plötzlich stand es 0:1. Das Stadion verstummte für einen Moment, ehe ein paar ungläubige Pfiffe durch die Ränge hallten. "Ich dachte erst, der Ball sei abgefälscht", staunte Barcelonas Torhüter Caio Djalo nach dem Spiel. "Aber nein, der war einfach perfekt getroffen." Levinger selbst hingegen nahm es locker: "Ich wollte eigentlich flanken", grinste sie, "aber wenn’s passt, dann passt’s." Atletic Barcelona rannte danach wütend an, schob die Formation noch weiter nach vorn, stellte um auf langes Passspiel und aktivierte das Pressing auf Anschlag. Aber es half nichts. Jake Davonport probierte es gleich dreimal in der Nachspielzeit (91., 93.), doch die Kugel wollte einfach nicht ins Netz. "Wenn wir noch fünf Stunden gespielt hätten, hätten wir immer noch kein Tor gemacht", fluchte ein sichtlich erschöpfter Tim Ackermann. Zu allem Überfluss verletzte sich der junge Nael Caneira nach einer unglücklichen Aktion in der 59. Minute, kurz nachdem er Gelb gesehen hatte. Bundy musste umstellen, und das ohnehin fragile Mittelfeld verlor endgültig den Faden. "Ich hab ihm gesagt, er soll mutig sein", erklärte der Trainer später, "aber ich meinte nicht, dass er sich selbst opfern soll." Elche verteidigte die Führung mit zähem Biss, manchmal am Rande des Erlaubten, aber immer clever. Caio Chalana kassierte zwar in der 89. Minute noch Gelb - vermutlich als Erinnerung daran, dass auch er im Spiel war -, doch das störte niemanden mehr. "Das war ein taktisches Foul", grinste Johnson, "manchmal muss man eben den Künstler in sich wecken." Statistisch gesehen war Barcelona sogar leicht überlegen: 14 zu 9 Torschüsse, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Aber Fußball wird bekanntlich nicht nach Arbeitsnachweisen entschieden, sondern nach Toren. Und da hatte Elche das eine, das zählte. Nach Abpfiff rang Bundy um Fassung. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte er, um dann doch noch einen zu machen: "Außer vielleicht, dass Tore schießen zum Spiel dazugehört." So endete ein Abend, der für Barcelona zum Sinnbild ihrer Saison werden könnte: viel Aufwand, viel Wille, wenig Ertrag. Für Elche dagegen war es ein Sieg der Nervenstärke - und vielleicht der Beginn einer kleinen Erfolgsserie. Oder, wie Dalia Levinger es mit jugendlicher Frechheit ausdrückte, als sie mit dem Spielball unter dem Arm vom Platz ging: "Ich hab gehört, Barcelona sucht noch jemanden, der Tore schießt." Ein Satz, der am Montagmorgen sicher in so manchem Trainingsraum an der Wand hängt. 30.06.643987 04:00 |
Sprücheklopfer
Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist.
Otto Rehhagel