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Ein lauer Januarabend in Elche, 26.887 Zuschauer im Stadion Martínez Valero, und was sie geboten bekamen, war ein Fußballspiel, das man getrost als "lebendigen Beweis jugendlicher Unbekümmertheit" bezeichnen darf. UD Elche, eine Mannschaft, deren Durchschnittsalter eher an eine Jugendakademie erinnert als an ein Profiteam, trotzte dem routinierten UD Tarragona ein 2:2 ab - und das mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut, taktischem Trotz und einer Prise Slapstick. Doch der Reihe nach: Tarragona begann, wie man es von einer Mannschaft mit grauen Schläfen und viel Erfahrung erwartet - offensiv, zielstrebig, schnörkellos. Schon in der ersten Minute prüfte der 34-jährige Robert Harsanyi den jungen Keeper Artjom Kutschewski, der den Ball gerade noch aus dem Winkel fischte. "Ich hab nur gehofft, dass er mich nicht anschießt", grinste Kutschewski nach dem Spiel, noch ein bisschen ungläubig über seine eigene Parade. In der 26. Minute war es dann aber so weit: Wieder Harsanyi, diesmal nach feiner Vorarbeit von Stille Van Cortlandt - 0:1 für Tarragona. Der Altmeister schob lässig ein und rannte jubelnd zur Eckfahne. "Ich wollte zeigen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre", meinte der 34-Jährige später. Wer dachte, dass die junge Elche-Elf nun auseinanderfällt, hatte die Rechnung ohne die Teenager gemacht. Nur zwei Minuten später - die 28. Minute - zauberte Dalia Levinger den Ausgleich aufs Tableau. Ein satter Schuss aus halbrechter Position, vorbereitet vom 18-jährigen Lucas Williamson, und plötzlich stand es 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Levinger hinterher, "Trainer Johnson meinte, wir sollen mutig sein - also war ich mutig." Das Publikum tobte, und man hatte das Gefühl, dass Elche plötzlich an sich glaubte. Die Statistik sprach da schon Bände: 11 Torschüsse für die Hausherren, 16 für Tarragona, Ballbesitz fast ausgeglichen. Doch während Tarragona mit Routine und System spielte, wirkte Elche wie ein wilder Schwarm junger Spatzen - unberechenbar, laut, manchmal chaotisch, aber immer gefährlich. Nach der Pause blieb das Bild ähnlich: Tarragona drückte, Elche konterte. Dann die 65. Minute - und das Stadion explodierte: Der linke Verteidiger Michal Balcarek, 19 Jahre alt, setzte zu einem Sprint an, den man sonst nur in Videospielen sieht, und nagelte den Ball nach einem feinen Zuspiel von Iwan Titow humorlos unter die Latte. 2:1 für Elche! Trainer Mike Johnson schrie seine Freude heraus, drehte sich dann aber sofort zu seiner Bank und rief: "Jetzt bitte nicht wieder alles herschenken!" - eine Bitte, die seine Abwehr wohl überhörte. Nur acht Minuten später, in der 73. Minute, traf Dylan Haddock für Tarragona - wieder auf Vorlage von Van Cortlandt, der einen Sahnetag erwischte. 2:2, und damit endete das Spiel, wie es angefangen hatte: mit offenem Visier. Es blieb spannend bis zum Schluss. Tarragona hatte in der Schlussphase noch Chancen zuhauf - Harsanyi (79., 81.) und Gallardo (82.) feuerten, was das Leder hergab. Doch Kutschewski hielt, was zu halten war, und mit Glück, Geschick und jugendlicher Naivität brachte Elche das Remis über die Zeit. Drei Gelbe Karten (Zapatero, Nene, Veloso) sorgten für ein bisschen Farbe im ansonsten fairen Spiel, und eine kuriose Szene in der 79. Minute ließ die Zuschauer schmunzeln: Johnson wechselte den 17-jährigen Raul Yanez ein - allerdings für Rechtsverteidiger Nene, was kurzfristig für taktisches Chaos sorgte. "Ich dachte, wir spielen jetzt mit zwei Stürmern", meinte Yanez lachend, "aber der Trainer wollte wohl einfach mehr Herz auf dem Platz." Nach dem Abpfiff war Johnson trotz des verpassten Siegs zufrieden: "Sehen Sie sich die Jungs an - die könnten meine Kinder sein! Und sie spielen mit mehr Mut, als manche Profis mit 200 Spielen auf dem Buckel." Sein Gegenüber, Tarras Trainer (Name unbekannt, aber sichtlich genervt), nuschelte ins Mikrofon: "Das war kein Punktverlust, das war eine Lektion in jugendlicher Energie." Am Ende blieb ein gerechtes 2:2 auf der Anzeigetafel - ein Spiel, das weniger durch taktische Brillanz als durch Leidenschaft und Spielfreude glänzte. Und während die Fans von Elche ihre Nachwuchshelden feierten, murmelte ein alter Fan auf der Tribüne: "Wenn das die Zukunft des spanischen Fußballs ist, müssen wir uns keine Sorgen machen - höchstens um unsere Nerven." Ein Satz, dem wohl jeder im Stadion zustimmen konnte. 07.06.643987 00:47 |
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Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist.
Otto Rehhagel