Marca
+++ Sportzeitung für Spanien +++

Elche zerlegt Gijon: 0:3-Demonstration im Nebel von Asturien

Wenn man am Montagabend ins Stadion von Gijon kam, roch es nach Kastanien, Meerluft - und einer kleinen Sensation. 26.881 Zuschauer wollten sehen, ob Deportivo Gijon im Heimspiel des 18. Spieltags der 2. Liga Spanien den Aufwärtstrend bestätigt. Doch am Ende blieb nur der Geruch von verbranntem Gummi: UD Elche fuhr mit einem 3:0-Sieg nach Hause, und das war noch schmeichelhaft für die Gastgeber.

"Wir hatten genau null Schüsse aufs Tor", sagte Gijons Trainerin Jana Sagt Hallo trocken nach dem Spiel. "Das ist schon eine Leistung - nur leider keine, auf die man stolz sein kann." Sie hatte recht: Laut Statistik brachte Gijon keinen einzigen Ball auf den Kasten, während Elche satte 26 Mal auf die Torlinie feuerte. Es war ein Spiel, das man in Gijon wohl lieber schnell vergessen möchte.

Dabei begann alles noch mit Hoffnung. Gijon stellte sich offensiv auf, wollte das Publikum mit frühem Pressing anheizen. Doch schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass Elche nicht zum Sightseeing an die Atlantikküste gekommen war. Die Gäste, taktisch defensiv geordnet, aber mit messerscharfen Kontern, ließen den Ball laufen, als hätten sie ihn gemietet.

In der 20. Minute fiel dann, was sich längst angedeutet hatte: Emilio Molina, der 20-jährige Rechtsaußen mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers, zog nach Pass von Lucas Williamson ab und traf trocken ins lange Eck. 1:0 - und die Gijon-Abwehr sah dabei aus, als hätte sie gerade erst erfahren, dass das Spiel begonnen hatte.

Das Publikum murrte, doch noch glaubte man an eine Wende. Trainerin Jana Sagt Hallo gestikulierte wild an der Seitenlinie, brüllte Anweisungen, die der Wind über die Ränge trug. "Ich sagte: ruhig bleiben, Ball laufen lassen - aber offenbar hat keiner den Ball gefunden", scherzte sie später bitter.

Nach dem Seitenwechsel kam es dann knüppeldick. Elche drückte, Gijon wackelte - und in Minute 50 war es der 18-jährige Rechtsverteidiger Nicolas Berthier, der nach einer Ecke von Albin Karlsson aus kurzer Distanz traf. Eine Minute später machte Caio Chalana, 19, den Sack eigentlich schon zu. Sein 3:0 nach einem energischen Solo über die Mitte war der spielerische Todesstoß. Danach ergab sich Gijon in sein Schicksal.

"Wir wollten nachlegen, aber dann fiel uns ein, dass wir schon 3:0 führen", grinste Elches Trainer Mike Johnson nach Abpfiff. Sein junges Team spielte selbstbewusst, manchmal fast übermütig. Molina kassierte in der 67. Minute noch Gelb - wohl aus Langeweile, wie ein Kollege auf der Pressetribüne flachste.

Die Gastgeber dagegen verloren nicht nur das Spiel, sondern auch die Nerven. Santiago Fernandez sah in der 83. Minute Gelb-Rot, nachdem er seinen Gegenspieler eher symbolisch umarmt hatte - mit ausgestrecktem Bein. "Ich wollte nur stoppen, dass er läuft", erklärte der Verteidiger später mit einem Achselzucken.

Die letzten Minuten glichen einem Trainingsspiel: Elche wechselte sogar den Torwart aus - der 17-jährige Rüstem Topuz durfte in der 89. Minute noch ein paar Bälle einsammeln. Im Gegensatz zu seinen Kollegen hatte er allerdings kaum etwas zu tun.

Statistisch gesehen war Elche in jeder Hinsicht überlegen: 55 Prozent Ballbesitz, doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe, und eine Schussstatistik, die an ein Handballspiel erinnerte. Gijon dagegen blieb blass, ohne Ideen, ohne Zug zum Tor - und mit einem Publikum, das irgendwann begann, ironisch mitzuzählen, wie lange der Ball in den eigenen Reihen blieb.

"Das war heute kein Fußball, das war eine Vorführung", meinte ein älterer Fan auf der Tribüne, während er seine Fahne einrollte. "Aber vielleicht lernen sie was draus."

Elches junge Wilde hingegen jubelten ausgelassen. Berthier posierte für Selfies, Molina scherzte mit Fans, Chalana wurde von seinen Mitspielern mit Wasser überschüttet - mitten im Januar. Trainer Johnson lächelte nur: "Das war reif, das war mutig - und das war erst der Anfang."

Und so endete der Abend in Gijon mit einer klaren Erkenntnis: Manchmal gewinnt nicht das Team mit der großen Geste, sondern das mit dem klaren Plan. UD Elche hat beides - und Deportivo Gijon sollte sich dringend eines davon zulegen.

Oder, wie ein spanischer Kollege beim Rausgehen sagte: "Gijon hat 90 Minuten Pressing geübt - nur leider im eigenen Strafraum."

15.08.643987 11:25
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Es ist egal, ob ein Spieler bei Bayern München spielt oder sonstwo im Ausland.
Erich Ribbeck
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager