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Elche ringt Sevilla nieder - Ein Platzverweis, ein Tor und viele Nerven

UD Elche hat am 5. Spieltag der 2. Liga Spanien einen hart erkämpften 1:0-Heimsieg gegen den SC Sevilla gefeiert. 29.433 Zuschauer im Estadio Martínez Valero sahen ein Spiel, das weniger durch spielerische Finesse als durch Leidenschaft, Temperament und eine Prise Chaos in Erinnerung bleiben wird.

Von Beginn an war klar: Das hier würde kein gemütlicher Fußballabend werden. Elche, von Trainer Mike Johnson zunächst defensiv eingestellt, ließ Sevilla kommen, lauerte auf Konter - und hatte schon in der zweiten Minute einen ersten Warnschuss durch Dalia Levinger. Die 20-Jährige (ja, richtig gelesen - Elche setzt in dieser Saison auffällig auf junge Kräfte) prüfte Sevillas Torhüter Stef Geldmeyer frühzeitig. "Ich wollte zeigen, dass wir hier nicht mauern werden", grinste Levinger nach dem Spiel.

Sevilla dagegen übernahm das Kommando, hatte mehr Ballbesitz (am Ende 52 Prozent) und kombinierte gefällig durch die Mitte. Felix Brun und Bernardo Moreno testeten Elches Keeper Artjom Kutschewski mehrfach, aber der 19-jährige Schlussmann bewahrte Ruhe - und den Überblick.

Die erste Halbzeit endete torlos, aber keineswegs ereignislos. Eine frühe Gelbe Karte für Sevillas Rechtsverteidiger Fernando Ferron (8.) brachte Würze ins Geschehen, und auf den Rängen wuchs die Ungeduld. "Wir haben in der Pause gesagt: ein bisschen mehr Mut, ein bisschen mehr Risiko", erklärte Johnson später. Gesagt, getan.

Mit Beginn der zweiten Hälfte wirkte Elche wie ausgewechselt. Das Team schob höher, presste mutiger - und wurde prompt belohnt. In der 55. Minute schlug der Moment von Javi Hernando. Nach feinem Zuspiel von Federico Castello zog der 21-Jährige von rechts in den Strafraum, ließ einen Verteidiger ins Leere grätschen und schob den Ball trocken ins lange Eck. 1:0, Stadion explodiert, Johnson jubelte mit geballten Fäusten an der Seitenlinie. "Das war der Pass meines Lebens", scherzte Castello später - wobei man ihm ansah, dass er es halb ernst meinte.

Danach wurde die Partie ruppiger. Elche zog sich wieder zurück, Sevilla drückte. In der 69. Minute dann der Schock für die Gastgeber: Innenverteidiger Avraham Goldmann sah nach einem übermotivierten Einsteigen glatt Rot. "Ich traf den Ball - und leider auch ein bisschen den Gegner", gestand er zerknirscht. Johnson reagierte sofort, stellte um, brachte Verteidiger Giorgio Castrolibero, um die Defensive zu stabilisieren.

Sevilla witterte die Chance, warf alles nach vorne. Der junge Emilio Albacar (18) prüfte Kutschewski gleich dreimal, zweimal rettete der Keeper spektakulär, einmal half das Außennetz. In der 77. und 78. Minute flankierte der eingewechselte Andres Panero gefährlich von links, doch Elches Abwehr - jetzt mit neun Feldspielern tief gestaffelt - hielt stand.

"Wir haben heute gelernt, was Leiden bedeutet", seufzte Johnson nach Schlusspfiff - und grinste dabei. Sein Gegenüber Hugo "Der Geist" Der Geist, sonst für seine ruhige Art bekannt, sah das anders: "Wir hatten genug Chancen. Wir hätten hier mindestens einen Punkt verdient gehabt. Aber wenn man das Tor nicht trifft, gewinnt man eben keine Spiele."

Die Statistik gab ihm nicht ganz Unrecht: 8:9 Torschüsse, leicht mehr Ballbesitz - doch das entscheidende Tor blieb aus. Stattdessen sammelte seine Elf zwei Gelbe Karten und jede Menge Frust.

In der Schlussphase wurde es noch einmal hitzig - Sevilla drängte, Elche konterte, und das Publikum stand Kopf. Als Schiedsrichter Juan Alarcón nach 95 Minuten abpfiff, lagen Elches Spieler sich erschöpft, aber glücklich in den Armen.

"Ich muss ehrlich sagen, wir haben’s heute mit Herz gewonnen, nicht mit Kopf", meinte Torschütze Hernando, der nach seiner Auswechslung in der 90. Minute auf der Bank gar nicht mehr still sitzen konnte. "Ich hab beim Schlusspfiff einfach nur geschrien. Und Mike hat mich fast erdrückt."

Ein sichtlich erleichterter Johnson verabschiedete sich mit den Worten: "Wir wollten zeigen, dass wir auch gegen große Namen kämpfen können - und wenn’s sein muss, auch zu zehnt."

So bleibt Elche nach fünf Spieltagen ungeschlagen zu Hause, während Sevilla wieder einmal den eigenen Chancen nachtrauert. Der Abend in Elche wird vor allem in Erinnerung bleiben als ein Lehrstück in Sachen Effizienz - und als Beweis, dass Fußball manchmal kein Spiel der Zahlen, sondern der Nerven ist.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Schön war’s nicht - aber schön war’s trotzdem."

15.07.643990 06:48
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Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.
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