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Wenn 20.000 Zuschauer an einem kühlen Januarabend in Talavera de la Reina ins Stadion pilgern, dann wollen sie Leidenschaft sehen. Und die bekamen sie. Nur das Ergebnis - 1:2 (1:0) aus Sicht der UD Talavera gegen UD Elche - dürfte den meisten Heimfans schwer im Magen liegen. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: frühe Führung, leichtes Übergewicht im Ballbesitz (51,5 Prozent), und ein Publikum, das bei jedem Angriff jubelte, als stünde der Aufstieg kurz bevor. Schon in der 14. Minute brandete der erste große Jubel auf. Joseba Urrutia, eigentlich rechter Verteidiger, trieb den Ball beherzt über seine Seite, flankte flach vors Tor, wo Jose Maria Gurendez lauerte. Der 25-Jährige nahm den Ball direkt - zack, 1:0! Elches Keeper Duarte Derlei war chancenlos. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Gurendez nach dem Spiel, "und gehofft, dass ich den Ball nicht auf die Tribüne setze. Heute war Glück im Spiel." Fortan spielte Talavera mit breiter Brust. Der erfahrene Cesc Botin prüfte den Torwart zweimal mit gefährlichen Schüssen (53. und 76. Minute), während die Gäste zwar ihren Rhythmus suchten, aber kaum durchkamen. Elches Trainer Mike Johnson stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und brummelte vor sich hin. "Wir sahen aus wie Touristen mit Ball", meinte er später süffisant. Kurz vor der Pause dann der erste Dämpfer für Elche: Innenverteidiger Julian Assis sah Gelb und musste direkt danach verletzt raus. Der junge Schwede Albin Karlsson kam - und brachte frischen Mut. Nach dem Seitenwechsel stellte Johnson auf aktives Pressing um. Und siehe da: Es funktionierte. Elche presste, rannte, biss. Der Ausgleich fiel in der 56. Minute, als Archie Willoughby sich auf der linken Seite durchtankte, klug zurücklegte und der 19-jährige Federico Castello den Ball trocken ins rechte Eck jagte. Ein Schuss wie mit dem Lineal gezogen - und plötzlich war das Spiel wieder offen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Talaveras Keeper Alfonso Galan, "aber der Junge hat ihn perfekt getroffen." Nun kippte die Partie. Elche witterte die Chance, Talavera wankte. Nur elf Minuten nach dem 1:1 folgte der nächste Stich: Daniel Bernard, ebenfalls zentraler Mittelfeldmann, zog nach einem Zuspiel von Jorge Veloso aus 20 Metern ab - 1:2 (67.). Galan flog, streckte sich, sah aber nur noch den flatternden Netzbeutel. Talavera versuchte zu reagieren, doch die Präzision fehlte. "Wir haben zu brav weitergespielt", haderte ein sichtlich genervter Kapitän Marcel Rieger, der sich in der 74. Minute eine Gelbe Karte abholte, "vielleicht hätten wir einfach mal einen weghauen müssen - im sportlichen Sinne natürlich." Elche verteidigte clever, ließ den Ball laufen, und wenn’s doch mal brenzlig wurde, klärte der 19-jährige Karlsson kompromisslos. In der Schlussphase brachte Johnson sogar noch seinen 17-jährigen Ersatztorwart Rüstem Topuz - wohl eher als symbolische Geste denn aus Notwendigkeit. Auf der Tribüne grinsten die Fans: "Der Junge sah aus, als müsste er morgen früh noch zur Schule." Statistisch gesehen war Elche klar überlegen: 15 Torschüsse gegenüber Talaveras sieben, dazu eine bessere Zweikampfquote (54,5 Prozent). Die Gäste spielten schnörkellos, zielstrebig - und am Ende auch erfolgreicher. Trainer Johnson zog nach Schlusspfiff ein zufriedenes Fazit: "Wir haben gezeigt, dass Pressing doch kein Modewort ist. Die Jungs haben nach der Pause Charakter bewiesen." Sein Gegenüber - der Talavera-Coach, der nach dem Spiel wortkarg in der Kabinentür stand - murmelte lediglich: "Wir spielen gut, aber wir gewinnen nicht. Das ist wie Kaffee ohne Koffein." So endete ein Spiel, das Talavera eigentlich nicht hätte verlieren müssen, aber wohl verlieren musste. Erfahrung schlägt Euphorie, Routine schlägt Romantik. Elche nimmt drei Punkte mit nach Hause und blickt nach oben, während Talavera die Lektion des Abends mitnimmt: Ein Spiel dauert eben nicht nur 45 Minuten. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Schön war’s bis zur Pause. Danach hätte ich lieber den Bus genommen." Ein Satz, der in Talavera wohl noch eine Weile nachhallen dürfte. 09.12.643987 04:48 |
Sprücheklopfer
Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel