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Elche dreht das Spiel in der Nachspielzeit - Linense verliert den Faden

Es war ein Abend, der in Elche wohl noch lange für Gesprächsstoff sorgen wird: UD Elche schlägt Real Linense mit 3:2 (1:2) - und das nach einem Rückstand, der deutlicher aussah, als es die Anzeigetafel zeigte. 14.172 Zuschauer erlebten im Liga-Pokal der Segunda División ein Spiel, das von jugendlicher Naivität, alter Routine und einem guten Schuss Wahnsinn geprägt war.

Real Linense begann, als wolle man das Spiel schon nach zehn Minuten beenden. In der ersten Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz: Cameron Wiltshire, 34 Jahre alt und offenbar mit der Energie eines Teenagers, vollstreckte nach Pass von Xavier Jimenez zum 0:1. Gerade als Elche sich noch sortierte, folgte in Minute sieben der nächste Schlag - Thomas Henning, ebenfalls jenseits der Dreißig, nutzte die Schlafmützigkeit der jungen Elche-Abwehr eiskalt zum 0:2.

"Da dachte ich kurz, wir spielen noch beim Aufwärmen", meinte Elche-Coach Mike Johnson später mit einem gequälten Lächeln. Tatsächlich wirkte seine Mannschaft zunächst wie in einer anderen Zeitzone. Real Linense dominierte mit 52 Prozent Ballbesitz und spielte seine offensive Ausrichtung konsequent aus - zumindest bis zur 14. Minute.

Dann kam der Moment, der das Publikum weckte: Der erst 18-jährige Raul Yanez traf nach Pass von Innenverteidiger Giorgio Castrolibero zum 1:2. "Ich wusste gar nicht, dass Giorgio so präzise lange Bälle schlagen kann", grinste Yanez nach dem Spiel. Castrolibero konterte im Kabinengang trocken: "Das war kein Pass, das war ein Befreiungsschlag." Wie auch immer - das Tor brachte Leben in die Partie.

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Teams kamen auf 13 Torschüsse, beide Keeper hatten gut zu tun. Elches Torwart Artjom Kutschewski rettete mehrfach mit akrobatischen Paraden, während Linenses Roberto Valentin sich nur selten langweilen durfte. Die Gäste spielten weiter offensiv, aber Elche fand zunehmend Mut und Stabilität.

In der zweiten Halbzeit schlichen sich bei Linense die ersten Ermüdungserscheinungen ein. Die erfahrenen Angreifer Wiltshire und Henning wirkten platt, die Defensive begann zu wackeln. Elche indes blieb taktisch ausgewogen, wie es die Daten zeigen: keine wilden Pressing-Manöver, dafür ruhiger Aufbau und kurze Pässe. "Wir wollten sie müde laufen lassen", erklärte Johnson. "Ich hatte meinen Jungs gesagt: Geduld - irgendwann fällt einer um."

Und tatsächlich: In der Schlussphase fiel Linense nicht körperlich, aber mental auseinander. Zuerst musste Iker Fortunio nach einem rustikalen Foul in der 80. Minute mit Gelb leben. Dann verletzte sich der junge Jack Grealish von Elche kurz vor Schluss, wurde ausgewechselt - und ersetzte sich gewissermaßen selbst durch Veselin Mihajlovic, der prompt Unruhe stiftete.

Doch das Drama begann erst in der 90. Minute. Nach einem langen Ball von Avraham Goldmann, der zuvor wegen Unsportlichkeit Gelb gesehen hatte, nahm Emilio Molina den Ball mit der Brust an und drosch ihn volley ins Tor - 2:2! Das Stadion tobte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", lachte Molina später. "Und gehofft, dass keiner im Weg steht."

Real Linense wankte nun - und fiel endgültig in der 93. Minute. Wieder war es ein Verteidiger, der den Angriff einleitete: Castrolibero schickte den eingewechselten Javi Hernando, der eiskalt zum 3:2 einschob. Ein Teenager entscheidet das Spiel - während auf der anderen Seite die Routiniers ratlos dreinschauten.

"Das war pure Naivität", schimpfte Linense-Kapitän Henning nach dem Abpfiff. "Wir haben aufgehört zu spielen, weil wir glaubten, das Ding sei durch." Trainer Johnson hingegen genoss den Moment: "Meine Jungs sind jung, wild, manchmal unberechenbar - aber heute waren sie einfach großartig."

Statistisch blieb das Spiel ausgeglichen: beide Teams mit 13 Schüssen aufs Tor, Linense mit leichtem Ballbesitzvorteil, aber zu wenig Konsequenz. Elche hingegen profitierte von jugendlichem Übermut und einem unerschütterlichen Glauben an das eigene Glück.

Als der Schlusspfiff ertönte, sangen die Fans noch lange. Nicht, weil Elche den Liga-Pokal gewonnen hatte - sondern weil sie gesehen hatten, wie eine Mannschaft in 90 Minuten erwachsen wurde.

Oder wie es Abwehrchef Goldmann formulierte, während er mit Eispack auf dem Oberschenkel in der Kabine saß: "Manchmal brauchst du erst zwei Ohrfeigen, um wach zu werden. Heute waren’s halt zwei Gegentore."

Und wer weiß - vielleicht ist das der Beginn einer kleinen Pokalgeschichte, die man in Elche noch lange erzählen wird.

27.10.643990 06:01
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Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen.
Uli Hoeneß
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