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Wenn man in Eisenstadt über Fußball spricht, dann meist mit der Hoffnung, dass es "diesmal anders läuft". Doch an diesem frostigen Februarabend im vollbesetzten Stadion (20.000 Zuschauer, 13. Spieltag der 2. Liga Österreich) zeigte der FK Hainburg, dass er keine Rücksicht auf romantische Heimspielträume nimmt. Am Ende stand ein 1:2 aus Sicht des FC Eisenstadt - und das war so verdient wie eine heiße Dusche nach 90 Minuten. Das Spiel begann, als hätte jemand den Wecker zu früh gestellt. In der 6. Minute tauchte Hainburgs Gustav Peters nach einem blitzschnellen Zuspiel von Rhys Warrington vor Torhüter Giovanni Cedro auf und schob eiskalt ein. Das Publikum war noch beim Aufwärmen, da stand’s schon 0:1. "Wir wollten wach sein - waren’s aber nicht", knurrte Eisenstadts Trainer nach dem Spiel (dessen Name geheimnisvoll blieb, vielleicht aus Selbstschutz). Doch kaum hatten die Gäste ausgejubelt, schlug Eisenstadt zurück. Eine Minute später, in der 7., kombinierte sich Patrik Kolomaznik über links durch, flankte punktgenau auf Marek Oklestek - und der traf volley ins rechte Eck. Stadionexplosion! Die Fangesänge übertönten sogar den Stadionsprecher. Oklestek grinste nach Abpfiff: "Ich dachte, der Ball sei schon draußen - aber er war drinnen, und das ist ja das Schöne." Was nach einem offenen Schlagabtausch aussah, kippte jedoch bald wieder in Richtung Hainburg. Der agile James Beglin, schon früh auffällig, zog in der 24. Minute aus spitzem Winkel ab - und traf. Lars Merkel hatte den Ball zuvor artistisch verlängert, Eisenstadts Abwehr wirkte wie eingefroren. 1:2, und diesmal blieb es dabei. Hainburg war die abgeklärtere Mannschaft. Elf Torschüsse standen am Ende zu Buche, Eisenstadt brachte es nur auf sechs. Und obwohl der Ballbesitz ausgeglichen war (50,8 % zu 49,2 %), wirkten die Gäste gedankenschneller, zielstrebiger und - ja - einfach wacher. "Wir wollten Pressing spielen, aber wohl erst ab Montag im Training", ätzte ein Eisenstädter Fan auf der Tribüne, während er sich noch ein Bier holte. Nach der Pause plätscherte das Spiel - trotz eisiger Temperaturen - vor sich hin. Eisenstadt versuchte es mit langen Bällen, Hainburg lauerte auf Konter, und irgendwo dazwischen diskutierte Trainer Andreas Swoboida wild gestikulierend mit dem vierten Offiziellen. "Ich hab nur gesagt, dass der Ball rund ist", verteidigte er sich später schelmisch. In der 50. Minute prüfte Paul Sommer den Hainburger Keeper Sebastian Bogusz mit einem satten Schuss - einer der seltenen Momente, in denen die Heimfans aufsprangen. Doch der Ball flog genau dorthin, wo Torhüter gerne stehen: mittig. Danach kam wenig. Nevio Eusebio, der erfahrene Mittelfeldmann, probierte es in der 60. Minute aus der Distanz - drüber. Später sah er Gelb (84.) und schimpfte: "Ich hab den Ball getroffen. Gut, auch ein bisschen den Gegner. Aber hauptsächlich den Ball!" Hainburg verteidigte clever, wechselte in der 65. Minute frische Beine ein: Alexander Carey kam für Doppeltorschützen Peters, später folgten Eri Lohmann (75.) und Sascha Grossmann (80.). Alle drei brachten Ruhe ins Spiel - oder, wie Swoboida sagte: "Manchmal ist Nichtstun die mutigste Taktik." Eisenstadt versuchte alles, aber ohne Fortune. Oklestek tauchte in der 81. Minute nochmals gefährlich auf, verfehlte das Ziel knapp. Kurz darauf Gelb für Eusebio, dann Gelb für Linksverteidiger Hugo Antonio (90.). Aus Frust, aus Verzweiflung - aus allem ein bisschen. Die letzten Minuten waren Symbolbild und Endlosschleife zugleich: Eisenstadt rannte, Hainburg stand. Dann pfiff der Schiedsrichter ab, und 20.000 Menschen atmeten eisige Luft und bittere Enttäuschung ein. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", murmelte Oklestek in der Mixed Zone, während sein Trainer noch auf dem Rasen stand und wortlos in die Nacht starrte. Hainburgs Swoboida hingegen verschwand lächelnd in den Katakomben - vielleicht, weil er wusste, dass seine Mannschaft mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte, sondern auch jede Menge Selbstvertrauen im Gepäck hat. Eisenstadt bleibt dagegen im Tabellenmittelfeld stecken - irgendwo zwischen Ambition und Ernüchterung. Und vielleicht, so munkelte ein Ordner beim Ausgang, "kommt der Frühling ja mit besseren Ergebnissen". Bis dahin gilt: Hainburg hat gewonnen, Eisenstadt gelernt - und die Fans? Die haben gefroren, aber wenigstens was zu erzählen. 15.10.643990 20:58 |
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Otto Rehhagel