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Ein Abendspiel in der Europaliga-Gruppenrunde, Flutlicht, 34.476 Zuschauer - und ein Heimteam, das von der ersten Minute an so tat, als wolle es nie wieder abpfeifen lassen: Eintracht Völlen fegte den FC Rankweil mit 4:2 (3:0) vom Platz und sicherte sich damit eindrucksvoll den Gruppensieg. Die Völlener begannen, als hätten sie sich heimlich beim Handball eingeschrieben. Schon in der ersten Minute prüfte Lewis Preston die Reflexe von Rankweil-Keeper Karl Binder. Der blieb wach - noch. Aber nach 16 Minuten war es soweit: Preston setzte sich über links durch, nahm einen Pass von Guillermo Mingo mit und drosch den Ball wuchtig unter die Latte. 1:0, und die Zuschauer waren noch nicht einmal mit der Bratwurst fertig. Nur eine Minute später folgte der nächste Streich. Diesmal drehte Mingo selbst auf - ein kurzer Doppelpass mit dem agilen Jakub Licka, ein Haken, ein Schuss - und schon zappelte der Ball erneut im Netz. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er so viel Platz hatte", grinste Licka später, "aber offenbar hat er’s selbst gemerkt." Für Rankweil sah es da schon düster aus. Spätestens in der 42. Minute wurde es peinlich. Linksverteidiger Sergio Domingos, sonst eher Mann für die rustikalen Grätschen, zog nach Vorarbeit von Michael MacLachlan einfach mal ab - und traf. 3:0 zur Pause. Trainer Dennis Hees verschwand zufrieden in die Kabine, während Rankweil-Coach Freddie Fridolin später zugab: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen wach sein. Offenbar haben sie mich akustisch missverstanden." Nach dem Seitenwechsel zeigte Rankweil ein Lebenszeichen. Corey Wiltshire, der beste Mann der Gäste, fasste sich aus 25 Metern ein Herz und knallte das Leder unhaltbar ins Eck - 3:1 (56.). Das war der Moment, in dem Völlen kurz wackelte, aber nicht fiel. Hees blieb ruhig: "Ich hab meinen Spielern gesagt: Lasst sie ruhig kommen. Wir haben ja noch Platz für ein viertes Tor." Und das kam tatsächlich. In der 70. Minute vollendete Jakub Licka einen blitzsauberen Angriff über rechts, nachdem MacLachlan den Ball mit einer butterweichen Flanke serviert hatte. 4:1 - und das Spiel war entschieden. Licka lief jubelnd zur Eckfahne, wo er lautstark "Jetzt reicht’s!" rief - ob an Rankweil gerichtet oder an seine eigene Torquote, blieb unklar. Freddie Fridolin reagierte mit einem Doppelwechsel (Behrendt und Wiltshire raus, Meister und Stern rein) - und siehe da, plötzlich lief’s offensiv etwas flüssiger. In der 78. Minute nutzte Sven Schreiber eine Vorlage des jungen Robin Stern und traf zum 4:2. Danach warf Rankweil alles nach vorne, aber Völlen spielte die Partie abgeklärt herunter. Statistisch gesehen war der Sieg hochverdient: 15 Torschüsse zu 9, 58 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 52 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Besonders auffällig: Das Kurzpassspiel der Eintracht funktionierte wie ein Uhrwerk, während Rankweil oft auf lange Bälle setzte - die in der Völlener Abwehr, angeführt vom souveränen Joao Meireles, regelmäßig verpufften. In der Schlussphase durfte Lewis Preston, der Doppeltorschütze vom Dienst, unter lautem Applaus raus; für ihn kam der junge Jorge Bertran, der prompt noch zweimal gefährlich abzog. "Ich wollte eigentlich nur den Ball halten", lachte der 23-Jährige später, "aber dann hat er mich halt angelächelt." Trainer Hees zeigte sich nach dem Abpfiff sichtlich zufrieden: "Vier Tore, keine Verletzten, und mein linker Verteidiger trifft - was will man mehr?" Sein Gegenüber Fridolin nahm’s mit Galgenhumor: "Wir haben wenigstens die zweite Halbzeit gewonnen. Das ist doch was für die Statistikfreunde." Die Fans verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen, während sich die Rankweiler Spieler müde in den Mannschaftsbus schleppten. Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball einfach Spaß machte - zumindest, wenn man Eintracht Völlen heißt. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Zuschauer gemurmelt haben: "Wenn die so weiterspielen, müssen sie bald Eintritt für die Gegner verlangen." Ganz unrecht hatte er nicht. 23.07.643987 04:52 |
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath