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Freitagabend, Flutlicht, 3729 Zuschauer im Stadion an der Ems, und eine Eintracht, die sich nach zähem Beginn in einen wahren Kampf hineingrämte - oder, wie Trainer Kada Schmide später mit einem Schmunzeln sagte: "Wir hätten nach 20 Minuten schon 3:0 führen müssen. Aber das Runde wollte heute wohl sightseeing machen, statt ins Eckige zu gehen." Der Oberliga-E-Abend zwischen Eintracht Rheine und Kaiserslautern hielt alles bereit, was man von einem soliden Fußballfreitag erwartet: frühe Gelbe Karten, jugendlichen Übermut, späte Erlösung und ein paar aufgebrachte Trainerstimmen an der Seitenlinie. Am Ende stand ein gerechtes 1:1, das beiden Teams schmeckte wie lauwarme Brühe - aber immerhin sättigte. Die Gäste aus Kaiserslautern zeigten von Beginn an, dass sie das Wort "Offensive" in ihrer Taktik nicht nur auf dem Papier stehen hatten. Schon in der ersten Minute prüfte der 19-jährige Ferenc Miriuta den Rheiner Keeper Philip Henning. Der rettete spektakulär - und musste das auch noch häufiger tun, denn Kaiserslautern feuerte insgesamt 14 Torschüsse ab. Eintracht Rheine kam gerade einmal auf sechs. Doch Ballbesitz ist bekanntlich kein Garant für Glanz: 55 Prozent hatte Rheine, aber mehr Sicherheit kam erst später. In der 6. Minute sah der junge Benjamin Keane Gelb - sein rustikaler Einstieg gegen Arne Krug sorgte für erstes Raunen auf den Rängen. "Ich war einfach zu früh dran", erklärte Keane später verschmitzt. "Oder zu spät, je nach Perspektive." Dann, in der 31. Minute, fiel das verdiente 0:1: Nach Flanke von Felipe de Torre zog Miriuta aus zentraler Position ab - trocken, kalt, unhaltbar. Ein Treffer, der so präzise war, dass selbst die heimischen Fans kurz anerkennend pfiffen. "So trifft man nur, wenn man noch keine Angst vor der Steuererklärung hat", murmelte ein älterer Herr auf der Haupttribüne. Doch Rheine wäre nicht Rheine, wenn sie sich ergeben hätten. Nach der Pause stellte Trainer - dessen Name im Protokoll zwar fehlt, aber dessen Handschrift man erkannte - sein Team mutiger ein. Plötzlich liefen die Pässe, die Flügel funktionierten, und in der 67. Minute belohnte sich die Eintracht: Tomas Römer flankte von rechts butterweich in den Strafraum, wo Arne Krug, 32 Jahre Fußballweisheit auf den Schultern, den Ball volley nahm und zum 1:1 ins lange Eck drosch. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Krug erklärte später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber manchmal belohnt der Fußball auch Ehrlichkeit." Kaiserslautern reagierte mit jugendlicher Wut. Trainer Schmide brachte frische Beine - Chamberlain, Muster, Lujan - und ließ weiter anrennen. Doch Henning im Rheiner Tor wuchs in den Schlussminuten über sich hinaus. In der 90. Minute hielt er den Punkt fest, als Uzi Chouraqui aus spitzem Winkel abzog. "Da war ich gedanklich schon beim Feierabendbier", grinste Henning nach dem Spiel, "aber dann kam der Ball zurück in die Realität." Insgesamt war es ein Duell der Kontraste: Kaiserslautern mit viel Tempo, aber wenig Effizienz; Rheine mit Nervenstärke und einem Schuss Routine. Die Zweikampfquote sprach mit 54 zu 46 Prozent für die Gäste, doch am Ende war es dieser eine Moment alter Cleverness, der den Unterschied machte - oder zumindest den Ausgleich. Selbst die Gelbe Karte für Anatoli Filatow in der 87. Minute konnte die Stimmung nicht mehr trüben. Rheine verteidigte das 1:1 mit allem, was die Knochen hergaben. "Unsere Jungs haben heute mehr gebrüllt als trainiert", scherzte ein Betreuer am Spielfeldrand. Und so ging ein Freitagabend zu Ende, der zwar keine drei Punkte brachte, aber reichlich Geschichten. Ein Publikum, das pfeifend und klatschend zugleich nach Hause ging, eine junge Lauterer Mannschaft, die sich ärgerte, und ein Arne Krug, der wohl noch lange erzählen wird, wie er mit einem "ungewollten Kunstschuss" den Favoriten stoppte. Trainer Schmide fasste es trocken zusammen: "Wir sind jung, wir lernen. Heute hat uns ein alter Hase beigebracht, dass Fußball manchmal nicht gerecht ist." Rheines Coach nickte nur und sagte: "Fußball ist nie gerecht. Aber schön war’s trotzdem." Ein 1:1, das keinen Sieger sah - aber zwei Teams, die wussten, warum sie diesen Sport lieben. Und irgendwo zwischen der Ems und der Kabine hallte noch lange das Echo eines Freitagabends, der mehr Drama hatte als so manche Netflix-Serie. 07.08.643990 10:45 |
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Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund