Marca
+++ Sportzeitung für Spanien +++

Ein verrückter Abend in Santander: Späte Tore, späte Nerven

Racing Santander und der SC Barcelona trennten sich am 21. Spieltag der spanischen Liga 2:2 - ein Ergebnis, das so gerecht wie atemlos war. 39.203 Zuschauer im Estadio El Sardinero sahen eine Partie, die sich erst in der Schlussphase in ein kleines Drama verwandelte.

Zunächst schien es, als wollten beide Mannschaften die ersten 45 Minuten als eine Art erweitertes Aufwärmprogramm begreifen. Chancen gab es zuhauf, Tore keine. Racing schoss 21 Mal aufs Tor, Barcelona gerade einmal 9 Mal - aber die Latte, der Torwart oder schlicht das Pech standen dem Jubel immer wieder im Weg. "Ich dachte schon, wir spielen bis Mitternacht und es bleibt 0:0", sagte Racing-Trainer Florian Kappels nach dem Spiel mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Ironie und Erschöpfung pendelte.

Die erste Halbzeit war trotzdem unterhaltsam, vor allem, weil Racing sich mit frechem Pressing phasenweise in Barcelonas Hälfte einnistete. David Niguez prüfte den gegnerischen Keeper schon nach drei Minuten, Emilio Urrutia legte in der 10. gleich zweimal nach - aber der Ball wollte einfach nicht rein. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", meinte Barças junger Schlussmann Vicente Rielo später trocken. "Vielleicht lag’s am Nordwind."

Barcelona, das mit einer offensiven Grundordnung angetreten war, kam erst nach 20 Minuten besser ins Spiel. Der 18-jährige Nestor Camara zog das Mittelfeld an sich, trieb das Spiel an, traf aber nur den Außenpfosten. Dafür kassierte er in der 57. Minute Gelb - wohl aus jugendlichem Übermut, als er einen Zweikampf etwas zu temperamentvoll führte.

Nach der Pause nahm das Spiel endlich Fahrt auf. Racing wechselte in der 59. Minute gleich dreifach: Oscar Cruz, Jaime Baro und Cesar Varela kamen - und wie sich herausstellen sollte, war das ein goldener Griff von Trainer Kappels. Denn in der 73. Minute war es genau dieser Varela, der nach Vorarbeit von Cesar Godo das verdiente 1:0 erzielte. El Sardinero bebte. "Ich wollte gar nicht so hart schießen", gab Varela später zu. "Aber manchmal hilft’s, wenn man nicht nachdenkt."

Barcelona wirkte geschockt, fand aber in der Schlussphase seine jugendliche Unbekümmertheit wieder. Der 23-jährige Esteban Bernal glich in der 86. Minute aus - nach einer wunderbaren Flanke von Innenverteidiger Jose Pelayo, der offenbar beschlossen hatte, dass er auch einmal Stürmer spielen dürfe. "Wenn ich vorne bin, dann bin ich vorne", grinste Pelayo nach dem Spiel.

Doch wer dachte, das sei’s gewesen, hatte die Endphase dieses Abends unterschätzt. In der 91. Minute stand plötzlich Oscar Cruz goldrichtig. Der 20-Jährige, erst 30 Minuten zuvor eingewechselt, drückte eine flache Hereingabe von - natürlich - Cesar Godo über die Linie. 2:1 für Racing! Die Fans tobten, Kappels riss die Arme hoch, und manch einer auf der Tribüne wähnte sich schon im Siegestaumel.

Aber Fußball wäre nicht Fußball ohne eine Portion Grausamkeit. Nur eine Minute später, in der 92., schlug der SC Barcelona zurück: Der eingewechselte Xavier del Olmo, 22 Jahre jung, traf nach Vorlage von Cristobal Guillen eiskalt zum 2:2. "Ich hab einfach draufgehauen", sagte del Olmo schulterzuckend. "Wenn du nicht schießt, kannst du auch nicht treffen."

Damit endete ein Spiel, das in den letzten zwanzig Minuten alles bot, was man sich wünschen - und fürchten - kann. Zwei Gelbe Karten, drei Auswechslungen, vier Tore und unzählige Herzschläge später blieb das Gefühl: Racing hätte den Sieg verdient gehabt, Barcelona die Moral des späten Aufbäumens.

Trainer Göstl von Barcelona nahm das Remis mit Humor: "Wenn du mit 18-Jährigen spielst, musst du mit grauen Haaren leben - oder mit solchen Spielen." Sein Gegenüber Kappels hingegen war gespalten: "Ich bin stolz auf meine Jungs, aber ich hätte gern mal ein Spiel, das fünf Minuten früher abgepfiffen wird."

Am Ende steht ein 2:2, das beiden irgendwie gerecht wird. Racing war das aktivere Team - 50,8 Prozent Ballbesitz, mehr als doppelt so viele Abschlüsse, eine Zweikampfquote von 54 Prozent. Barcelona dagegen zeigte, dass jugendlicher Mut manchmal Erfahrung schlägt, zumindest in der Nachspielzeit.

Vielleicht ist das Fazit dieses Abends am besten mit einem Satz von Cesar Godo beschrieben, der an fast jedem Tor beteiligt war: "Manchmal ist Fußball wie ein Kinoabend - du weißt nie, ob’s ein Drama oder eine Komödie wird. Heute war’s beides."

Und das Publikum ging zufrieden nach Hause - mit müden Stimmbändern, aber dem Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das man so schnell nicht vergisst.

30.09.643987 01:35
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen.
Erich Ribbeck
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager