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Ein lauer Januarabend, Flutlicht über dem Stadion Alberto Picco, über 53.000 Fans mit gespannter Erwartung - und am Ende ein einziger, goldener Moment von Vitorino Cunha, der AS La Spezia zu einem 1:0-Sieg über den FC Udinese führte. Es war ein Spiel, das weniger von Effizienz als von Hartnäckigkeit lebte - und von einem Gegner, der sich 90 Minuten lang in der eigenen Hälfte verirrte. Von Beginn an machte La Spezia klar, dass man die Punkte nicht herschenken wollte. Schon nach drei Minuten prüfte Christo Angelow Udineses Keeper Luca Lange zum ersten Mal. Es folgten Einschläge im Minutentakt - allerdings nur ins Fangnetz hinter dem Tor. "Ich dachte schon, wir spielen Handball um den Strafraum herum”, witzelte Trainer Helly Steiner später, "aber irgendwann musste ja einer rein.” Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 22 Torschüsse der Gastgeber gegen ganze zwei von Udinese. Ballbesitz? 59 zu 41 Prozent. Tacklings? Ebenfalls klar bei Spezia. Nur das Ergebnis blieb lange einseitig torlos. Udinese kam mit einer klaren Devise: defensiv, lang schlagen, hoffen. Trainer Giovanni Mirabella hatte seine Elf tief gestaffelt und auf Konter eingestellt. "Wir wollten den Bus parken”, gab er nach dem Spiel trocken zu. "Leider hat der Bus einen Platten bekommen.” Dieser Platten hieß Vitorino Cunha. In der 57. Minute dann die Erlösung: Ein schneller Doppelpass über rechts, Ayhan legt quer, Cunha zieht aus 18 Metern ab - satt, präzise, unhaltbar. 1:0. Das Stadion explodierte. Auf der Tribüne schüttete ein Fan vor Freude sein Bier über den Nachbarn, der das stoisch hinnahm: "Für so ein Tor darf man das.” Danach war’s ein Spiel auf ein Tor - und das war nicht das von La Spezia. Joseba Valente prüfte Lange in der 65. Minute, Ayhan versuchte es im Minutentakt, Henderson drosch aus 25 Metern drüber, als wollte er den Ball bis nach Genua schicken. "Ich wollte zeigen, dass ich auch schießen kann”, grinste der Engländer später. "Hat ja fast geklappt - nur das Ziel war etwas zu ambitioniert.” Udinese schaffte in der zweiten Halbzeit ganze einen Schuss, in der 85. Minute, durch Enrico Parisi. Ein Aufreger? Kaum. Emilio Ochoa im Tor der Spezianer bekam gerade noch die Arme hoch - mehr aus Überraschung, dass überhaupt mal was kam. Kurz darauf durfte er unter großem Applaus ausgewechselt werden. "Ich wollte Stefano noch ein paar Minuten gönnen”, erklärte Steiner die späte Torwartrotation. "Man weiß ja nie, wann er das nächste Mal was zu tun bekommt.” Giovanni Mirabella wechselte gleich dreimal, brachte den 17-jährigen Luca Bianchi für Niko Barth. Der Junge rannte tapfer, aber gegen die Ballzirkulation der Hausherren wirkte er wie ein Schüler, der plötzlich im Physikabitur sitzt. "Ich hab alles gegeben”, sagte Bianchi ehrlich. "Aber die waren einfach überall.” Bei La Spezia hingegen brannte keiner an, aber alle glühten. Cunha, Valente, Palmisano - sie trieben das Spiel an, als ginge es um mehr als drei Punkte. Vielleicht tat es das auch. Nach der Partie fasste Cunha den Abend bescheiden zusammen: "Ich habe einfach geschossen. Manchmal muss man nicht denken, nur treffen.” Trainer Steiner nickte zufrieden, lobte aber auch die Geduld seiner Mannschaft: "Wir haben 90 Minuten gedrückt, gedrängt, versucht, Lösungen zu finden. Und am Ende war’s eine Mischung aus Wille und portugiesischem Instinkt.” Udinese reiste mit gesenkten Köpfen ab, La Spezia dagegen sang sich in die Nacht hinein. Ein verdienter Sieg, auch wenn das Ergebnis knapper aussieht, als es war. Zum Schluss noch eine Szene, die den Abend perfekt beschreibt: Als Schiedsrichter Conti abpfiff, klopfte Valente seinem Gegenspieler Kohut auf die Schulter und sagte: "War schön, dass du mal in unserer Hälfte vorbeigeschaut hast.” Kohut grinste nur müde. La Spezia bleibt damit im oberen Tabellendrittel der Serie A, Udinese rutscht weiter ab. Und irgendwo in einem kleinen Café in La Spezia wird man noch lange von diesem Tor sprechen - nicht, weil es das schönste war, sondern weil es endlich fiel. Ein Sieg der Geduld, der Leidenschaft und, ja, auch des leichten Sarkasmus. Oder wie Steiner zum Abschied meinte: "Wenn wir so weiterspielen, muss ich mir bald neue Ausreden ausdenken - fürs Gewinnen.” 07.09.643987 09:04 |
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Ich rotiere höchstens, wenn ich Opfer des Rotationsprinzips werde.
Oliver Kahn