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Ein Flutlichtabend im Estadio de la Playa, 42.730 Zuschauer, leichter Wind vom Atlantik - und ein Spiel, das zeigte, dass Ballbesitz schön, aber Tore eben schöner sind. Santa Eulalia gewann am 14. Spieltag der 1. Liga Spanien mit 1:0 bei CD Santa Cruz. Es war kein Feuerwerk, eher ein zähes Ringen, bei dem die Gäste die Geduld hatten, die Santa Cruz vermissen ließ. Schon in den ersten Minuten machte Santa Eulalia klar, dass sie nicht zum Inselurlaub angereist waren. In Minute 2 prüfte Javi Galán erstmals Keeper Louis Rushton, und kurz darauf durfte sich auch Innenverteidiger Mikhail Salenko mit einem Distanzschuss versuchen - als ob er beweisen wollte, dass moderne Abwehrspieler alles können, nur eben selten treffen. Die Gastgeber, von Trainer Tobi Schleder wie gewohnt defensiv eingestellt, suchten ihr Glück im Konter. "Wir wollten kompakt stehen und dann Nadelstiche setzen", erklärte Schleder nach dem Spiel. Das klang in der Theorie gut, in der Praxis aber hatte Santa Cruz mit 39 Prozent Ballbesitz eher die Rolle des Statisten. In der 33. Minute fiel dann das, was man gemeinhin den "logischen Treffer" nennt. Nach einem schnellen Angriff über das Zentrum bediente Mittelfeldmotor Javi Galán den freistehenden Valentin Henriksson, der den Ball trocken ins rechte Eck schob - 0:1. Rushton streckte sich vergeblich, der Block F jubelte verhalten, und Trainer Dede Dedede riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Lottojackpot gewonnen. "Valentin ist unser Terrier vorne. Wenn du ihm einen halben Meter gibst, bedankt er sich höflich - mit einem Tor", grinste Dedede später im Kabinengang. Santa Cruz wachte kurz auf. György Korsos versuchte es in der 25. Minute mit einem Flachschuss, Duarte Minguez prüfte Gästetorwart Esteban Figo in der 41. Minute, doch der zeigte sichere Hände. Zur Pause stand es 0:1, und im Stadion herrschte jene unruhige Stille, die entsteht, wenn die Fans ahnen, dass der Abend lang werden könnte. Nach dem Seitenwechsel kam dann der Bruch: In der 52. Minute sah Alex Arino nach einem übermotivierten Einsteigen glatt Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich der junge Linksverteidiger, "aber der Ball war halt schneller weg." Das Publikum sah es anders und buhte heftig. Von da an war der Plan von Coach Schleder, ohnehin schon auf defensive Stabilität ausgelegt, endgültig Makulatur. Santa Eulalia spielte das Überzahlspiel nicht spektakulär, aber clever herunter. Henriksson blieb omnipräsent, Leandro Etxebarria zirkelte aus allen Lagen, und Santa Cruz lief hinterher - im wahrsten Sinne des Wortes. 19 Torschüsse der Gäste standen am Ende nur fünf der Hausherren gegenüber. Trotzdem gab es in der Schlussphase so etwas wie Spannung. In der 93. Minute tauchte James Kober plötzlich vor Figo auf, zog ab - doch der Keeper lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. "Da hab ich kurz gedacht, das Ding geht rein, und dann explodiert das Stadion", gestand Kober später mit einem gequälten Lächeln. Während Santa Eulalia jubelte, stand Trainer Dedede Dedede noch minutenlang an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, ganz der stoische Fußballphilosoph. "Wir hätten mehr Tore machen können", sagte er. "Aber eins reicht ja, solange der Gegner keins hat." Santa Cruz dagegen steckt weiter im grauen Mittelfeld fest. Coach Schleder wirkte nachdenklich: "Wir haben uns selbst geschlagen. Wenn du 40 Minuten in Unterzahl bist, wird’s schwer, noch was zu reißen." Die Statistik unterstreicht seine Worte: 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Santa Eulalia, 60 Prozent Ballbesitz - das liest sich wie eine Bedienungsanleitung für ein Auswärtssieg. Und so endete der Abend mit einem Ergebnis, das nüchtern klingt, aber in Erinnerung bleiben dürfte - zumindest bei den Fans von Santa Eulalia, die auf der Heimfahrt wohl noch ein paar Mal den Namen Henriksson singen werden. Santa Cruz dagegen wird sich an die Worte ihres Trainers halten müssen: "Nächste Woche haben wir wieder elf Mann. Das ist schon mal ein Anfang." Ein Spiel, das kein Klassiker war, aber eines, das an die alte Fußballweisheit erinnert: Wer den Ball will, soll ihn haben - entscheidend ist, was man damit macht. Santa Eulalia machte ein Tor. Santa Cruz machte sich das Leben schwer. Ende der Geschichte. 18.11.643990 03:55 |
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