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Ein kalter Februarabend in Tachov, Flutlicht, 29.216 frierende, aber lautstarke Zuschauer und zwei Teams, die sich die frühen Minuten gegenseitig um die Ohren fliegen ließen: Das 1:1 zwischen FK Tachov und dem FC Bystrc-Kninicky war kein Fußballfest - aber ein kampfbetontes Stück ehrlicher Liga-Arbeit, bei dem die Emotionen genauso hochkochten wie der Wasserdampf über den Stadionwürstchen. Schon in der fünften Minute explodierte das Stadion: Jorge Mascarenhas, der flinke Portugiese auf dem rechten Flügel, zog nach einem beherzten Lauf von Pedro Morte trocken ab - 1:0 für Tachov! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Mascarenhas später, "Pedro hat mir den Ball so schön serviert, da musste ich nur noch Danke sagen." Trainer Lars Larsen sprang an der Seitenlinie wie ein Kind im Planschbecken - das frühe Tor war genau der Start, den er sich gewünscht hatte. Doch Bystrc-Kninicky, von Coach Carsten Achenbach gewohnt offensiv eingestellt, ließ sich davon kaum beeindrucken. Mit 55 Prozent Ballbesitz und einem Angriffsspiel, das irgendwo zwischen feinem Kombinationsfußball und ungestümem Dauerpressing schwankte, übernahmen die Gäste schnell das Kommando. Und schon in der 19. Minute klingelte es: Linksverteidiger (!) Filippos Mitroglou stand nach feinem Zuspiel von Joshua Malfoy plötzlich frei und zimmerte den Ball wuchtig unter die Latte - 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Mitroglou mit einem breiten Grinsen zu, "aber der Ball hat andere Pläne gehabt." Von da an entwickelte sich ein Spiel, das weniger durch taktische Finesse als durch gallige Zweikämpfe und verpasste Chancen glänzte. Tachov kämpfte mit Herz, Bystrc mit Kontrolle - und irgendwo dazwischen verteilte Schiedsrichter Novak die Karten. Eine davon, in der 16. Minute, ging an FKs Innenverteidiger Jan Votava, der offenbar vergessen hatte, dass Grätschen in Brusthöhe nicht als Kunstform gilt. In der zweiten Halbzeit kippte das Spiel zusehends in Richtung der Gäste. Bystrc feuerte aus allen Lagen: Pasanen, Herzog, Brun - sie alle prüften Tachovs Keeper Zdenek Ctyroky, der sich an diesem Abend den Beinamen "die Katze von Tachov" verdiente. "Ein Ball mehr, und ich hätte Eintritt verlangt", witzelte Ctyroky nach dem Abpfiff. Insgesamt 14 Torschüsse verzeichnete Bystrc, während Tachov mit 9 Versuchen konterte - meist harmlos, aber stets mit dem Mut der Verzweiflung. Dann kam die 57. Minute, und das Spiel bekam seine bittere Note: Votava, bereits verwarnt, stieg erneut rustikal ein - Gelb-Rot, ab in die Kabine. Trainer Larsen raufte sich die Haare. "Jan wollte nur den Ball treffen", verteidigte er seinen Verteidiger später. "Leider stand der Gegner im Weg." Ab da hieß es: Überleben im Unterzahlmodus. Bystrc witterte Blut, stellte auf noch offensiver um, brachte mit Riihilahti und Ahmed frische Beine, während Tachov hinten Beton anrührte. Mascarenhas musste runter (60.), Finlay Catrall kam - und durfte fortan mehr laufen als atmen. Auch Bernard Carey ersetzte den müden Rafael Blanco, um wenigstens einen Stürmer vorne zu halten, der gelegentlich den Ball sah. In den letzten zwanzig Minuten war es ein Spiel auf ein Tor - das von Tachov. Doch Bystrc fand kein Durchkommen. Herzog schoss aus 60 Metern aufs Fangnetz, Pasanen drosch den Ball in die Wolken, und selbst Mitroglou, Held der ersten Halbzeit, setzte den Ball in der 75. Minute so weit drüber, dass ein Fan rief: "Der ist jetzt in Pilsen!" Als der Schiedsrichter endlich abpfiff, fiel Tachovs Kapitän Larry Wendell auf die Knie wie ein Mann, der gerade den Mount Everest bestiegen hat. "Das war kein schönes Spiel", keuchte er, "aber ein Punkt fühlt sich heute an wie drei." Trainer Achenbach hingegen schüttelte nur den Kopf: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht dominiert - und am Ende haben wir uns selbst im Weg gestanden. Vielleicht war das Flutlicht schuld. Oder der Rasen. Oder beides." So bleibt das 1:1 ein Ergebnis, das keinem so richtig schmeckt, aber beiden Teams immerhin ein bisschen Trost lässt: Tachov darf stolz auf seine kämpferische Unterzahlleistung sein, Bystrc auf seine Angriffslust - auch wenn sie diesmal ohne Happy End blieb. Und irgendwo in der Nacht, als die Stadionlichter längst erloschen waren, soll man Mascarenhas leise summen gehört haben: "Ein Punkt ist besser als keiner." Ob das ironisch gemeint war? Ganz sicher. 02.04.643990 03:47 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale