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38047 Zuschauer sahen am Donnerstagabend ein Spiel, das man so auch als Theaterstück hätte verkaufen können. Der FC Rankweil und der FC Höchst trennten sich im Rahmen des 26. Spieltags der 1. Liga Österreich mit 1:1 - ein Ergebnis, das beide Teams wohl mit einem Schulterzucken quittieren, auch wenn die Emotionen auf dem Platz alles andere als gleichgültig waren. Von Beginn an machte der FC Rankweil klar, dass er sich auf heimischem Rasen nicht verstecken würde. Trainer Freddie Fridolin hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, und das merkte man: Bereits in der siebten Minute prüfte Sven Schreiber den Höchster Schlussmann Alexandre Marchand - ein Warnschuss, den man in Höchst wohl gehört haben dürfte. "Ich hab ihn richtig erwischt", grinste Schreiber später, "aber der Torwart hat wohl zu viel Kaffee getrunken." Rankweil blieb dran, ließ über die Flügel Joshua Ludwig und Pascal Thomas wirbeln, während im Zentrum Fabian Meister das Spiel mit ruhiger Hand lenkte. Höchst hingegen setzte - wie es Trainer Franz Huber später trocken erklärte - "auf kontrollierte Defensive mit gelegentlichen Fluchtversuchen nach vorne". Mit mehr Ballbesitz (54 Prozent) und einer disziplinierten Ordnung hielten sie das Spiel offen, doch gefährlich wurde es zunächst kaum. In der 34. Minute fiel dann das, was sich längst angedeutet hatte: Nach einem weiten Ball aus der Abwehr von Marwin Gerlach landete der Ball bei Schreiber, der sich elegant drehte und trocken zum 1:0 einschob. Das Stadion tobte, Fridolin ballte die Fäuste, und der Torschütze wurde beinahe von seinen Mitspielern erdrückt. "Ich dachte kurz, ich krieg keine Luft mehr", lachte Schreiber hinterher, "aber für so ein Tor kann man das überleben." Höchst reagierte - zunächst mit Gelb für Innenverteidiger Jose Maria Morales (26.) und später mit gleich drei Wechseln zur Pause. Huber brachte unter anderem Lajos Kocsis, der später zum entscheidenden Mann werden sollte. "Wir mussten frischen Wind reinbringen. Wir standen zu tief, und in Rankweil wird die Luft dünn", sagte Huber mit einem Augenzwinkern. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Rankweil drückte, Höchst lauerte. Doch während Rankweil die Chancen reihenweise vergab - insgesamt zwölf Torschüsse, viele davon aus aussichtsreicher Position - kam Höchst in der 65. Minute zu seiner großen Szene. Nach einem Eckball von Kocsis stieg ausgerechnet Innenverteidiger Ashton Giles am höchsten und köpfte wuchtig zum 1:1 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich keiner trifft", gab Giles später zu. "Und dann war der Ball drin. Vielleicht sollte ich das öfter so machen." Das Spiel nahm danach an Intensität zu - und an Farbe: In der 66. Minute sah Jakob Feldmann von Höchst Gelb, Rankweils Gerlach hatte bereits in der 39. Minute die Karte gesehen. Als derselbe Gerlach in der Nachspielzeit (92.) dann mit gestrecktem Bein in einen Zweikampf ging, zückte der Schiedsrichter folgerichtig Rot. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte Gerlach nach dem Spiel, während Trainer Fridolin die Stirn rieb: "Vielleicht hat er einen anderen Ball gemeint - den von der Tribüne." In Unterzahl rettete Rankweil das 1:1 über die Zeit, auch wenn Höchst am Ende mit voller Kraft drückte. Rankweils Keeper Benjamin Römer parierte in der 83. Minute spektakulär gegen Robert Bossong und hielt damit zumindest den einen Punkt fest. Statistisch gesehen war das Remis gerecht: Rankweil hatte mehr Torschüsse, Höchst mehr Ballbesitz. Die Zweikampfquote von 53,7 Prozent sprach wiederum für die Gastgeber. "Das war ein ehrliches Unentschieden", fasste Franz Huber treffend zusammen. "Beide wollten gewinnen, keiner hat’s geschafft." Freddie Fridolin sah das naturgemäß ein bisschen anders: "Wenn man die ersten 60 Minuten anschaut, müssen wir das Ding nach Hause bringen. Aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert - sonst wär ich schon Meistertrainer." Und so gingen beide Teams in die Nacht - Rankweil mit leichtem Frust, Höchst mit einem späten Lächeln. Ein Spiel, das keine Sieger kannte, aber viele Geschichten schrieb. Vielleicht die schönste davon: Sven Schreiber, der nach dem Spiel noch lange auf dem Rasen saß, das Trikot über den Kopf gezogen. "Ich hab kurz überlegt, ob ich das Tor träume", sagte er leise, "aber dann hab ich die roten Karten gesehen - und wusste, ich bin wach." Ein Fußballabend, wie man ihn in Rankweil liebt: ein bisschen Drama, ein bisschen Chaos - und am Ende ein Ergebnis, das alle irgendwie verdient haben. 07.07.643993 05:57 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts