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Ein lauer Januarabend in Cuenca, 32.080 Zuschauer, die Sonne versinkt langsam hinter den Anden - und auf dem Rasen liefern sich Expreso Cuenca und Deportivo Canar ein Duell, das alles hatte: Tore, Karten, Drama und ein bisschen Slapstick. Am Ende steht ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber beide wohl nehmen müssen. Expreso-Coach Dierk Nordi hatte vor dem Spiel angekündigt, "endlich wieder mit Mut nach vorn" spielen zu wollen. Und siehe da: Seine Elf interpretierte "mutig" als "offensiv, aber mit offenem Visier". Schon in den ersten Minuten suchte Francisco Chalana den Abschluss (8.), während Canar auf schnörkelloses Umschalten setzte. Besonders der quirlig-agile Cameron Featherstone war auf dem linken Flügel der Gastmannschaft kaum zu greifen - ein Dauerläufer mit dem Selbstbewusstsein eines Marathonläufers im Sprintduell. Bis zur Pause blieb’s torlos, was weniger an fehlenden Chancen als an den Torhütern lag. Joao Tiago, der Cuenca-Keeper, musste zur Halbzeit verletzt raus - für ihn kam der 17-jährige Marcel Janas, der aussah, als wäre er gerade noch mit dem Schulbus gekommen. "Ich hab einfach gemacht, was ich im Training mache: Hände hoch und hoffen", grinste der Debütant nach Abpfiff. Kurz nach Wiederanpfiff wurde die Partie dann so wild wie ein südamerikanischer Straßenmarkt. Jose Maria Arrondo von Canar holte sich in der 49. Minute Gelb ab - ein taktisches Foul, das man wohlwollend als "übermotiviert" bezeichnen kann. Und während sich die Gäste noch über den Pfiff beschwerten, startete Cuenca. In der 58. Minute traf Francisco Chalana nach feiner Einzelleistung zum 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend. Chalana rannte zur Bank, riss die Arme hoch und rief angeblich in Richtung Trainer Nordi: "Hab ich’s dir nicht gesagt, Dierk - Flügel ist Leben!" Doch wer glaubt, Deportivo Canar würde sich ergeben, kennt Featherstone nicht. In der 73. Minute kombinierte sich der Gast über Cristobal Costa durchs Zentrum. Featherstone nahm dessen Steilpass mit der Sohle mit, drehte sich elegant und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:1. Ein Tor wie gemalt, das selbst die Heimfans kurz innehalten ließ. "Ich hab nur gesehen, dass der Ball schön fliegt. Ich schwöre, ich wollte das so", lachte Featherstone später, als man ihn auf die vielleicht leicht zufällige Flugbahn ansprach. Danach wurde es ruppig. Pedro Fernandes sah in der 79. Minute Gelb, Filipe da Costa in der 84. glatt Rot - ein Frustfoul, das man in Cuenca abends vermutlich noch bei Empanadas diskutieren wird. Trainer Nordi brüllte von der Seitenlinie: "Filipe! Kopf! Benutz ihn doch mal!" - leider zu spät. Cuenca musste die letzten Minuten in Unterzahl überstehen. Canar witterte nun den Sieg, hatte mehr Ballbesitz (57 Prozent insgesamt) und kam auf zwölf Abschlüsse. Doch Janas im Tor wuchs über sich hinaus. In der 86. Minute wehrte der Teenager einen Schuss von Andreas Ames spektakulär ab, in der Nachspielzeit hielt er gegen Morais sogar den Punkt fest - ein paradoxes Bild, denn Morais spielt eigentlich für Cuenca und schoss aus Versehen fast den eigenen Torwart an. Nach dem Schlusspfiff sagte Nordi trocken: "Ein Punkt ist ein Punkt. Ich hätte lieber drei, aber mit zehn Mann und einem halben Kind im Tor nehme ich das." Sein Gegenüber, Canars Trainer (der offiziell namenlos blieb, aber sichtlich zufrieden wirkte), nickte nur und meinte: "Wir hatten das Spiel im Griff, aber Fußball ist manchmal ein Witz mit schlechter Pointe." Die Statistik untermauert den Eindruck: Deportivo Canar war das aktivere Team, Cuenca kämpfte, rannte, grätschte - und rettete sich mit 43 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüssen über die Zeit. Am Ende bleibt ein Spiel, das keiner so schnell vergisst. Nicht wegen der taktischen Finesse, sondern wegen der Geschichten: ein junger Torhüter, der plötzlich erwachsen wurde, ein Trainer, der zwischen Wutausbruch und Stolz schwankte, und ein Featherstone, der den Ball küsste, als wäre er sein bester Freund. Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen murmelte: "Wenn das unentschieden ist, will ich gar nicht wissen, wie Sieg aussieht." Und genau das ist das Schöne an diesem Sport - manchmal reicht ein 1:1, um ein ganzes Stadion zum Lächeln zu bringen. 15.08.643987 14:55 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts