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Ein Flutlichtabend in Mödling, 18.753 Zuschauer, ein lauer Februartag und ein Spiel, das so lange nach Nullnummer roch, bis Mario Oliveira in der 71. Minute beschloss, dass es reicht mit der Geduld. Sein Schuss zum 1:0 gegen den FK Hainburg war nicht nur der Treffer des Abends, sondern auch die einzig zählbare Aktion in einer Partie, die alles hatte - außer weiteren Toren. Von Beginn an war klar, dass der SV Mödling unter Trainer Herbert Sax die Flügel nutzen wollte. Schon nach fünf Minuten prüfte Fabian Rausch den Hainburger Keeper Sebastian Bogusz mit einem satten Linksschuss. "Ich dachte kurz, der Ball fliegt ins Parkhaus", grinste Rausch später. Doch Bogusz war auf dem Posten - wie so oft an diesem Abend. Insgesamt elf Torschüsse gaben die Mödlinger ab, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Hainburg, gecoacht vom stoisch-ruhigen Andreas Swoboida, hatte andere Sorgen: Nur drei Schüsse aufs Tor, alle von Pau Antunes, der im Mittelfeld rackerte wie ein Duracell-Hase. "Wenn du vorne keinen Ball bekommst, musst du ihn dir eben selbst holen", knurrte Antunes nach dem Spiel, sichtlich genervt. Sein Trainer fasste es nüchterner zusammen: "Wir waren kompakt, aber zu brav." Zur Pause stand es 0:0, und die Fans begannen, sich gegenseitig über die besten Bratwürste der Liga zu streiten - ein beliebtes Mödlinger Halbzeitritual. Auf dem Rasen blieb es zunächst beim gewohnten Bild: Mödling dominierte leicht den Ball (51,6 Prozent Ballbesitz), attackierte über die Flügel, während Hainburg auf Konter lauerte, die so harmlos blieben wie ein Sonntagsspaziergang. Dann kam die 71. Minute. Timo Stoll, quirlig wie ein Wiesel, zog rechts durch, sah im Rückraum Oliveira einlaufen - ein kurzer Querpass, ein trockener Abschluss, Tor. Keine Chance für Bogusz. 1:0. Das Stadion explodierte, als hätte Mödling gerade die Champions League gewonnen. Oliveira rannte jubelnd zur Eckfahne, Stoll hinterher, und Trainer Sax schrie über den Platz: "Endlich einer, der das Tor auch trifft!" Nach dem Treffer wurde das Spiel ruppiger. Vicente Zuloaga holte sich in der 80. Minute noch eine gelbe Karte ab, "weil ich zu freundlich gegrüßt habe", witzelte er später. Hainburg brachte frische Kräfte, doch weder Gustav Peters (65.) noch Lars Merkel (75.) oder William Mills (85.) konnten das Blatt wenden. Im Gegenteil: Mödling hatte sogar Chancen, das Ergebnis auszubauen - Meissner und Oliveira verzogen knapp. In der Schlussphase warf Hainburg alles nach vorne, das Pressing wurde aggressiver, die Pässe länger, aber die Ideen kürzer. "Wir wollten Anytime schießen", erklärte Swoboida mit einem ironischen Lächeln, und ja, irgendwann versuchte es sogar Innenverteidiger Bettencourt aus 30 Metern. Der Ball flog über die Werbebande, ein Fan fing ihn souverän mit dem Bierbecher - die lauteste Szene der Gäste bis dahin. Nach dem Schlusspfiff fiel die Erleichterung von Mödling wie ein warmer Regen. Trainer Sax wirkte zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir hätten’s früher entscheiden müssen. Aber gut - ein 1:0, drei Punkte, und keiner verletzt. Da darf man sich nicht beschweren." Torschütze Oliveira strahlte indes wie ein Lotto-Gewinner: "Ich wusste, irgendwann muss der rein. Wenn nicht, hätte mich der Coach wohl in die Kabine verbannt." Sein Tor war sinnbildlich für das Spiel: nicht schön, aber effektiv. FK Hainburg dagegen muss sich fragen, wo die Offensive geblieben ist. Drei Torschüsse sind selbst im Minimalismus-Fußball zu wenig. "Wir haben das Spiel kontrolliert - leider ohne Ball", frotzelte Antunes bitter. So bleibt der Abend in Mödling als ein typischer Zweitliga-Krimi in Erinnerung: Kampf, Kratzen, Knurren - und ein einziger Moment der Klarheit. Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "War zäh, aber wenigstens nicht umsonst gefroren." Und damit ist alles gesagt über ein 1:0, das mehr über Geduld als über Glanz erzählt - ein Sieg, der den SV Mödling in der Tabelle klettern lässt und Hainburg mit vielen Fragen, aber wenigen Antworten zurücklässt. 22.09.643990 17:28 |
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