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Ein 1:1 der feinen Ironie - Compostela trotzt Valencia ein Remis ab

Ein kühler Freitagabend in Santiago de Compostela, 36.000 Zuschauer im Estadio San Lázaro - und man hätte meinen können, halb Galicien sei gekommen, um zu sehen, ob das kleine SD Compostela dem großen Valencia CF wenigstens kurz Paroli bieten kann. Am Ende hieß es 1:1 (1:1) - ein Ergebnis, das beide Seiten gleichermaßen zufrieden wie ratlos zurückließ.

Dabei begann alles wie aus einem Märchenbuch für die Gastgeber. In der 7. Minute, als Valencia gerade noch seine Offensivmaschine hochfahren wollte, schnappte sich Paulo Lope den Ball im Mittelfeld, blickte kurz auf, und schickte Ruben Salvadorez steil. Der Linksaußen blieb eiskalt und schob den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der schon weiß, dass er heute in der Zeitung stehen wird, unter dem Keeper hindurch - 1:0 für Compostela.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen, ehrlich!", grinste Valencia-Trainer Sascha Schmidt später, halb verlegen, halb bewundernd. Seine Miene sprach Bände: So hatte er sich den Start in diesen 16. Spieltag der Primera División nicht vorgestellt.

Valencia brauchte eine Weile, um sich zu fangen. Der 18-jährige Evan Macleod, ein Talent mit mehr Mut als Bartwuchs, prüfte in der 9. Minute zum ersten Mal Compostela-Keeper Cameron Beecroft. Doch der Engländer im galicischen Tor war auf dem Posten. "Ich hab ihm zugerufen: ’Probier’s ruhig nochmal, Junge, aber diesmal mit mehr Überzeugung!’", witzelte Beecroft nach der Partie. Es blieb aber nicht bei Scherzen: Valencia kam immer mehr auf, und in der 36. Minute fiel der Ausgleich.

Ediz Güven, Valencias quirliger Rechtsaußen, traf nach einem Kopfballablage von Innenverteidiger Charilaos Triantafyllou - ein kurioses Duo, das man so nicht alle Tage als Torschützen-Assistenten-Kombi sieht. 1:1 - und plötzlich war die Partie wieder offen. Güven jubelte mit ausgestreckten Armen, als wolle er sagen: "Na, so leicht machen wir’s euch nun auch nicht."

Compostela, unter der ruhigen Hand von Trainerin Linda Waldner, blieb ihrer Linie treu: ausgewogen, diszipliniert, kein wildes Pressing, aber dafür Nadelstiche im richtigen Moment. Die Statistik sprach später eine feine Sprache: 52 Prozent Ballbesitz, 10 Torschüsse zu 8 - also ein leichter Vorteil für die Gastgeber, aber keiner, der sich in Toren niederschlug.

Die zweite Halbzeit war ein Lehrstück in verpassten Gelegenheiten. Didier Otto, der 34-jährige Routinier auf der rechten Seite, prüfte den Gästetorwart Javi Moreno gleich zweimal (50. und 58.). Moreno, erst 21, hielt, als ginge es um die Aufnahmeprüfung zur Torwartschule des Lebens. "Ich hab mir einfach gesagt: Nicht blinzeln - der Ball riecht das", erklärte er später mit jugendlichem Ernst.

Valencia blieb gefährlich über den schnellen Pinto und den unermüdlichen Macleod, doch beide fanden in Beecroft ihren Meister. In der 85. Minute hatte Macleod die Riesenchance zum 2:1, verzog aber knapp. "Wenn er den macht, reden wir über einen neuen Stern am spanischen Himmel", murmelte ein Kollege auf der Pressetribüne - und biss in sein Käsesandwich, als wolle er die Dramatik der Szene besser verdauen.

Eine Gelbe Karte für Marcel Miriuta in der 82. Minute brachte noch etwas Würze ins Geschehen - der rechte Verteidiger hatte offenbar vergessen, dass Trikotzupfen laut Regelwerk immer noch verboten ist. Waldner rief ihm von der Seitenlinie etwas zu, das klang wie: "Marcel, das ist kein Rugby!"

Nach 95 Minuten pfeift der Schiedsrichter ab. Beide Teams sanken kurz in sich zusammen - erschöpft, aber zufrieden. "Ein Punkt ist besser als keiner", fasste Waldner das Spiel zusammen, "aber wenn man die erste Halbzeit sieht, hätten wir auch drei verdient gehabt." Schmidt hingegen meinte trocken: "Wir sind kein Orchester, bei uns spielt noch jeder seine eigene Note. Aber wenigstens war’s kein schiefer Ton heute."

So endete ein Spiel, das kein Feuerwerk, aber ein ehrlicher Kampf war - zwei Teams, die sich nichts schenkten, außer vielleicht den gegenseitigen Respekt.

Und irgendwo in der Nacht von Santiago, als die Stadionlichter längst erloschen waren, soll Ruben Salvadorez noch einmal am Fenster seines Apartments gestanden haben, in der Hand ein Glas Rotwein, und gesagt haben: "Wenn der Ball so läuft wie heute, dann ist selbst ein 1:1 ein kleines Gedicht."

Ein Gedicht, das Valencia vielleicht nicht ganz verstanden hat - aber sicher noch einmal lesen möchte.

11.07.643987 23:45
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Wenn es einmal hart auf hart kommt, kommt es meistens ganz hart.
Jens Jeremies
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