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Im Eagles Stadium von New York herrschte am Samstagabend eine Stimmung, wie sie sonst nur bei Broadway-Premieren zu erleben ist - allerdings mit deutlich mehr Schweiß. 37.567 Zuschauer sahen die New York Eagles am 4. Spieltag der 1. Liga USA zu einem überzeugenden 2:0-Sieg über die Atlanta Gorillas davonflattern. Es war ein Spiel, das früh entschieden wurde und danach nur noch die Frage offenließ, wie viele Chancen man eigentlich vergeben darf, ohne dass der Trainer graue Haare bekommt. Bereits in der 3. Minute legte Archie Graves, seines Zeichens rechter Verteidiger mit Offensivdrang, den Grundstein für den späteren Sieg. Nach feinem Zuspiel von Mittelfeldmotor Jake Henderson zimmerte Graves den Ball aus halbrechter Position unter die Latte - ein Treffer, der mehr Selbstvertrauen ausstrahlte, als mancher Spieler in einer ganzen Saison sammelt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Graves nach dem Spiel, "aber dann habe ich gesehen, dass der Torwart schon auf den Weg in die falsche Ecke war. Da dachte ich: Warum nicht mal draufhalten?" Was dann folgte, war eine Demonstration. Die Eagles bestimmten das Geschehen mit 60 Prozent Ballbesitz, 27 Torschüssen und einer Passsicherheit, die phasenweise an Trainingsspiel erinnerte. Die Gorillas, jung, wild und etwas überfordert, kamen in der ersten Halbzeit kaum über die Mittellinie hinaus. Trainerin Anja Meister versuchte von der Seitenlinie aus, ihre Mannschaft wachzurütteln, aber ihre Gestik erinnerte eher an eine Yoga-Übung als an eine Coaching-Anweisung. In der 17. Minute folgte das 2:0 - durch Dylan Edgecomb, den 22-jährigen Wirbelwind auf der rechten Seite. Wieder war Henderson der Passgeber. Edgecomb nahm den Ball mit einer Leichtigkeit an, als hätte er ihn magnetisch angezogen, und schob ihn überlegt ins lange Eck. "Jake hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert", sagte Edgecomb später. "Ich musste nur noch höflich Danke sagen." Von den Gästen aus Atlanta hingegen kam offensiv wenig. Ganze zwei Torschüsse brachten sie zustande - einer davon in der 46. Minute durch Charles Neville, der immerhin das Netz zum Wackeln brachte, allerdings von außen. Ihre jugendliche Unerfahrenheit war ihnen deutlich anzusehen: Während die Eagles clever pressten und das Spiel breit machten, liefen die Gorillas oft wie aufgescheuchte Hühner zwischen den Linien umher. Trainer Ho Si, sonst für seine stoische Ruhe bekannt, gönnte sich an der Seitenlinie sogar ein Lächeln. "Wir hätten das Ergebnis höher gestalten können", sagte er nach dem Abpfiff, "aber nach dem 2:0 hat die Mannschaft etwas auf Energiesparmodus geschaltet. Vielleicht dachten sie, das Publikum wolle noch ein bisschen Spannung." Tatsächlich wurde es nach der Pause ruhiger. Si wechselte zur Halbzeit gleich dreimal - unter anderem kam der junge Jack Edgecomb (der kleine Bruder von Torschütze Dylan) in der Offensive, während Oscar Stahl und Marcel Kudela die Defensive stabilisierten. Dass die Eagles in der zweiten Hälfte kein weiteres Tor erzielten, lag nicht an mangelndem Willen, sondern eher an der berühmten "letzten Präzision". Henderson, Williamson und Clancy probierten es reihenweise, aber entweder stand Torwart Moravcik im Weg oder der Ball flog in Richtung Hudson River. In der 75. Minute sah George Williamson noch Gelb - eine Szene, die so unnötig war wie ein dritter Nachschlag beim Buffet. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", grinste der Linksverteidiger später. Die Gorillas versuchten es in der Schlussphase mit etwas mehr Offensivdrang, doch ihre Bemühungen wirkten so unbeholfen, dass selbst der Linienrichter einmal mitleidig die Fahne senkte. Als schließlich auch der letzte Schuss von Vladimir Dubovsky in der 91. Minute vom Eagles-Keeper Oscar Cunha sicher gefangen wurde, war klar: Hier brennt nichts mehr an. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", sagte Atlantas Trainerin Meister nach dem Spiel ehrlich. "Aber wenn man gegen so eine erfahrene Mannschaft spielt, lernt man wenigstens, wie man nicht verteidigen sollte." Fazit: Die Eagles siegen souverän, ohne zu glänzen, und bleiben damit weiter im oberen Tabellendrittel. Die Gorillas hingegen müssen sich fragen, ob sie nächste Woche vielleicht mit weniger Offensivdrang, aber etwas mehr Struktur spielen wollen. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Die Gorillas waren heute eher Bananenlieferanten." Und ja - das traf es ziemlich genau. 14.07.643990 22:57 |
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Mehmet Scholl