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Manchmal sieht Fußball so einfach aus, dass man sich fragt, warum nicht jedes Team so spielt. Dynamo Berlin nahm am Donnerstagabend den Liga-Pokal-Gegner Vorwärts Kornharpen auseinander, als sei es ein Trainingskick. 3:0 hieß es am Ende vor 1339 frierenden, aber bestens gelaunten Zuschauern im Jahnsportpark - und das Ergebnis schmeichelte den Gästen fast noch. Schon nach fünf Minuten tobte die Tribüne. Der 18-jährige Ben Eder, ein Stürmer mit der rotzfrechen Körpersprache eines, der noch nie ein schlechtes Spiel erlebt hat, drückte den Ball nach Vorarbeit von Richard May über die Linie. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Und ja, ich hab’ kurz gezwinkert, bevor ich geschossen hab", grinste Eder später in der Mixed Zone, während Trainer Tim Ancelotti im Hintergrund die Augen verdrehte. Drei Minuten später dasselbe Bild: Kornharpen suchte noch seine Ordnung, während Eder bereits den nächsten Ball im Netz versenkte - diesmal nach einem Pass von Innenverteidiger Joschua Ebert, der offenbar beschlossen hatte, dass Vorlagen auch zur Verteidigerpflicht gehören. 2:0 nach acht Minuten - das war nicht nur ein Start nach Maß, das war fast schon ein Überfall. "Da war’s dann schwer, noch an ein Wunder zu glauben", seufzte Gäste-Kapitän Lucas Adler, der mit 34 Jahren in der Abwehr versuchte, die jugendliche Berliner Offensive zu zähmen - ein Unterfangen, das so viel Aussicht auf Erfolg hatte wie ein Schneeball in der Sommerhitze. Dynamo spielte sich in einen Rausch. 19 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, während Kornharpen ganze einen zustande brachte - und der kam von Hanns Falk in Minute 17, eher höflich als gefährlich. Die Ballbesitzstatistik (54 zu 46 Prozent) sagte nicht annähernd aus, wie dominant die Berliner auftraten. Kurz vor der Pause gab’s dann die erste unschöne Szene: Ben Eder, bis dahin Doppeltorschütze und Publikumsliebling des Abends, blieb nach einem Zweikampf liegen. Die Betreuer rannten, das Publikum hielt den Atem an - und Ancelotti murmelte, halb zu sich selbst, halb zu seinem Co-Trainer: "Bloß keine Dramatik jetzt, der Junge denkt bei jedem Krampf, das Bein sei ab." Eder musste tatsächlich raus, ersetzt von Marco Ferrer, der seine Sache ordentlich machte. Noch vor der Pause sah Richard May Gelb - vermutlich, um wenigstens einmal auf dem Spielberichtsbogen der Gäste zu erscheinen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch Verteidigen kann", sagte er mit einem schelmischen Grinsen. Nach der Pause blieb das Bild unverändert. Kornharpen mühte sich, Dynamo kombinierte. In der 49. Minute belohnte sich der 17-jährige Kevin Bader mit seinem ersten Pflichtspieltor. Wieder hatte Ebert seine Füße im Spiel - der Innenverteidiger, der an diesem Abend mehr kreative Impulse hatte als mancher Zehner. "Joschua hat wohl seine innere Spielmacher-Seele entdeckt", witzelte Ancelotti später. Von da an war’s Schaulaufen. Die Berliner nahmen das Tempo raus, spielten aber weiter mit der Leichtigkeit einer Jugendmannschaft, die vergessen hat, dass man im Pokal eigentlich nervös sein müsste. Kornharpen kämpfte tapfer, aber ohne echte Mittel. "Wir haben versucht, kompakt zu bleiben", erklärte Trainer Karl-Heinz Römer - um dann selbstironisch hinzuzufügen: "Leider waren wir eher kompakt daneben." Die letzten Minuten verstrichen mit höflichem Ballgeschiebe. Dynamo wechselte noch einmal durch, die Fans sangen, und ein älterer Herr auf der Tribüne meinte trocken: "Wenn die so weiterspielen, müssen wir bald Eintritt zahlen wie in der Bundesliga." Am Ende stand ein hochverdienter 3:0-Erfolg, der den Berlinern die Tür zum Viertelfinale weit aufstößt. Der junge Sturm um Eder und Bader zeigte, dass Dynamik und Frechheit manchmal mehr wert sind als Routine und Erfahrung. "Wir haben heute einfach Spaß gehabt", sagte Ancelotti mit einem Lächeln, das fast jugendlicher wirkte als das seiner Spieler. Und während Kornharpen enttäuscht, aber gefasst den Platz verließ, gönnte sich Dynamo noch eine Ehrenrunde. Ben Eder humpelte mit, winkte ins Publikum - und rief einem Reporter zu: "Ich bin nächste Woche wieder fit. Versprochen. Ich will ja nicht, dass Joschua meine Torvorlagen klaut!" Ein Satz, der sinnbildlich für diesen Abend stand: jung, frech, selbstbewusst - und mit einem Augenzwinkern. Dynamo Berlin hat nicht nur Kornharpen besiegt, sondern ein Statement abgegeben: Diese Mannschaft spielt nicht einfach Fußball. Sie zelebriert ihn. 10.04.643987 00:55 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts