Elfmeter
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Dynamo Berlin triumphiert in Burghausen - trotz Rot und Schneetreiben

Es war ein frostiger Februarabend in Burghausen, an dem mancher Zuschauer sich wohl zweimal überlegt hatte, ob er die Couch gegen das Wacker-Stadion tauschen sollte. 2.910 Unentwegte taten es - und sie bekamen immerhin ein Spiel zu sehen, das eher an norddeutsches Aprilwetter als an bayerische Gemütlichkeit erinnerte: Wind, Flutlicht, und ein Dynamo Berlin, der sich mit einem 2:0 (0:1) beim SC Burghausen durchsetzte.

Die Berliner begannen, als hätten sie die lange Busfahrt einfach vergessen. Offensiv, zielstrebig, selbstbewusst - Trainer Tim Ancelotti hatte seine Jungs auf Angriff getrimmt. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht zum Weißwurstfrühstück hier sind", grinste Ancelotti später in der Kabine. Seine Mannschaft hielt Wort. Schon nach einer Viertelstunde prüfte der flinke Petar Michailow den Burghauser Torwart Ronald Esser. Drei Minuten später versuchte es Abwehrmann Amaury Gutierre aus der zweiten Reihe - ein Warnschuss, der irgendwo zwischen Stadiondach und Sternenhimmel verschwand.

Burghausen suchte derweil nach Ordnung, fand aber meist nur den Ballführenden der Gäste. Zwar hielten sich die Ballbesitzwerte (48 zu 52 Prozent) in etwa die Waage, doch die gefährlichen Szenen gehörten fast ausschließlich den Berlinern. Die Statistik sprach mit 11:4 Torschüssen eine klare Sprache.

Kurz vor der Pause fiel dann, was sich längst angekündigt hatte: Raphael Fuchs, der rechte Flügelflitzer der Dynamo-Elf, setzte sich nach Pass von Routinier David Fontàs gegen zwei Gegenspieler durch und schob trocken zum 0:1 ein (44.). "Ich wollte eigentlich flanken", gab Fuchs später mit einem Augenzwinkern zu, "aber wenn der Ball einmal hört, dass es heute Tore gibt, dann macht er eben, was er will."

Burghausen-Trainer - der Name blieb aus Berliner Sicht an diesem Abend das bestgehütete Geheimnis, da er nach Schlusspfiff wortlos in der Kabine verschwand - dürfte in der Halbzeit wenig Schmeichelhaftes gesagt haben. Denn seine Mannschaft kam mit Wut, aber wenig Plan aus der Pause. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff fiel die Vorentscheidung: Callum Ashton, 19 Jahre jung, traf nach feiner Vorarbeit von Julian Meireles zum 0:2 (49.). Es war ein Treffer, wie ihn Trainer Ancelotti später beschrieb: "Einer dieser Momente, in denen man kurz glaubt, Fußball sei ganz einfach."

Burghausen mühte sich, bissiger zu werden. Marwin Winkler kassierte in der 79. Minute Gelb - sinnbildlich für eine Mannschaft, die kämpfte, aber mehr Staub als Gefahr aufwirbelte. Schon zuvor hatte Marcus Specht (40.) Farbe gesehen, allerdings Gelb vor Rot. Viel half’s nicht. Die beste Chance der Gastgeber hatte Lucas Hiliard in der 62. Minute, doch sein Schuss wurde zur Beute von Berlins jungem Keeper Samuel Devaney, der im Anschluss seelenruhig seine Handschuhe ausklopfte, als wollte er sagen: "Mehr kommt heute wohl nicht."

Dynamo dagegen musste in der Schlussphase noch zittern - nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen der Disziplin. Der eingewechselte Marco Ferrer, erst in der 75. Minute für den verletzten Ashton gekommen, sah nur fünf Minuten später glatt Rot (80.). "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte der 19-Jährige, während Ancelotti ihm die Hand auf die Schulter legte und flüsterte: "Nächstes Mal triffst du bitte nur den Ball."

Selbst in Unterzahl kontrollierte Berlin das Geschehen - abgeklärt, routiniert, und mit jener Spur Arroganz, die man sich bei einem Auswärtssieg auch leisten darf. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen sich die Spieler in die Arme, während die Burghauser Fans höflich applaudierten. Ein paar riefen sogar: "Kommt gut heim!" - was angesichts der nächtlichen Autobahnverhältnisse durchaus als sportlicher Wunsch gelten durfte.

"Ein dreckiger, aber verdienter Sieg", fasste Kapitän David Fontàs zusammen. "Wir haben gezeigt, dass wir auch bei minus zwei Grad heiß laufen können."

Burghausen dagegen bleibt ratlos zurück. Ohne eigenen Treffer, mit schwindender Form und leichtem Frust. "Wir haben es versucht, aber früh gemerkt, dass die Berliner heute einen anderen Plan hatten", sagte Verteidiger Stephan Lehmann, bevor er in die Kabine verschwand - vermutlich auf der Suche nach einer Wärmflasche und einer Erklärung.

Und so bleibt vom 31. Spieltag der Verbandsliga F vor allem die Erkenntnis: Wer in Burghausen gewinnen will, braucht nicht nur warme Socken, sondern auch einen Raphael Fuchs, der weiß, wo das Tor steht.

In Berlin wird man den Sieg feiern - vielleicht nicht mit Feuerwerk, aber mit einem Lächeln im Bus und einem heißen Tee in der Hand. Denn wer bei diesem Wetter 90 Minuten lang rennt, schießt und siegt, hat sich beides redlich verdient.

31.03.643990 23:14
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