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Es war ein langer Abend im Estadio Caliente von Tijuana, und für die 31.087 Zuschauer fühlte er sich noch länger an, als die Sonne schon längst hinter den Tribünen verschwunden war. Deportivo Tijuana verlor am 15. Spieltag der 1. Liga Mexico mit 0:1 gegen Alacranes Durango - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber in Wahrheit eine kleine sportliche Demütigung darstellt. Denn während die Gastgeber es tatsächlich schafften, **keinen einzigen Torschuss** zu verbuchen, feuerte Durango stolze 24 Mal auf den Kasten von Torhüter Torsten Köhler. "Ich habe mich ein bisschen wie bei einem Schießtraining gefühlt - nur dass ich leider der Sandsack war", scherzte Köhler nach dem Spiel mit einem gequälten Grinsen. Seine Aussage war nicht übertrieben: Schon in der dritten Minute begann Vincente de Silva mit einem strammen Versuch, der Köhler warmhielt. Danach rollte Angriff auf Angriff. Das Tor des Abends fiel in der 18. Minute - folgerichtig, fast zwangsläufig. Arnau Pacos, zentraler Mittelfeldmann mit dem Blick eines Schachspielers, nahm einen präzisen Pass von Rechtsverteidiger Cristobal Enrico auf, legte sich den Ball zurecht und jagte ihn trocken ins linke Eck. Während die Gäste jubelten, sah man bei Tijuana nur ratlose Gesichter. Trainer Hans Dampf, sonst für seine launigen Pressekonferenzen bekannt, stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und kommentierte später trocken: "Wir hatten den Ball öfter, ja. Aber anscheinend dachten meine Jungs, Ballbesitz sei schon die halbe Miete. Leider ist das Tor noch nicht mit inbegriffen." Tatsächlich hatte Tijuana laut Statistik 53 Prozent Ballbesitz - also mehr als Durango. Nur: Was sie damit anfingen, blieb ein Rätsel. Kein einziger Abschluss fand den Weg auch nur in Richtung Gästetorwart Vincent Antolin. Selbst die notorischen Optimisten auf der Tribüne, die bei jedem Rückpass "olé" riefen, verstummten irgendwann resigniert. Durango dagegen spielte schnörkellos, direkt, und manchmal sogar mit brutaler Ehrlichkeit. Trainer Manni Kaltz hatte sein Team auf Konter eingestellt und ließ später wissen: "Wir wollten sie laufen lassen. Wenn sie müde werden, kommen wir. Und genau so ist es passiert." Seine Jungs hielten sich akribisch an den Plan. Besonders Sergi Coluna, der in der ersten halben Stunde gleich drei Mal gefährlich abschloss, war der Motor des Spiels. In der zweiten Halbzeit wurde es ruppiger. Francisco Gil sah in der 46. Minute Gelb, und Arnau Pacos, der Torschütze, handelte sich in der 80. Minute ebenfalls eine Verwarnung ein. "Der Schiri wollte mich wohl bremsen, bevor ich noch ein zweites schieße", grinste Pacos im Kabinengang - ein Satz, der vermutlich nicht allen in Tijuana gefallen hat. Hans Dampf wechselte zwar eifrig, schickte seine Flügelspieler noch weiter nach vorn, doch es blieb beim Versuch. Pressing? Fehlanzeige. Mut? Nur phasenweise. Immerhin die Körpersprache stimmte - zumindest bis zur 70. Minute. Danach war es mehr ein Ausdruck stiller Verzweiflung. Als Durango in den Schlussminuten noch drei, vier Mal auf das Tor hämmerte, klatschten selbst einige Heimfans anerkennend. "Man muss ja auch mal gute Gäste haben", flachste ein Zuschauer auf der Haupttribüne. Die Alacranes - zu Deutsch: Skorpione - hatten ihr Motto ernst genommen: einmal stechen, dann verteidigen. Kaltz brachte in der 82. Minute mit dem jungen Nelio Salinas frische Beine und ließ anschließend alles auf Stabilität setzen. Tijuana versuchte es noch mit langen Bällen, doch die verpufften irgendwo zwischen Mittellinie und Verzweiflung. Als der Schlusspfiff ertönte, schien sogar der Stadionsprecher zu seufzen. "Das war kein schönes Spiel", sagte Dampf zum Abschluss, "aber wenn man gar nicht aufs Tor schießt, darf man sich über ein 0:1 nicht beklagen. Wir haben heute gelernt, dass Statistiken manchmal lügen - und manchmal eben nicht." Durango klettert mit diesem Sieg weiter nach oben, während Tijuana sich mit einem lauten Rauschen in der Tabellenmitte wiederfindet. Ein Abend, an dem ein Team Fußball spielte - und das andere zusah. Und irgendwo in der Kabine soll Torwart Köhler leise gesagt haben: "Beim nächsten Mal bring ich mir ein Buch mit. Dann hab ich wenigstens was zu tun." Ein sarkastisches Fazit, ja - aber eines, das in Tijuana wohl jeder unterschreiben würde. 30.06.643987 04:12 |
Sprücheklopfer
Sowohl als auch. Einer, der auf Abseits gespielt hat, hat gepennt.
Peter Neururer auf die Frage: 'Haben die da auf Abseits gespielt oder gepennt?'