El Diario
+++ Sportzeitung für Bolivien +++

Dudu Dobrin trifft und Santa Cruz tanzt - ein 1:0 für die Geduld

Es war einer dieser Abende in Santa Cruz, an denen der Ball lieber Tango tanzen als Fußball spielen wollte. 20.000 Zuschauer im Estadio Municipal sahen beim 22. Spieltag der 1. Liga Bolivien eine Partie, die nicht durch fußballerische Hochkultur, sondern durch Zähigkeit und gelegentliche Funken von Genie glänzte. Am Ende durfte Academia Santa Cruz dank eines goldwerten Treffers von Dudu Dobrin in der 39. Minute jubeln - 1:0 gegen Hercules Cochabamba.

"Ich hab den Ball getroffen, und dann - ehrlich gesagt - die Luft angehalten", grinste Torschütze Dobrin nach dem Spiel. "Zum Glück hat er sich entschieden, reinzugehen. Sonst hätte ich mich eine Woche lang nicht mehr im Training blicken lassen können." Der 25-jährige Rechtsaußen wurde nach seinem Treffer von seinen Mitspielern fast erdrückt - und das völlig zu Recht, schließlich war es der einzige Moment, in dem die Kugel an diesem Abend wirklich dorthin wollte, wo sie hingehört.

Das Spiel begann mit vorsichtigem Abtasten. Santa Cruz, unter Leitung ihres noch namenlosen Trainers, setzte auf ausgewogene Taktik und bedächtige Ballzirkulation, während Hercules-Coach Gabriel Chepas seine Jungs von Beginn an auf Angriff über die Flügel trimmte. "Wir wollten Santa Cruz hinten festnageln", erklärte Chepas später. "Leider hat sich der Nagel verbogen." Sarkasmus oder Selbstironie - schwer zu sagen, aber treffend war’s allemal.

Die ersten Chancen gehörten der Academia: Dudu Dobrin prüfte in der 7. Minute Hercules-Keeper Antonio Derlei mit einem strammen Schuss, Alex Garcia legte in der 20. Minute nach, und Luke Morriss zwang den Torhüter wenig später erneut zu einer Parade. Doch wer vorne seine Möglichkeiten liegen lässt, bekommt hinten oft Probleme - beinahe wäre das auch hier passiert. In der 27. Minute tauchte Innenverteidiger Carlos Bischoff nach einer Ecke plötzlich frei vor Adriano Martinez auf, brachte aber nur ein müdes Schüsschen zustande. Santa Cruz atmete auf - und kurz darauf schlug’s vorne ein.

David Cascon, der linke Mittelfeldmann mit dem eleganten Fußgelenk, zog in der 39. Minute nach innen, legte quer, und Dudu Dobrin drosch den Ball - von der Strafraumkante, halb Volley, halb Hoffnung - ins rechte Eck. 1:0. Das Stadion bebte, die Fans tanzten, und der Stadionsprecher übertönte für einen Moment sogar den Bolivianischen Abendwind.

Nach der Pause übernahm Hercules das Kommando. Mit 51 Prozent Ballbesitz und insgesamt acht Torschüssen wirkte die Statistik wie eine Drohung - doch die Realität war eine andere. Marco Barbosa (34., 40.) und später Pol Postiga (64.) fanden ihren Meister immer wieder in Torwart Adriano Martinez, der an diesem Abend den sicheren Rückhalt spielte, den man in Lehrbüchern selten, aber in engen Spielen dringend braucht. "Ich hab einfach versucht, den Ball zu fangen, bevor er mich fängt", lachte Martinez nach Abpfiff.

Die Partie blieb hart, aber nie unfair - na ja, fast nie. Hercules-Youngster Miguel Chalana sah in der 71. Minute Gelb, nachdem er sich offenbar mit einem besonders rustikalen Zweikampf in Erinnerung bringen wollte. Auf der anderen Seite kassierte Humberto Puerta (85.) eine Verwarnung, weil er es mit der Zeitverzögerung etwas zu kreativ nahm. "Ich wollte nur den Ball suchen", behauptete er anschließend mit einem Unschuldsblick, der selbst den Schiedsrichter kurz zum Lächeln brachte.

In den letzten Minuten drückte Hercules mit aller Macht. Helmut Wahl versuchte es in der Nachspielzeit noch einmal aus 20 Metern, aber sein Schuss rauschte knapp über die Latte - und mit ihm die letzte Hoffnung auf einen Punktgewinn. Trainer Chepas stapfte nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen vom Platz, während auf der Gegenseite die Spieler von Academia Santa Cruz ausgelassen jubelten. Nicht schön, aber effektiv - so könnte man diesen Abend zusammenfassen.

"Wir haben heute nicht geglänzt, aber wir haben gearbeitet", sagte Santa-Cruz-Kapitän Jonatan Norman hinterher. "Und manchmal ist ein dreckiges 1:0 schöner als ein 4:3 mit Herzinfarktgefahr." Dem widersprach im Stadion niemand, nicht einmal der Gegner.

So bleibt Academia Santa Cruz weiter oben im Tabellenmittelfeld, während Hercules Cochabamba sich fragen muss, wie man mit mehr Ballbesitz, mehr Torschüssen - aber null Toren - wieder nach Hause fährt. Vielleicht mit dem Bus der Erkenntnis: Im Fußball gewinnt eben nicht, wer mehr spielt, sondern wer einmal richtig trifft.

Und Dudu Dobrin? Der wird sich wohl noch eine Weile feiern lassen. Oder, wie er zum Abschluss meinte: "Wenn meine Mutter das sieht, glaubt sie mir endlich, dass ich wirklich Fußball spiele."

Ein Satz, der in Santa Cruz wohl noch lange zitiert werden wird.

20.06.2026 20:57
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Wir haben einen Hund zu Hause, der ist acht Wochen alt. Der hat am letzten Sonntag völlig verstört unter dem Sofa hervor geschaut. Denn als Bremen in Dortmund das 3:1 erzielt hat, habe ich einen Schrei losgelassen, dass die Wände wackelten.
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