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Ein Freitagabend in Barcelona, Flutlicht, 26.654 Zuschauer und ein Spiel, das alles bot - Tore, Karten, Drama und ein Schuss jugendlicher Unbekümmertheit. Am 9. Spieltag der 2. Liga Spanien trennten sich Atletic Barcelona und der FC Malagueño 2:2. Ein Ergebnis, das beiden Teams wohl noch durch die Köpfe spuken wird - der einen Seite wegen verpasster Chancen, der anderen, weil sie zu spät aufwachte. Von Beginn an war klar: Hier wollte keiner den Ball bloß spazieren tragen. Atletic-Coach Al Bundy, bekannt für seine trockenen Sprüche, hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, während Malagueño zunächst auf Balance setzte - was in der Praxis hieß: "Wir verteidigen, wenn’s gar nicht anders geht." Nach nur zwei Minuten zwang der junge Asier Zapatero Atleticos Keeper Niels Nolte zur ersten Parade. Ein Vorgeschmack auf einen Abend, der nie wirklich zur Ruhe kommen sollte. In der 22. Minute dann das erste Zwischenkapitel in der Kategorie Chaos: Malagueños Raffaello Villa verletzte sich im Zweikampf unglücklich. Während er noch behandelt wurde, zückte der Schiedsrichter Gelb gegen dessen Mitspieler Juan Pablo Galisteo - offenbar, weil dieser seine Meinung zur Regelauslegung etwas zu laut kundtat. Trainer der Gäste, ein sichtlich genervter Mann mit Hang zur Gestik, murmelte in Richtung Bank: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald ein Lazarett statt eine Ersatzbank." Nur sechs Minuten später dann der erste Jubel im Gästeblock. Der 17-jährige Albert Varela, der aussieht, als wäre er gerade erst von der Jugendfeier gekommen, schlenzte den Ball in der 28. Minute nach Vorarbeit von Rui de Vivar trocken ins linke Eck - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Teenager später, "und gehofft, dass der Ball nicht den Balljungen trifft." Doch Atletic ließ sich nicht beirren. Der Ballbesitz sprach knapp für die Hausherren (51,5 %) und sie kamen zu insgesamt 14 Abschlüssen - doppelt so viele wie nötig, um die Fans bei Laune zu halten. Kurz vor der Pause, fast mit dem Halbzeitpfiff, setzte sich Diego Mascarenhas rechts durch, flankte mit chirurgischer Präzision in den Strafraum - und Pinchas Hasson drosch das Leder in der 45. Minute zum 1:1 unter die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer Bundy später, "aber Hasson dachte wohl: warum warten?" Nach dem Seitenwechsel brachte Bundy den jungen Rafael Vico für den glücklosen Tim Ackermann - eine Entscheidung, die später fast noch ein goldenes Händchen entpuppte. Doch zunächst jubelten wieder die Gäste: In der 58. Minute stand Jose Enrique Gallardo nach einem Eckball von Lucas Jansen goldrichtig und nickte zum 1:2 ein. "Wir wollten zeigen, dass auch Verteidiger Pässe schlagen können", kommentierte Jansen mit einem Augenzwinkern. Atletic drückte nun - das Mittelfeld war fest in der Hand von Jay Warriner, der in der 68. und 72. Minute zwei gute Gelegenheiten hatte, aber jeweils am glänzend reagierenden Andres Segura im Malagueño-Tor scheiterte. Die Gäste schwammen nun, was sich in der 81. Minute rächte: Juan Pablo Galisteo, der bereits Gelb gesehen hatte, kam gegen Preher zu spät. Rot. Ohne Diskussion. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich der 19-Jährige nach dem Spiel, "aber der Ball wollte mich wohl nicht." Mit einem Mann mehr warf Atletic alles nach vorn - und in der 86. Minute zahlte sich der Druck aus. Der eingewechselte Guillermo Minambres, gerade 18 Jahre alt, verwandelte die Hereingabe von Pierre Preher eiskalt zum 2:2. Ein Tor, das den jungen Stürmer zum Helden machte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", gestand Minambres, "ich hab nur Pierre schreien hören." Die Schlussminuten waren dann ein einziger Sturmlauf der Hausherren, die nun sogar auf Sieg spielten. Bundy schickte seine Elf in ein Pressing, das selbst Guardiola stolz gemacht hätte. Doch Malagueño rettete das Remis über die Zeit - mit allem, was Beine und Nerven hergaben. "Ein gerechtes Ergebnis", fand Bundy nach Abpfiff und fügte mit schiefem Grinsen hinzu: "Aber wenn wir noch fünf Minuten länger gespielt hätten, hätte ich vielleicht mal gelächelt." So blieb es beim 2:2 - ein Spiel, das keine Sieger, aber viele Geschichten kannte. Und wer genau hinsah, konnte schon die Zukunft des spanischen Fußballs erahnen: Sie trägt Namen wie Varela und Minambres, und sie hat keine Angst vor großen Momenten. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn das zweite Liga ist, will ich gar nicht wissen, wie verrückt die erste ist." 21.04.643987 17:26 |
Sprücheklopfer
Man sollte die Presse nicht wichtiger machen, wie sie wichtig gemacht wird.
Lothar Matthäus