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Es war ein lauer Februarabend in Drama, aber die Luft im Stadion war elektrisch. 20.000 Zuschauer hatten sich zum 31. Spieltag der griechischen Superliga eingefunden, um Doxa Drama gegen Odysseas Athen zu sehen - und sie bekamen ein Spiel, das seinem Namen alle Ehre machte: Drama in Drama. Am Ende siegte Odysseas Athen mit 3:2 (2:0) und bewies, dass man auch ohne göttliche Hilfe einen Sieg auswärts erringen kann. Odysseas begann mit Schwung, als hätte Trainer Otto "Rehakles" eine Zeitmaschine in die alten Tage seiner Coaching-Glorie gefunden. Schon in der Anfangsphase waren die Athener giftig, bissig, aggressiv - "STRONG" nennt man das in der Taktiktafel, und genau so sah es auch aus. Doxa hingegen wirkte zunächst wie in einem sonntäglichen Spaziergang durch den Stadtpark: ordentlich organisiert, aber ohne Pfeffer. Die ersten Minuten gehörten klar den Gästen. Nach einigen Vorstößen war es in der 33. Minute soweit: Espen Berthelsen, der norwegische Wirbelwind auf der linken Seite, netzte nach Vorlage von Samuel Greenwald zum 0:1. Der Treffer war so sauber herausgespielt, dass selbst der Heimtrainer Androklis Papazoglou später meinte: "Da konnte selbst meine Abwehr nicht mehr beten." Nur sieben Minuten später folgte der nächste Nadelstich. Radovan Ctyroky leitete über links ein, Ktesias Giannopoulos vollstreckte eiskalt zum 0:2. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball reinfliegt", grinste Giannopoulos später, und man glaubte es ihm. Doxa wankte, die Fans murmelten, und Papazoglou warf seine Jacke so heftig auf die Bank, dass der vierte Offizielle erschrocken zusammenzuckte. Die Halbzeitpause kam wie ein Gnadenstoß für Drama, das mit knapp 50 Prozent Ballbesitz zwar nicht völlig abgemeldet war, aber kaum zwingend wurde. "Unsere Torschüsse waren eher Grüße ans Publikum", kommentierte Doxa-Verteidiger McGowan trocken. Doch direkt nach Wiederanpfiff, kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, schlug Doxa zurück. Rechtsverteidiger Yisrael Ben - sonst eher fürs Zerstören zuständig - überraschte Freund und Feind mit einem satten Schuss zum 1:2 in der 46. Minute. Plötzlich war Leben in der Bude. Die Zuschauer standen, die Trommeln dröhnten, und Papazoglou schrie: "Jetzt oder nie!" Athen wackelte kurz, fing sich aber schnell. In der 69. Minute stellte Luke Cunningham nach Vorarbeit von Duarte Varela den alten Abstand wieder her. 1:3 - und man konnte Rehakles auf der Bank lächeln sehen. "Das war wie im Lehrbuch - ein Pass, ein Schuss, ein Tor", sagte er später mit dem Understatement eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Drama gab sich trotzdem nicht auf. Manus Karagounis, der ewige Kämpfer, versuchte es immer wieder und wurde in der 88. Minute belohnt: Nach Vorlage von Savvas Chatzi drosch er den Ball unter die Latte - 2:3! Das Stadion explodierte vor Jubel, und für einen Moment schien alles möglich. Doch Odysseas brachte das Ergebnis über die Zeit, wenn auch mit leicht flatternden Nerven. Gelbe Karten hagelte es am Ende noch: Samaras (59.) und Vryzas (90.) bei Doxa, Ctyroky (63.), Pena (73.) und Benado (91.) bei den Gästen - eine Art Sammelkunde in Sachen Disziplin. Statistisch lag alles nah beieinander: 49,6 Prozent Ballbesitz für Doxa, 50,3 für Athen, 9 zu 10 Torschüsse - ausgeglichen wie ein gutes Gyrosgericht. Doch die Effizienz sprach klar für die Gäste, die aus drei guten Chancen drei Treffer machten. Nach der Partie war Papazoglou trotz Niederlage erstaunlich gelassen: "Wir haben Charakter gezeigt. Leider kam der Charakter erst nach der Pause." Sein Gegenüber Rehakles konterte mit einem Lächeln: "Ich mag Spiele, in denen ich am Ende drei Tore gezählt habe. Das ist ein gutes Zeichen." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus, vielleicht auch, weil sie wussten: So viel Herzblut sieht man nicht alle Tage. Und während die Flutlichter langsam erloschen, murmelte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne: "Drama hat verloren, aber wenigstens mit Stil." Ein Fazit, dem man kaum widersprechen kann - auch wenn Rehakles’ Männer wohl anderer Meinung wären. Schlusswort? In Griechenland sagt man: Wer gegen Odysseas spielt, sollte sich anschnallen - die Heimreise ist selten langweilig. 21.03.643990 14:51 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund