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Ein neues Jahr, ein neues Kapitel in der brasilianischen Erstliga-Saga - und die 43.755 Zuschauer im Estádio do Fogo bekamen gleich am ersten Spieltag das, was man gemeinhin als "Einstand nach Maß” bezeichnen darf. Dragon Goianiense fegte zum Auftakt Natal ABC mit 3:0 vom Platz, und das schon zur Halbzeit. Danach wurde aus Fußball eher Schaulaufen. Wer zu spät kam, verpasste die erste Explosion: Schon in der 2. Minute versenkte Taru Kolkka, der finnische Flügelflitzer mit tropischem Temperament, nach präziser Vorlage von Vitor Puerta den Ball im Netz. "Ich wollte eigentlich flanken”, grinste Kolkka später, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne.” Trainer Fabian Dietz, sonst ein Freund des Understatements, konnte sich da ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Wenn alle meine Spieler so ’versehentlich’ treffen, wird das eine lange, schöne Saison.” Goianiense spielte von Beginn an, als ob sie Weihnachten nachholen wollten - flink, aggressiv, mit Flügelspiel in Dauerschleife. Natal ABC dagegen wirkte wie ein Team, das den Anstoß noch im Kalender sucht. Zwar versuchte Abwehrmann Vitali Kowaltschuk, den Ball einmal gefährlich aufs Tor zu bringen (ja, ein Innenverteidiger!), aber es blieb beim Versuch. In der 21. Minute folgte der zweite Streich: Wieder Kolkka, diesmal nach einem Kopfballzuspiel von Innenverteidiger Isidoro Garcia. Der junge Finne stieg höher als alle anderen, köpfte wuchtig ein - und winkte danach lässig Richtung Tribüne, als hätte er gerade einen Elfmeter im Training versenkt. "Ich hatte heute einfach das Gefühl, dass jeder Ball mir gehört,” sagte er später - und man glaubte es ihm. Das 3:0 in der 41. Minute war dann schon fast Kunst: Der 18-jährige Jean Silvestre, mit jugendlichem Leichtsinn auf links unterwegs, narrte zwei Gegenspieler und legte zurück auf Joonas Hietanen. Der Finne (ja, noch einer!) nahm Maß und drosch den Ball humorlos in den Winkel. "Ich hab Jean nur gesagt: ’Mach was Verrücktes’”, erzählte Hietanen nach dem Spiel. "Ich wusste nicht, dass er das so wörtlich nimmt.” Danach war die Partie im Grunde entschieden. Natal ABC, von Coach Hjjjj Ghhh mit offensiver Ausrichtung aufgeboten, blieb harmlos. Ihre fünf Torschüsse wirkten eher wie höfliche Anfragen an den gegnerischen Keeper. Spätestens als Kowaltschuk nach seiner zweiten Gelben in der 80. Minute vom Platz flog, war klar: Der Abend wird nichts mehr retten. "Ich wollte nur zeigen, dass ich kämpfe”, verteidigte sich der Rotsünder, "aber der Schiedsrichter kämpfte besser.” Statistisch gesehen war Goianiense in allen Belangen überlegen: 59 Prozent Ballbesitz, 22 Schüsse aufs Tor, eine Zweikampfquote von 56 Prozent - und ein Publikum, das sich schon in der Nachspielzeit gegenseitig Lieder über den Titel vorsang. Nur einer blieb ernst: Trainer Dietz. "Das war gut, ja. Aber drei Tore sind kein Dauerabo”, mahnte er in der Pressekonferenz, "die Jungs sollen sich nicht in die Sonne legen - auch wenn’s hier schwerfällt.” Ganz anders klang der Gästecoach: "Wir hatten den Plan, früh Druck zu machen. Nach zwei Minuten war der Plan tot”, seufzte Hjjjj Ghhh. Seine Spieler schauten betreten drein, als er ergänzte: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal wenigstens am Ball vorbei rennen, nicht am Spiel.” In der zweiten Halbzeit verwalteten die Drachen das Ergebnis souverän, fast gelangweilt. Der junge Christiano Xavier (17), ein Wirbelwind auf rechts, probierte es mehrfach mit sehenswerten Schüssen, verfehlte aber knapp. "Ich wollte auch mal in die Zeitung”, scherzte er nach dem Spiel. Mission erfüllt, Christiano. Am Ende blieb ein Start, der Mut macht: Ein Team, das jung, frech und technisch glänzend auftritt, ein Publikum, das Feuer fängt, und ein Gegner, der wohl noch einige Nächte von Kolkka träumen wird. Und wer weiß - vielleicht war dieser 1. Januar 2026 der Abend, an dem die Drachen wirklich zu fliegen begannen. Trainer Dietz grinste zum Abschied: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald keine Pyrotechnik mehr - wir brennen von selbst.” Ein Auftakt mit Funkenflug - und ein klarer Hinweis an die Liga: Goianiense ist heiß. 22.02.643987 14:55 |
Sprücheklopfer
Unter den Einäugigen ist der Dreibeinige der König.
Rainer Calmund