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Es war ein Viertelfinale, das man so schnell nicht vergisst - und das lag nicht nur an den 79.500 Zuschauern, die den Estádio do Dragão in ein rot-blaues Tollhaus verwandelten. Dragon Goianiense führte zur Pause scheinbar souverän mit 2:1, nur um am Ende mit hängenden Köpfen vom Platz zu schleichen: 2:3 nach Verlängerung, Harbour View zieht ins Halbfinale der Copa Libertadores ein. Dabei hatte alles nach einem glorreichen Abend für die Brasilianer ausgesehen. Schon in der 6. Minute donnerte Lewis Corraface den Ball nach einem feinen Zuspiel von Joonas Hietanen in die Maschen - "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du lange genug wartest, denkt der Ball auch mal mit", grinste Corraface später. Nur neun Minuten später bedankte sich Hietanen artig mit einem eigenen Treffer, diesmal nach Vorlage des unermüdlichen Linksverteidigers Humberto Barbosa. 2:0 - und die Fans sangen schon von der nächsten Runde. Doch wer Harbour View unterschätzt, hat das Spiel nicht verstanden. In der 25. Minute meldete sich Marko Kallio eindrucksvoll zurück. Der Finne mit der Schusstechnik eines Presslufthammers nahm eine Vorlage von Bradley Harrington volley - 2:1. "Da war plötzlich wieder Leben drin", gab Harbour-Coach Dani Petrus später zu. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon hier seid, dann bleibt doch gleich bis zur Verlängerung." Das taten sie dann auch. Nach der Pause legten die Jamaikaner (oder besser: die Männer aus Harbour View) los wie eine Karibikbrise auf Speed. Charlie MacAlister - 32 Jahre alt, aber mit der Lunge eines 20-Jährigen - traf in der 56. Minute nach feiner Vorarbeit von Harrington zum 2:2. "Ich hab gesehen, dass Aitor Assis im Tor kurz gezuckt hat", schmunzelte MacAlister, "und dachte mir: Na gut, dann schieß ich halt dahin." Von da an war es ein offener Schlagabtausch: 15 Torschüsse auf beiden Seiten, Ballbesitz fast pari - 47 zu 53 Prozent. Dragon Goianiense presste, kämpfte, rannte. Harbour View konterte, lauerte, biss. In der 87. Minute wurde es kurz dramatisch, als Barbosa nach einem Zweikampf verletzt liegen blieb - Trainer Fabian Dietz warf die Hände in den Himmel, als wolle er den Fußballgöttern persönlich eine Beschwerde überreichen. Ersatzmann Fernando Bosingwa kam, aber das Momentum war dahin. Die Verlängerung wurde zum Nervenkrieg. Gelbe Karten flogen wie Mücken in der Dämmerung - Henrick Lansing sah Gelb (100.), Ivar Bengtsson auch (115.). Beide hätten wohl lieber den Ball getroffen. Die Luft im Stadion war so dicht, dass man sie hätte dribbeln können. Und dann, in der 121. Minute, der Moment, der alles entschied: Marko Kallio wieder. Nach einer butterweichen Flanke von Slatko Jowow traf er per Kopf ins rechte Eck. 3:2 für Harbour View. Die Bank explodierte, die Spieler stapelten sich jubelnd aufeinander, während Aitor Assis reglos im Tor kniete. "Ich hab ihn gesehen, aber ich konnte nicht glauben, dass der Ball wirklich reingeht", murmelte der Keeper später. Trainer Petrus lächelte hinterher mit dem Ausdruck eines Mannes, der weiß, dass er gerade Geschichte geschrieben hat: "Wir wussten, dass es schwer wird. Aber wir haben Leidenschaft, Rhythmus - und Marko." Sein Gegenüber Dietz hingegen war die Enttäuschung anzusehen: "Wir haben alles gegeben. Nur leider auch den Sieg." Statistisch war es ein Spiel auf Augenhöhe - 15 Torschüsse pro Team, kaum Unterschiede in der Zweikampfquote. Aber im Fußball zählen eben keine Dezimalstellen, sondern Tore. Und davon hatte Harbour View am Ende eines mehr. Als die Spieler in die Kabine gingen, schien selbst der Rasen erleichtert. Die Zuschauer applaudierten, manche weinten, andere schimpften - aber alle wussten: Das war kein gewöhnliches Viertelfinale. Es war ein Drama in vier Akten, mit einem bitteren Ende für die Drachen und einem goldenen für Harbour View. Oder, wie es Lewis Corraface nach dem Spiel sarkastisch auf den Punkt brachte: "Manche verlieren, manche gewinnen. Und manche müssen eben noch ein Jahr warten, um wieder zu verlieren." Ein Schluss, der in Goiania sicher noch lange nachhallen wird. 21.08.643993 07:05 |
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