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Ein kalter Januarabend, Flutlicht in Čakovec, 21.454 Zuschauer, die meisten in dicken Jacken - und doch wurde es heiß, sehr heiß, auf dem Rasen. Am 25. Spieltag der 1. Liga Kroatien empfing Medimurje Čakovec den Traditionsklub Dinamo Zadar. Nach 90 hochintensiven Minuten stand ein 1:2 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das man in Čakovec so nicht erwartet hatte. Dabei begann alles verheißungsvoll für die Gastgeber. Bereits in der 10. Minute ließ Luke Giles den Ball wie an der Schnur gezogen ins rechte Eck rauschen - Vorlage von Marc Dominguez, der kurz zuvor noch an der Außenlinie mit dem Schiedsrichter diskutiert hatte ("Ich schwöre, der Ball war noch drin!"). Das 1:0 war verdient, denn Medimurje begann mutig, mit leichtem Übergewicht im Mittelfeld - und einem Ballbesitzwert von 51 Prozent, der sich auch sehen lassen kann. Trainer Rocky Pet stand an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und nickte zufrieden, als Giles traf. "Genau so wollten wir’s angehen - kontrolliert, aber mutig", sagte er später, und fügte mit einem schiefen Lächeln hinzu: "Leider hat die zweite Halbzeit auch dazugehört." Denn nach der Pause kam Dinamo Zadar wie ausgewechselt aus der Kabine. Der junge Daniel Ogilvie, gerade einmal 20 Jahre alt, drehte auf wie ein erfahrener Flügelstürmer aus besseren Zeiten. In der 58. Minute war er nach Vorlage des agilen Lewis Bostwick zur Stelle, um den Ausgleich zu markieren. Der Treffer fiel in einer Phase, in der Medimurje eigentlich alles im Griff zu haben schien - zumindest statistisch. Doch während die Gastgeber weiter auf "sichere Abschlüsse" setzten, wie es ihre taktische Vorgabe verriet, spielten die Gäste plötzlich mit Wucht und Überzeugung. Zehn Minuten später dann der Déjà-vu-Moment: Wieder Bostwick, wieder Ogilvie, wieder Tor. Diesmal war es eine Kombination wie aus dem Lehrbuch. "Ich wusste, wenn Lewis den Ball bekommt, muss ich loslaufen", grinste Ogilvie nach dem Spiel. "Und dann habe ich einfach den Fuß hingehalten. Das war kein Zufall, das war Training - und ein bisschen Glück." Medimurje reagierte mit Jugend forscht: Pet brachte den 18-jährigen Ronald Lindemann, der prompt dreimal gefährlich zum Abschluss kam (70., 79. und 89. Minute), aber immer knapp scheiterte. Besonders in der 79. Minute lag der Ausgleich in der Luft, doch Dinamo-Keeper Robert Tokic fischte den Ball mit den Fingerspitzen aus dem Winkel - eine Parade, die man in Zadar wohl noch lange besingen wird. Die Schlussminuten wurden hitzig. Drago Pavlovic, Zadars rechter Verteidiger, hatte schon Gelb, als er in der 90. Minute einen rustikalen Zweikampf suchte, der so auch in einem Rugbyspiel durchgegangen wäre. Der Schiedsrichter zückte konsequent Rot - Pavlovic stapfte vom Platz, während sein Trainer an der Seitenlinie wütend mit den Armen fuchtelte. "Ich wollte nur den Ball treffen", rief Pavlovic später in der Mixed Zone und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Schade, dass der Ball so klein ist." Trotz Unterzahl brachte Dinamo das Ergebnis über die Zeit. Die letzten Sekunden waren ein einziger Befreiungsschlag nach dem anderen, während Rocky Pet vergeblich auf den Lucky Punch hoffte. "Wir haben’s versucht, aber manchmal ist Fußball einfach ein gemeines Spiel", seufzte er. Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 10:9 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, eine faire Zweikampfquote von 50:50. Doch die Effizienz sprach klar für Dinamo Zadar - zwei Chancen, zwei Tore, zwei Punkte mehr in der Tabelle. Nach dem Schlusspfiff feierten die Gäste ausgelassen vor ihrer kleinen, aber lautstarken Fangruppe. Ogilvie wurde auf die Schultern seiner Mitspieler gehoben - ein Bild für die Geschichtsbücher in Zadar. "Ich bin einfach glücklich", sagte der junge Flügelspieler bescheiden. "Das war mein Tag - aber ohne die Jungs läuft da gar nichts." Und so endete ein Spiel, das alles hatte: frühe Führung, Wendung, rote Karte und ein Held, der kaum älter ist als ein Führerschein. Für Medimurje bleibt die Erkenntnis, dass man auch mit solidem Ballbesitz und defensiver Ausrichtung verlieren kann - und für Dinamo Zadar die Gewissheit, dass man mit Mut und einem Ogilvie in Bestform selbst auswärts Wunder vollbringen kann. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne formulierte, während er sich den Schal enger zog: "Fußball ist manchmal ungerecht - aber genau deswegen lieben wir ihn." 04.11.643987 16:08 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler