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Was war das denn bitte für ein Viertelfinale? 53.100 Zuschauer im Gresford-Stadion sahen am Dienstagabend ein Spiel, das eindrucksvoll bewies: Fußball kann grausam und wunderschön zugleich sein. Die Gresford Reds führten zur Pause souverän 2:0 - und verloren am Ende doch noch mit 2:3 gegen die Holyhead Blues. Drei Tore in der zweiten Halbzeit, das letzte in der 90. Minute - man hätte fast Mitleid mit den Reds haben können, wenn Fußball nicht so gnadenlos ehrlich wäre. Dabei begann alles nach Plan für die Hausherren. Bereits in der 10. Minute drosch Youngster Bradley Allington, gerade einmal 19 Jahre alt, den Ball nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Owen Lorring unter die Latte. Trainer Christian Sonten sprang an der Seitenlinie auf und jubelte, als hätte es der Pokal selbst schon in die Kabine geschafft. "Bradley hat keine Angst, das ist das Schöne an ihm", erklärte Sonten später. "Manchmal denkt er gar nicht nach - und genau das brauchen wir." Die Reds kontrollierten das Spiel, hatten 53,5 Prozent Ballbesitz, kombinierten flüssig und schnürten die Blues phasenweise in deren Hälfte ein. In der 38. Minute legte Cesc Borreguero nach, nach klugem Pass von Ellis Kober. 2:0 - das Stadion kochte. Ein Fan hinter mir rief euphorisch: "Mach gleich das Dritte, dann können wir Bier holen!" Es war einer dieser Sätze, die man im Fußball später bereut. Denn nach der Pause kamen die Blues zurück. Trainer Jürgen Steinmetz, bekannt dafür, seine Mannschaft im richtigen Moment wachzurütteln, muss in der Kabine die passenden Worte gefunden haben. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen einfach mal Fußball spielen", grinste er nach dem Spiel. Und das taten sie. In der 52. Minute musste Linksverteidiger Oliver Dunne verletzt raus, doch das schien die Gäste eher zu beflügeln. In der 69. Minute traf Ferenc Kabat mit einem satten Rechtsschuss aus 20 Metern zum 2:1. Kaum hatte das Publikum das verstanden, zappelte der Ball schon wieder im Netz. Igor Skrtel, der rechte Flügelflitzer der Blues, nutzte nur eine Minute später eine Unachtsamkeit in der Reds-Abwehr und schob nach Vorlage von Ramon Vaz zum 2:2 ein. Jetzt war das Spiel völlig offen - und die Reds, die zuvor so ruhig gewirkt hatten, begannen zu wanken. Christian Sonten gestikulierte wild an der Seitenlinie, brüllte Anweisungen, während sein Gegenüber Steinmetz sich genüsslich den Schal zurechtrückte. "Wir wussten, dass sie nervös werden, wenn wir Druck machen", sagte Steinmetz später trocken. Die Schlussphase war ein einziges Nervenballett. Holyhead stand tief, lauerte auf Konter, während Gresford verzweifelt anlief. Der junge Allington kam in der 79. Minute noch einmal gefährlich zum Abschluss, doch Keeper Rafael Arino fischte den Ball mit den Fingerspitzen aus dem Winkel - eine Szene, die man wohl noch lange in Holyhead feiern wird. Und dann, als alle schon mit der Verlängerung rechneten, schlug das Schicksal zu. 90. Minute. Henry Madigan setzte sich über links durch, flankte präzise in den Strafraum - und Noah Barbier, der zuvor mehrere Chancen vergeben hatte, köpfte zum 3:2-Sieg ein. Die Bank der Blues explodierte. Trainer Steinmetz rannte ein paar Meter aufs Feld, stoppte dann lachend: "Ich bin zu alt für sowas." Nach dem Abpfiff lagen die Reds-Spieler enttäuscht am Boden. Torhüter Lewis Ackland starrte ins Leere, während Kapitän Borreguero sichtlich gefasst sagte: "Wir haben sie eingeladen zurückzukommen. Im Pokal darfst du keine Geschenke machen." Statistisch gesehen war es ein Spiel auf Augenhöhe: 14 Torschüsse der Reds, 12 der Blues, Zweikampfquote nahezu ausgeglichen. Aber die Blues waren eiskalt, wenn es zählte. Und vielleicht war es dieser Unterschied zwischen Routine und jugendlicher Unbekümmertheit, der das Spiel entschied. Trainer Sonten nahm es sportlich: "Das ist bitter, aber wenn du 2:0 führst und trotzdem verlierst, musst du dir an die eigene Nase fassen. Vielleicht haben wir gedacht, es wäre schon vorbei - die Blues haben uns eines Besseren belehrt." Auf der Heimfahrt dürften die Reds-Spieler noch lange über diese 90 Minuten nachdenken. Die Blues hingegen dürfen vom Pokal träumen. Und während Jürgen Steinmetz grinsend in die Kameras sagte "Ich hab immer an die Jungs geglaubt", konnte man ihm das sogar abnehmen - zumindest für die zweite Halbzeit. Ein Viertelfinale, das in Erinnerung bleibt: für die einen als Albtraum, für die anderen als kleines Fußballmärchen mit Happy End. 04.11.643987 14:38 |
Sprücheklopfer
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