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Es war ein kühler Märzabend in Berkshire, doch die 5000 Zuschauer im kleinen Stadion der Royals bekamen genug zu sehen, um sich warm zu halten - zumindest von einer Mannschaft. Die Manchester Devils, angereist mit der Selbstverständlichkeit einer Truppe, die Tore als Wochenroutine betrachtet, siegten im Pokalauftakt souverän mit 2:0 (0:0) gegen die Berkshire Royals. Schon nach wenigen Minuten wurde klar, wer hier den Ton angibt: Die Devils schoben den Ball mit 64 Prozent Ballbesitz wie im Training durch die eigenen Reihen, während die Royals meist hinterherliefen. "Es war, als hätten die elf rote Trikots plötzlich überall geklont", stöhnte Royals-Verteidiger Bradley Lorring später, noch leicht außer Atem. Die ersten 45 Minuten waren dennoch ein kleines Wunderwerk der Effizienz - allerdings auf Seiten des Heimteams. Denn trotz 15 Torschüssen allein im ersten Durchgang blieb das Netz hinter Max Mills unberührt. Der Keeper der Royals, ein Mann mit Reflexen wie aus einer anderen Dimension, parierte, blockte, flog und schimpfte. Nach einem weiteren Schuss von Alfie Perlman in der 32. Minute rief er seiner Abwehr zu: "Ich hab nur zwei Hände, verdammt noch mal!" Das Publikum dankte ihm mit Szenenapplaus - und einem Hauch von Mitleid. Die Devils wirkten indes wie ein Uhrwerk, das nur einen neuen Impuls brauchte. Trainer Ronnie Ekström, an der Seitenlinie stets mit dem Ausdruck eines Schachspielers, der drei Züge vorausdenkt, blieb gelassen. "Wir wussten, dass es kommt. Die Jungs mussten nur den Rhythmus finden", erklärte er später mit einem zufriedenen Nicken. In der 71. Minute war es dann so weit: Der 21-jährige Marcus Steffens, bis dahin unermüdlich unterwegs, wurde von Mittelfeldmotor Jeno Bozsik perfekt bedient. Steffens nahm den Ball mit der Brust, verzögerte kurz - und jagte ihn dann unhaltbar unter die Latte. 1:0 für die Devils, und das Stadion verstummte für einen Moment. Nur Ekström ballte die Faust, während Steffens grinsend in die dunkle Abendluft blickte. "Ich hatte einfach Spaß. Wenn du so eine Vorlage bekommst, musst du dich bedanken - mit einem Tor", sagte der junge Stürmer später und grinste schelmisch. Die Royals versuchten danach, sich aufzubäumen, doch ihr Angriffsspiel blieb harmlos. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - das sagt alles. Stürmer Soner Bulut, der in der 84. Minute immerhin noch einmal aufs Tor zielte, meinte nach dem Spiel trocken: "Ich hab’s versucht. Aber gegen die war’s wie gegen eine Betonwand mit roten Stutzen." Die Devils ließen den Ball weiter laufen, als wollten sie das Spielbuch der Geduld neu schreiben. Und als sich die Royals schon mit dem knappen Rückstand abgefunden hatten, kam der finale Stich: In der 87. Minute spielte Alfie Perlman einen dieser überlegten Pässe in den Strafraum, wo Rafet Kisa lauerte - und mit einem präzisen Schuss das 2:0 markierte. Ekström drehte sich kurz um, als wolle er sagen: "Genau, so hab ich’s gezeichnet." Die letzten Minuten verstrichen, ohne dass sich am Bild etwas änderte: Manchester kontrollierte, Berkshire kämpfte - aufopferungsvoll, aber chancenlos. Selbst die Statistik wirkte wie ein Kommentar aus Stein gemeißelt: 21:2 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das mit einem Lächeln. Nach Abpfiff war die Stimmung entsprechend geteilt. Während die Devils jubelnd Richtung Kabine marschierten, standen die Royals in kleinen Grüppchen beisammen. Trainer der Hausherren - dessen Name an diesem Abend wohl besser ungenannt bleibt - fasste es trocken zusammen: "Wir wollten kompakt stehen. Hat auch geklappt - bis sie angefangen haben, Fußball zu spielen." Für die Devils war es der erwartete Pflichtsieg, aber einer mit Stil. Junge Talente wie Steffens und Bozsik zeigten, dass Manchester längst mehr ist als nur eine Ansammlung teurer Stars - es ist eine Mannschaft mit Idee. Oder, wie Ekström es formulierte: "Wir spielen, um die Räume zu finden. Heute waren sie überall." Die Royals hingegen werden sich an diesen Abend erinnern müssen, wenn sie das nächste Mal über Pokalträume sprechen. Denn gegen die Devils zeigte sich, dass Wille allein nicht reicht, wenn der Gegner den Ball einfach nicht hergibt. Und so endete ein typischer Pokalabend: mit roten Teufeln, die tanzten, und blauen Royals, die zusahen. Vielleicht wird man in Berkshire eines Tages sagen: "Damals, als wir gegen Manchester gespielt haben, da haben wir wenigstens zwei Torschüsse gehabt." Ein Trost, wenn auch ein kleiner. 08.01.643994 04:48 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
Werner Lorant über sein Buch 'Eine beinharte Story'