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Manchester - Es gibt Spiele, die beginnen, bevor der Gegner überhaupt merkt, dass sie angefangen haben. Das Duell zwischen den Manchester Devils und Crewe Alexandra am 4. Spieltag der "1. Liga England" gehörte genau in diese Kategorie. Kaum hatte der Schiedsrichter um 20:30 Uhr angepfiffen, da zappelte der Ball schon in der vierten Minute im Netz - Jean-Pierre Bettencourt, der französische Flügelmann mit dem Hang zur dramatischen Geste, brachte die Devils früh in Führung. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bettencourt nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Warum eigentlich nicht?". Das Old Trafford - pardon, das Stadion der Devils - bebte, 35.230 Zuschauer erhoben sich, als hätte jemand die Lautstärke auf Maximum gedreht. Crewe Alexandra, vom defensiv denkenden Trainer Urs Lustig auf eine sicherheitsorientierte Formation eingestellt, wirkte überrascht und zog sich noch weiter zurück. Lustig kommentierte später trocken: "Wir wollten kompakt stehen. Leider standen wir so kompakt, dass wir den Ball nicht mehr gesehen haben." Die Devils hatten in der ersten Hälfte alles im Griff: 52 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse insgesamt, dazu ein Tackling-Wert von fast 55 Prozent - Zahlen, die so solide klangen wie das britische Wetter unbeständig ist. Crewe kam nur sporadisch vors Tor, ihre fünf Abschlüsse wirkten eher wie höfliche Anfragen als ernst gemeinte Drohungen. Torwart Jose Enrique Benito musste sich kaum strecken, um den Laden sauber zu halten. In der 31. Minute gab es kurz Aufregung, als Devils-Verteidiger Vicente Peyroteo Gelb sah - eine Szene, die mehr Theatralik als Härte bot. "Ich habe nur Hallo gesagt", beteuerte Peyroteo später mit einem unschuldigen Lächeln. Trainer Ronnie Ekström verzog keine Miene: "Wenn Vicente anfängt, mit den Gegnern zu plaudern, weiß ich, dass er sich wohlfühlt. Dann wird’s gefährlich - für beide Seiten." Nach der Pause kam Bewegung in die Wechselbank: Ekström brachte frische Beine, Lustig versuchte es mit jugendlicher Energie - unter anderem kam der 17-jährige Benjamin Haddington herein, der wirkte, als hätte er sich noch nicht ganz vom Matheunterricht erholt. Doch die Devils blieben dominant. In der 51. Minute fiel das 2:0 - ausgerechnet durch Rechtsverteidiger Jacinto Alvaro, der sich offenbar entschieden hatte, die Spielbeschreibung "Defender" wörtlich zu ignorieren. Nach feiner Vorarbeit von Bettencourt drosch er den Ball humorlos in die Maschen. "Jean-Pierre hat mir zugerufen: ’Geh!’ - also bin ich gegangen", lachte Alvaro. Crewe versuchte zu antworten, brachte mit Billy Ackland und Benjamin Bloomfield zwei frische Kräfte im Mittelfeld. Doch die Hoffnung hielt nur kurz. In der 64. Minute musste Devils-Youngster Heinz Haase verletzt vom Platz - Ekström reagierte routiniert. "Knie verdreht, nichts Dramatisches", beruhigte der Coach. Dann, in der 73. Minute, setzte Agafon Swetlow den Deckel drauf. Der bullige Linksaußen, eher bekannt für seine Liebe zu rustikalen Zweikämpfen als zu filigranen Torabschlüssen, verwertete eine butterweiche Flanke von Alvaro zum 3:0. "Ich hab ihn gar nicht richtig getroffen", gestand Swetlow, "aber wenn man alt genug ist, kann man auch mal Glück haben." Die letzten 15 Minuten plätscherten dahin, Crewe tauschte noch den glücklosen Robert Fryer gegen den jungen Dylan Musgrave aus, doch das Spiel war gelaufen. Die Devils kontrollierten das Geschehen, spielten die Zeit clever herunter - und das Publikum sang sich in einen kleinen Rausch. Nach dem Abpfiff zeigte sich Trainer Ekström zufrieden, aber nicht übermütig: "Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben - früh Druck gemacht, nicht nachgelassen. Und ja, manchmal hilft es, wenn man einfach besser ist." Lustig dagegen fasste den Abend mit typisch britischem Understatement zusammen: "Wir haben drei Tore kassiert und keines geschossen - das ist eine klare Analyse." Statistisch passte alles zum Bild: 15:5 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, ein Gegner, der defensiv begann und defensiv endete. Die Devils bleiben damit oben dran, während Crewe Alexandra sich an die alte Fußballweisheit erinnert fühlen dürfte: Wer sich hinten einigelt, darf sich nicht wundern, wenn der Gegner die Tür eintritt. Und irgendwo in der Kabine summte Jean-Pierre Bettencourt zufrieden vor sich hin - wahrscheinlich eine französische Chanson-Melodie. Schließlich war es ein Abend, an dem alles funktionierte, sogar die Flanken, die eigentlich keine sein sollten. 16.12.643993 05:45 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
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