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Es war ein kalter Januarabend in der Europaliga, als 55.650 Zuschauer im altehrwürdigen Stadio Comunale von Tortona Zeugen eines Spiels wurden, das mit "wild-romantisch" wohl am treffendsten beschrieben werden kann. Derthona, angeführt von Trainer Max Italy, bezwang den favorisierten PVC Eindhoven von Markus Frey mit 2:1 - und das nach einem Spielverlauf, der zwischen Chaos, Leidenschaft und italienischer List oszillierte. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, da bebte der Beton. Edoardo Uffugo, der flinke Linksaußen mit der Frisur eines Rockstars, zog nach Zuspiel von Emiliano Di Calabria in den Strafraum und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. 1:0 - und das Publikum tobte. "Ich dachte zuerst, er will flanken", grinste Trainer Italy später, "aber offenbar wusste nur Edoardo, was er da tat." Eindhoven - taktisch von Beginn an auf Offensive und lange Bälle getrimmt - brauchte einige Minuten, um sich zu sammeln. Doch dann rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Salvatore Tiriolo zu. 14 Schüsse aufs Tor verzeichneten die Gäste am Ende, doch meist blieb es beim Versuch. Der auffällige Niclas Siebert prüfte den Keeper mehrfach, Dimitar Sanew verpasste nur knapp - und dann, in Minute 35, traf Azmi Ramon nach einem butterweichen Pass von Harold Coeyman zum verdienten 1:1. "Da haben wir kurz vergessen, dass Verteidigung auch zum Spiel gehört", knurrte Innenverteidiger Valerio Bortolin in der Mixed Zone. Es war ein Moment, der Derthona wachrüttelte - oder zumindest kurz daran erinnerte, dass man auch nach der 30. Minute noch laufen darf. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Eindhoven drückte, Derthona lauerte. Und dann kam die 48. Minute, die den Abend entschied. Daniel Fabbri, der unermüdliche Motor im Zentrum, fasste sich ein Herz - und schloss nach feinem Zuspiel von Pietro Coeli trocken ab. 2:1, und das Stadion explodierte ein zweites Mal. "Ich habe einfach draufgehalten", erklärte Fabbri später und grinste, "manchmal muss man gar nicht denken - nur treffen." Danach wurde es ruppiger. Gleich vier Gelbe Karten sammelten die Gäste - Sanew, Romagnoli, Houghtailing und Paunovic -, während Derthona sich auffällig brav zeigte. Vielleicht lag es am Ballbesitz (56,8 Prozent), vielleicht am Wein aus der Region, der am Vorabend kolportiert wurde. Jedenfalls verteidigten die Gastgeber ihren Vorsprung mit italienischer Cleverness und einer Prise theatralischer Zeitverzögerung. Trainer Frey von Eindhoven wirkte nach dem Abpfiff wie jemand, der gerade ein Rätsel gelöst, aber den Preis vergessen hat. "Wir haben mehr geschossen, mehr gearbeitet, mehr gelitten - und trotzdem verloren", sagte er mit einem bitteren Lächeln. "Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Statistik und Fußball." Auf der anderen Seite war Max Italy kaum zu bremsen. "Wir sind eine Mannschaft, keine Excel-Tabelle", rief er jubelnd in die Kameras. "Und wenn Leidenschaft Punkte bringt, dann holen wir den Pokal!" Seine Spieler hatten sich da längst gegenseitig in den Armen. Faberlich, verschwitzt, aber glücklich. In den Schlussminuten versuchte Eindhoven noch alles - Trainer Frey wechselte in der 90. Minute gleich dreifach: Cure, Males und Lansing kamen, doch die Zeit lief erbarmungslos davon. Derthona verteidigte tief, der Ballbesitz wurde zum Kunstprojekt, und als der Schlusspfiff ertönte, war das Stadion ein Tollhaus. Ein besonderes Lob gebührt Keeper Tiriolo, der mit mehreren Paraden seine Mannschaft im Spiel hielt. Vor allem in der 81. Minute, als Siebert noch einmal frei zum Schuss kam, zeigte der Torhüter Reflexe, die jeden Yoga-Lehrer stolz gemacht hätten. Statistisch gesehen hätte Eindhoven das Spiel gewinnen müssen - 14 Schüsse aufs Tor gegen nur 9 von Derthona, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Kilometer gelaufen. Aber eben auch: mehr Gelbe Karten, weniger Effizienz, und ein Gegner, der in den entscheidenden Momenten eiskalt blieb. Vielleicht war es genau das, was dieses Spiel ausmachte: der Gegensatz zwischen niederländischer Struktur und italienischem Instinkt. Zwischen Plan und Poesie. "Wir haben heute gelernt, dass Fußball auch Kunst ist", meinte Emiliano Di Calabria augenzwinkernd, während er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte. "Und manchmal malt man eben mit dem linken Fuß." Ein Abend, der in Tortona wohl noch lange besungen wird - nicht, weil alles perfekt war, sondern weil es so wunderbar unperfekt war. Und wer weiß: Sollte Derthona diesen Europaligawinter überstehen, wird man sich an den 7. Januar 2026 erinnern - als den Tag, an dem Leidenschaft Statistik schlug. 08.04.643987 19:30 |
Sprücheklopfer
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Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei