La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Deportivo Canar verspielt sicheren Sieg - Cuencas Wahnsinns-Comeback schockt das Stadion

Was für ein Valentinstagsdrama in der 1. Liga Ecuador: Deportivo Canar führt zur Pause scheinbar mühelos mit 3:1 - und verliert am Ende doch mit 3:4 gegen Expreso Cuenca. 23.883 Zuschauer rieben sich ungläubig die Augen, als der Schlusspfiff ertönte und die Gäste jubelnd über den Rasen tanzten.

Dabei hatte alles nach einem romantischen Fußballabend für die Heimfans ausgesehen. Schon in der 13. Minute brachte Christer Michaelsen Canar in Führung, herrlich freigespielt von Cristobal Costa. Nur eine Minute später revanchierte sich Costa persönlich und hämmerte das Leder selbst zum 2:0 unter die Latte - es roch nach einem entspannten Abend für Trainer Herbert Feuerstein. "Ich dachte, wir könnten diesmal früh Feierabend machen", witzelte der Coach später, "aber meine Jungs haben wohl beschlossen, den Valentinstag spannend zu gestalten."

Cuenca schien zunächst überfordert von Canars Offensivfeuerwerk. 20 Torschüsse verzeichneten die Gastgeber insgesamt, ein Wert, der in normalen Spielen für zwei Begegnungen reichen würde. Doch der Fußball bleibt ein Launischer. In der 21. Minute brachte Diego Morais nach Vorlage von Jose Maria Meireles die Gäste zurück ins Spiel. Kurz vor der Pause traf Nevio Galindo zum 3:1, und alles schien wieder in Ordnung. Scheinbar.

Denn nach dem Seitenwechsel drehte der "Expreso" aus Cuenca auf, als hätte jemand den Turbo gezündet. Meireles (50.) und Oliver Stanton (63.) glichen aus - beide Tore fein herausgespielt, beide Male sah Canars Abwehr eher nach Sonntagsspaziergang als nach Verteidigungsarbeit aus. "Wir haben einfach aufgehört, miteinander zu reden", klagte Innenverteidiger Urban Eskildsen. "Und wenn keiner redet, dann redet der Ball halt mit uns - und zwar laut."

Als Cuencas aggressiver Innenverteidiger Vicente Collantes in der 82. Minute Gelb-Rot sah, schien Canar wieder Oberwasser zu haben. Doch die Geschichte hatte ihr Happy End anders geplant: Der 19-jährige Linksverteidiger Pedro Fernandes, sonst eher für Grätschen als für Glanzmomente bekannt, fasste sich in der 88. Minute ein Herz und jagte den Ball - nach einem cleveren Pass von William Callahan - unhaltbar unter die Latte. 3:4. Ein Schuss, ein Stich ins Herz der Heimfans.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste der jugendliche Held später. "Der Trainer hat gesagt, wir brauchen Mut. Also hab ich mir gedacht: Mut ist, wenn man schießt, obwohl alle schreien, man soll flanken." Trainer Dierk Nordi, sichtlich stolz, lobte seine Jungs: "Wir haben nie aufgehört zu glauben. Vielleicht, weil keiner von uns wusste, wie man aufgibt."

Statistisch gesehen war es ein kleines Fußballwunder. Canar hatte mehr Ballbesitz (53,8 Prozent), eine bessere Zweikampfquote (53,7 Prozent) und doppelt so viele Torschüsse (20 zu 10). Doch Effizienz war an diesem Abend rot-schwarz: Cuenca traf viermal - aus zehn Versuchen.

Während die Gäste ausgelassen in Richtung ihrer Fans tanzten, stand Herbert Feuerstein mit verschränkten Armen am Mittelkreis. "Wir haben uns selbst geschlagen", murmelte er. "Und das Schlimmste: Wir haben es in Schönheit getan."

Im Presseraum später versuchte Galindo, der Torschütze zum 3:1, die Stimmung zu retten: "Wenn man so verliert, ist das wie ein Schlag ins Gesicht - aber wenigstens mit Stil." Neben ihm nickte Costa, noch immer fassungslos: "Ich dachte, wir wären die bessere Mannschaft. Offenbar dachten die anderen das auch - nur haben sie es bewiesen."

Die Fans von Deportivo Canar verließen das Stadion leise, manche kopfschüttelnd, manche mit einem müden Lächeln. Denn wer so spektakulär verliert, bekommt immerhin eine Geschichte, die man noch in Jahren erzählen wird.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr, während er seine Schirmmütze zurechtrückte: "Das war kein Spiel - das war eine Lektion in Demut und Unterhaltung zugleich."

Vielleicht das treffendste Fazit für einen Abend, an dem Fußball wieder einmal zeigte, warum er trotz allem geliebt wird: Er ist unberechenbar, manchmal grausam - und immer ein bisschen verrückt.

19.08.643990 00:21
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