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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball ein bisschen wie ein Kabarett wirkt - nur dass die Pointe diesmal auf Kosten von Meteor Prag ging. Vor 28.038 Zuschauern im ausverkauften Bystrcer Stadion feierte der FC Bystrc-Kninicky einen hochverdienten 2:0-Heimsieg am 11. Spieltag der 1. Liga Tschechien. Hauptdarsteller: Adam Davonport, der englische Linksaußen mit dem Charme eines Rockstars und der Zielstrebigkeit eines Uhrwerks. Schon in der dritten Minute deutete Gianmarco Morabito mit einem satten Schuss an, wohin die Reise gehen würde: nach vorn, immer wieder nach vorn. Trainer Carsten Achenbach hatte sein Team offensiv eingestellt - und das sah man. 18 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die fast so klar sprechen wie der Gesichtsausdruck des Meteor-Trainers nach Abpfiff. In der 31. Minute dann die erste Explosion: Zoran Divic bediente Davonport mit einem butterweichen Pass, und der ließ sich nicht zweimal bitten. Flache Drehung, kurzer Blick, präziser Abschluss - 1:0! Während die Fans jubelten, grinste Davonport in Richtung Trainerbank. "Ich hab ihm gestern noch gesagt, dass ich heute treffe - zweimal, wenn’s sein muss", erzählte er später lachend. Eine Prophezeiung, die sich als erstaunlich treffsicher herausstellen sollte. Meteor Prag hingegen wirkte, als seien sie versehentlich zu einer Tanzstunde erschienen, bei der alle Schritte rückwärts gehen. Ihr einziger Torschuss - ja, wirklich, einer - kam von Sean Poe in der 55. Minute und landete brav in den Armen von Torhüter Ivan Ivic. "Ich glaube, der Ball wollte gar nicht rein", meinte Poe nach dem Spiel selbstironisch. "Er hatte Angst, zu stören." Bystrc-Kninicky spielte weiter wie im Trainingsmodus: Santiago Aznar drosch Bälle aufs Tor, August Brun arbeitete sich aufopferungsvoll durch die Mitte, und die Außenverteidiger Mitroglou und Marley wechselten sich darin ab, Meteor die Flanken zu vermiesen. Einziger Wermutstropfen: Marley sah in der 48. Minute Gelb, weil er offenbar dachte, dass man auch mit leichtem Ringen um den Ball Eindruck schinden kann. Zur Halbzeit wechselte Achenbach vorsorglich doppelt auf rechts - Marley und Ahmed machten Platz für Lansbury und Riihilahti. "Ich wollte frischen Wind, und außerdem hatte Marley schon wieder diesen Blick, der nach Gelb-Rot roch", erklärte der Trainer trocken. In Hälfte zwei blieb das Spielbild gleich: Bystrc drückte, Meteor duckte sich. Morabito zirkelte in der 79. Minute noch einen Versuch an den Pfosten, Marceau prüfte kurz darauf den Gästetorhüter Homola mit einem Distanzschuss, der fast den Tornetzen einen Knoten verpasst hätte. Und dann, in der 86. Minute, kam die endgültige Entscheidung - natürlich wieder durch Davonport. Morabito legte quer, Davonport nahm Maß, ein satter Schlenzer ins lange Eck: 2:0. Die Fans sangen, der Stadionsprecher überschlug sich, und Davonport ballte nur kurz die Faust. "Ich wollte cool bleiben. Hat nicht geklappt", gab er nach dem Spiel grinsend zu. Meteor Prag versuchte noch, wenigstens etwas Würde zu retten, aber die Defensive von Bystrc stand wie eine Betonwand in Hochform. Der junge Lukas Kolomaznik holte sich in der 60. Minute eine Gelbe Karte ab - sinnbildlich für den Frust der Gäste. Nach dem Abpfiff stapfte Trainer Achenbach an den Mikrofonen vorbei und sagte mit einem Augenzwinkern: "Wenn wir so weiterspielen, muss ich bald niemandem mehr erklären, wo Bystrc-Kninicky liegt." Sein Gegenüber, Meteor-Coach (der Name blieb ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz), murmelte etwas von "unglücklichem Spielverlauf" - was in diesem Fall ungefähr so glaubwürdig klang, wie ein Handwerker, der sagt, die Waschmaschine habe sich "von selbst repariert". Unterm Strich bleibt ein völlig verdienter Sieg: Bystrc-Kninicky war in allen Belangen überlegen, Meteor Prag kam kaum über den Mittelkreis hinaus. Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit stehenden Ovationen - und Adam Davonport mit einem neuen Spitznamen: "Mr. Doppelschlag". Oder, wie es ein älterer Fan im Ausgang formulierte: "So spielt man Fußball, wenn man Montag frei hat." Und ja, das hatte Bystrc sich redlich verdient. 14.05.643987 20:53 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath