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Ein kalter Dienstagabend in Davensberg, Flutlicht, 4750 Fans, und ein Spiel, das wieder einmal bewiesen hat: In der Regionalliga B ist kein Zwei-Tore-Vorsprung sicher. Am 13. Spieltag trennten sich Davaria Davensberg und die SSVg Velbert mit 2:2 - ein Ergebnis, das die Gastgeber wie einen Sieg feierten und die Gäste wie eine Niederlage ertrugen. Velbert begann, als wolle man die Liga im Alleingang aufrollen. Schon nach sechs Minuten zappelte der Ball im Netz: Rechtsverteidiger Davib O’Brien, sonst eher der Typ "unauffälliger Außen", drosch den Ball nach feiner Vorarbeit von Altmeister Laurent Delmas in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste O’Brien später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Davensberg wirkte in der Folge bemüht, aber harmlos. Während Velbert Chance um Chance generierte - insgesamt 18 Torschüsse stehen am Ende zu Buche - versuchte die Heimelf, mit gepflegtem Ballbesitz (50,3 Prozent) wenigstens optisch mitzuhalten. Trainer Klaus Bock von Velbert gab die Devise klar aus: "Wir wollten früh das zweite Tor. Eigentlich hätten wir zur Halbzeit schon durch sein müssen." Und ganz ehrlich: Er hatte recht. Doch die Gastgeber, taktisch wie immer "balanciert", hielten sich mit Glück und Torwart Swen Vollmer im Spiel. Der 20-Jährige rettete in der 39. Minute gegen Bendt Sondergaard spektakulär - und brüllte danach den eigenen Abwehrchef an: "Wenn du schon guckst, dann wenigstens mit Absicht!" Nach dem Seitenwechsel schien die Partie entschieden. In der 54. Minute erhöhte Velbert auf 2:0: Christoph Maurer traf nach Vorarbeit von Einar Villadsen. Ein fast klinischer Angriff, wie aus dem Lehrbuch, und kaum jemand im Stadion hätte noch auf Davaria gewettet - außer vielleicht dem Würstchenverkäufer hinter Block C, der "immer bis zur 90. glaubt". Dann aber drehte sich das Spiel, langsam, fast unmerklich. Velbert schaltete einen Gang zurück, Davensberg einen hoch. "Wir haben einfach weitergemacht", erklärte später Asier Espriu, der in der 72. Minute den Anschluss erzielte. Nach einem langen Ball von Rechtsverteidiger Kurt Schmitz setzte sich Espriu durch, blieb trotz Gelber Karte aus der ersten Halbzeit eiskalt und schob überlegt ein. Drei Minuten später bebte das Stadion: Georg Rodriguez, der 33-jährige Dauerläufer auf links, traf nach feiner Flanke von Nils Hennig zum 2:2. "Ich hab nur gehofft, dass der Ball nicht wieder über den Zaun geht", grinste Rodriguez, der in der ersten Halbzeit noch zwei Mal kläglich vergeben hatte. Velbert taumelte - nicht, weil Davaria plötzlich übermächtig war, sondern weil man selbst das Spielen verlernte. Trainer Bock raufte sich an der Seitenlinie die Haare, während seine Spieler sich in endlosen Kurzpässen verloren. "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen", knurrte er später. "Ein Punkt ist zu wenig." Statistisch gesehen hätte Velbert gewinnen müssen: 18 Torschüsse zu 6, eine bessere Zweikampfquote (54 Prozent) und lange Phasen der Kontrolle. Aber Fußball ist eben kein Statistikfach. Davaria kämpfte, kratzte, biss - und kassierte dafür sogar noch eine zweite Gelbe Karte (Sascha Kramer, 78.), die sinnbildlich für den Einsatz stand. "Ich wollte nur den Ball", sagte Kramer, "aber der Ball wollte nicht mich." Die letzten Minuten gehörten wieder Velbert. Sondergaard hatte in der 90. und sogar in der Nachspielzeit zwei Riesenchancen, verzog aber beide Male. Der Ballbesitz pendelte hin und her, das Publikum stand längst, als der Schlusspfiff ertönte. Ein 2:2 also, das in keiner Tabelle eine Revolution auslöst, aber in den Köpfen bleibt. Für Davaria, weil man Moral bewies. Für Velbert, weil man zwei Punkte herschenkte. Und für alle anderen, weil man sich daran erinnert, dass Fußball immer dann am schönsten ist, wenn er sich dem Plan widersetzt. Oder, wie Davaria-Trainer - der übrigens schon mit leicht heiserer Stimme in der Mixed Zone stand - es formulierte: "Das war kein perfektes Spiel, aber ein ehrliches." Dann lachte er, sah auf das Ergebnisblatt und fügte hinzu: "Und ehrlich gesagt, nehme ich so ein 2:2 lieber als ein langweiliges 0:0." Vielleicht ist das das schönste Kompliment, das man einem winterlichen Regionalligaspiel machen kann. 07.06.643987 00:20 |
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