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Ein Flutlichtabend, 4.449 Zuschauer, ein Platz, der schon beim Aufwärmen nach ehrlicher Regionalliga roch - und am Ende ein 1:0, das in Davensberg wohl noch lange gefeiert wird. Davaria Davensberg besiegte am 8. Spieltag der Regionalliga B den FK Pirmasens mit dem knappsten aller Ergebnisse, aber mit viel Herzblut, Willen und einer ordentlichen Portion Humor. Das goldene Tor erzielte Asier Espriu in der 45. Minute - ein Treffer, der so sehr nach "Arbeiten bis zum Schluss" schmeckte, dass man fast den Schweiß riechen konnte. Nach schöner Vorarbeit von Nils Hennig drosch Espriu den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste der 25‑jährige Spanier, während er sich ein Stück Rasen aus dem Stollen puhlte. "Ich glaube, der Ball wollte einfach rein." Trainer und Mitspieler nickten - vermutlich auch, weil sie gar nicht glauben konnten, dass nach 20 Torschüssen nur einer saß. Davaria spielte von Beginn an mit Schwung. Bereits nach drei Minuten prüfte Albert Valdes den Pirmasenser Keeper Günther Fritsch, und was folgte, war ein Sturmlauf, wie ihn die Zuschauer selten gesehen haben. Zwischen der 8. und 33. Minute hagelte es Chancen: Espriu, Kramer, Rodriguez, Geissler - alle durften mal. Der Ballbesitz sprach mit 52,8 Prozent leicht für die Hausherren, aber die Dominanz war deutlicher, als die Zahlen verraten. Pirmasens, von Trainerin Gudrun Schweitzer lautstark von der Seitenlinie dirigiert ("Bleib hinten, Archie! Hinten!"), versuchte es mit schnellen Gegenstößen. Archie MacAlister hatte in der 25. und 26. Minute zwei gute Schüsse, doch Davensbergs Keeper Swen Vollmer war hellwach. "Ich hatte heute kaum was zu tun, aber die zwei Dinger waren wichtig", meinte der 20‑jährige Schlussmann später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung lag. Das Spiel hatte seine absurden Momente. In der 49. Minute etwa, als Pirmasens gleich dreimal wechselte - und einer der Eingewechselten, Müjdat Öztürk, sich prompt verletzte. "Da denkst du als Trainerin: Das kann jetzt nicht wahr sein", seufzte Schweitzer nach der Partie. "Wir hatten uns gerade sortiert, und dann liegst du wieder auf dem Hosenboden." Davaria hingegen blieb unbeeindruckt. Sascha Kramer, mit 33 Jahren der erfahrenste Mann im Mittelfeld, dirigierte das Geschehen mit der Gelassenheit eines Schachspielers. "Wir wussten, dass wir geduldig bleiben müssen", sagte er. "Pirmasens ist unangenehm, aber wir haben sie laufen lassen." Tatsächlich - 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe und 20 Abschlüsse belegen: Davaria hatte den längeren Atem. Die zweite Hälfte verlief ruhiger. Davensberg kontrollierte, Pirmasens versuchte zu kontern - und scheiterte meist schon im Ansatz. Nur Alex Coviello (74.) und Sergio Garcia (77.) kamen noch zu nennenswerten Abschlüssen, die Vollmer aber sicher parierte. "Da war nix wirklich Gefährliches dabei", kommentierte Davarias Abwehrchef Xavier Beto trocken. "Wir haben das Ding einfach nach Hause verwaltet. Elegant ist anders, aber effektiv war’s." Ab der 80. Minute wurde es dann fast gemütlich. Trainerbank, Zuschauer, Stadionsprecher - alle schienen sich still darauf geeinigt zu haben, dass heute kein zweites Tor mehr fällt. In der 88. Minute versuchte Nils Hennig es noch einmal aus der Distanz, und in der Nachspielzeit hatte Espriu sogar die Chance auf sein zweites Tor, doch Fritsch verhinderte das 2:0 mit einem starken Reflex. Nach Abpfiff brandete Jubel auf, als hätte Davensberg gerade den Aufstieg klargemacht. "Wir gewinnen nicht jeden Tag zu null", lachte Trainer Markus Keller (der seine Spieler liebevoll "meine Chaos‑Truppe" nennt). "Ich hab in der Pause gesagt: Wenn ihr schon alles vorbeischießt, dann wenigstens einmal richtig. Und siehe da, sie haben zugehört." Pirmasens hingegen verabschiedete sich mit hängenden Köpfen. "Wir haben zu spät Druck gemacht", analysierte Schweitzer nüchtern. "In der Schlussphase waren wir zu brav. Wenn du nach 90 Minuten nur fünf Abschlüsse hast, brauchst du dich nicht wundern." Und während die Flutlichtmasten langsam ausgingen, stand Asier Espriu noch immer auf dem Rasen, winkte in die Kurve und murmelte: "Ein Tor ist ein Tor - egal, wie hässlich." Man möchte ihm da nicht widersprechen. Ein Arbeitssieg, ein bisschen Chaos, eine Prise Glück - genau das, was Regionalliga‑Fußball so herrlich menschlich macht. 21.04.643987 07:34 |
Sprücheklopfer
Das Spielfeld war zu lang für Doppelpässe.
Berti Vogts