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Da Cru dreht das Spiel: Wologda schlägt Astrachan mit 4:1

Premjer-Liga | 5. Spieltag | 15.08.26 | Dynamo Wologda - FK Astrachan 4:1

Dynamo Wologda hat am fünften Spieltag der Premjer-Liga einen schon verloren geglaubten Abend in ein Fußballfest verwandelt. Vor 21.861 Zuschauern setzte sich die Mannschaft von Mike Borzinsky gegen den FK Astrachan mit 4:1 (0:1) durch. Der bemerkenswerteste Teil daran: Nach 45 Minuten sah es eher nach einem gemütlichen Auswärtssieg für Astrachan aus - sofern man gemütlich mit "unangenehm effizient" übersetzen möchte.

Astrachan begann keineswegs schüchtern. Die Gäste ließen den Ball laufen, kamen in der Anfangsphase zu mehreren Abschlüssen und belohnten sich in der 15. Minute. Andre Buzanszky, bis dahin bereits auffällig, traf zur Führung. Foma Krawez hatte den Angriff vorbereitet, und plötzlich mussten sich 21.861 Menschen im Stadion mit der wenig erfreulichen Frage beschäftigen, ob dieser Abend womöglich ein langer werden könnte.

Wologda war zwar nicht völlig abgemeldet. Santiago Ramos prüfte Astrachans Torwart Christophe Bachellier bereits in der achten Minute und blieb auch später ein ständiger Unruheherd. Doch die Gastgeber wirkten zunächst, als hätten sie den entscheidenden Gedanken im Mannschaftsbus vergessen. "Wir hatten den Ball, aber Astrachan hatte den besseren Plan", lautete die sinngemäße, nicht wörtlich überlieferte Einschätzung von Borzinsky nach dem Spiel. Der Trainer blieb dabei bemerkenswert ruhig - vermutlich auch, weil Wut nach einem 0:1 zur Pause nur selten die Taktik verbessert.

Die Zahlen bestätigten den ausgeglichenen Eindruck: Astrachan hatte 51,5 Prozent Ballbesitz, Wologda 48,5. Bei den Abschlüssen lagen die Gastgeber allerdings mit 16:11 vorn. Es war also kein Spiel, in dem eine Mannschaft nur zufällig in die Nähe des gegnerischen Tores geriet. Wologda schoss - gemäß seiner offensiven, kompromisslosen Ausrichtung - aus beinahe jeder Lage. Astrachan versuchte dagegen, bessere Chancen herauszuspielen. Das funktionierte zunächst besser, bis die zweite Halbzeit begann.

Kurz nach dem Seitenwechsel musste Wologda zudem Sorin Zare verletzungsbedingt auswechseln. Nicolae Barbulescu kam in der 46. Minute ins Spiel. Eine schlechte Nachricht, die sich im Nachhinein als dramaturgischer Zwischenakt erwies. Denn in der 53. Minute schlug Wologda zurück: Cristobal Mendes legte auf, Agemar Da Cru vollendete zum 1:1.

Von diesem Moment an kippte die Partie mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Da Cru, gerade einmal 20 Jahre alt, hatte offenbar beschlossen, die zweite Halbzeit persönlich zu verwalten. In der 67. Minute traf der linke Angreifer nach Vorarbeit von Antip Koroljuk erneut. Astrachan hatte den Ballbesitz, Wologda die Tore - eine ziemlich unangenehme Form von Statistik für die Mannschaft, die gerade zurücklag.

Nur eine Minute später war Da Cru wieder zur Stelle. Nicolae Barbulescu bediente ihn, und der Hattrick war perfekt. Auf der Tribüne soll ein Zuschauer gerufen haben: "Kann jemand bitte überprüfen, ob er überhaupt noch auf dem Spielbericht steht?" Die Frage war berechtigt, die Antwort eindeutig: Ja, und zwar dreimal als Torschütze.

Astrachan versuchte noch einmal, Ordnung in die Angelegenheit zu bringen. Foma Kamenski und Günter Kunze sorgten für weitere Abschlüsse, doch Wologdas Abwehr um Bernard Lefebvre hielt stand. In der 82. Minute setzte Santiago Ramos den Schlusspunkt. Kornej Abramovitch lieferte die Vorlage, Ramos traf zum 4:1 - und durfte sich endgültig sicher sein, dass sein früher Versuch in der achten Minute kein vergeblicher Höflichkeitsbesuch gewesen war.

"Wir haben nach der Pause endlich Fußball gespielt und nicht nur darüber nachgedacht", hieß es sinngemäß aus Wologdas Kabine. Astrachan dürfte den Abend dagegen mit der Erkenntnis verlassen, dass 51,5 Prozent Ballbesitz ungefähr so wertvoll sein können wie ein Regenschirm im Sturm: grundsätzlich nützlich, aber nicht immer ausreichend.

Wologda gewinnt verdient - und mit einer zweiten Halbzeit, die Astrachan so schnell nicht vergessen dürfte. Da Cru vermutlich auch nicht.

15.08.2026 21:43
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