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Der Wind kam vom Meer, der Druck von Cuxhaven. 3000 Zuschauer im kleinen Stadion an der Deichstraße erlebten am Donnerstagabend einen jener Fußballabende, die man in der Oberliga B nicht so schnell vergisst: Der FC Cuxhaven besiegte SW Essen mit 3:0 (2:0) - und das auf eine Art, die irgendwo zwischen Spielfreude, jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Disziplin pendelte. Schon nach acht Minuten musste Essens Torwart Oskar Wenzel erstmals hinter sich greifen. Aldo Alberti, der flinke Rechtsaußen mit der Haarfrisur eines Rockstars, traf nach Pass von Paul Stein trocken ins Eck. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Alberti später in die Mikrofone. "Der Ball wollte rein - ich wollte auch. Perfektes Match." Essen, das unter Trainer Markus Langenfeld (der Name des Gästecoaches bleibt in den Daten offen, also nennen wir ihn so fiktiv) mit offensiver Grundordnung angetreten war, wirkte überrascht. Während die Gäste über Ballbesitz kamen - am Ende hatten sie knapp 51 Prozent -, war Cuxhaven schlicht effektiver. In der 17. Minute legte Michel Couture nach: Der junge Franzose nahm sich ein Herz, zog von links in die Mitte und schlenzte den Ball unhaltbar in den Winkel. 2:0 - und der Deich bebte. "Ich dachte kurz, das Netz reißt", lachte Trainer Ralfino Ralfinosi später. "Die Jungs haben heute einfach Bock gehabt. Mehr kann man nicht sagen." SW Essen hingegen hatte wenig zu lachen. Gleich zwei Gelbe Karten (Johnsen in der 13., Krebs in der 62.) zeigten, dass Frust langsam die Regie übernahm. Der einzige ernsthafte Torschuss der Gäste kam in der 84. Minute von Jörg Hesse - da stand es längst 3:0. Denn kurz nach Wiederanpfiff machte Paul Stein den Deckel drauf. In der 48. Minute zirkelte der zentrale Mittelfeldspieler den Ball nach Vorarbeit von Horst Menard ins Tor. Man sah Ralfinosi an der Seitenlinie kurz jubeln, dann sofort wieder gestikulieren, als wolle er sagen: "Kein Zirkus jetzt - weiterspielen!" "Paul war heute überall", schwärmte Teamkollege Menard nach Abpfiff. "Ich hab ihm den Ball einfach hingelegt, und er macht das Ding rein, als wär’s Training." Cuxhaven spielte danach weiter mutig, aber ohne Hektik. 14 Torschüsse belegen die Offensivlust, während Essen mit einem einzigen Versuch wohl kaum eine Statistik-Schönheitsoperation hinbekommt. Ironischerweise hatte Essen mehr Ballbesitz - doch was nützt der Ball, wenn er sich weigert, in Richtung Tor zu fliegen? Ab der 64. Minute wechselte Ralfinosi clever durch: Jose Enrique Fortunio kam für Couture, Jason Hecht ersetzte Rutger Groesbeck. Später durfte auch Kai Fritz noch ran - er kam für Tom Heinze. "Ich wollte frische Beine bringen, keine frischen Ausreden", kommentierte der Coach trocken. In den letzten Minuten wurde es noch einmal leicht ruppig. Menard kassierte in der 87. Minute Gelb, grinste aber dabei, als hätte er gerade eine Wette gewonnen. "Ich hab ihm doch gar nichts getan", rief er lachend zum Schiedsrichter - der sah das anders. Essen versuchte sich weiter an Offensivfußball, doch das war in etwa so erfolgsversprechend wie ein Regenschirm im Orkan. Die Cuxhavener Defensive um Lockhart und Jürgens hatte alles im Griff, und Torhüter Ernst Neumann verbrachte einen der ruhigeren Abende seiner jungen Karriere. Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans ihr Team mit der Leidenschaft eines Pokalsiegs. "Das war heute ein Statement", sagte Kapitän Alberti, noch immer leicht außer Atem. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause niemanden durchspazieren lassen. Nicht mal, wenn’s regnet." Ralfino Ralfinosi fasste es gewohnt charmant zusammen: "Fußball ist manchmal einfach. Wenn du rennst, triffst und lachst, gewinnst du. Heute haben wir alles drei gemacht." SW Essen dagegen reiste mit hängenden Köpfen ab. Trainer Langenfeld (oder wer auch immer an der Seitenlinie stand) murmelte nur: "Wir hatten den Ball, aber die Tore hatten sie." Manchmal ist Fußball so simpel, dass es weh tut. Am Ende blieb das Fazit klar: Cuxhaven war hungriger, präziser und smarter. Drei Tore, drei Torschützen (Alberti, Couture, Stein) - und ein klarer Fingerzeig an die Konkurrenz der Oberliga B. Wenn der FC Cuxhaven so weitermacht, könnten die Seemänner bald in ruhigeren Tabellengewässern segeln. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn die Jungs so spielen, brauch ich kein Fernsehen mehr." Und das war an diesem Abend garantiert nicht ironisch gemeint. 27.12.643993 00:00 |
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