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Ein kühler Abend an der Nordseeküste, Flutlicht über dem kleinen Stadion am Meer, 3000 Zuschauer mit dicken Jacken und noch dickerer Hoffnung: Der FC Cuxhaven empfing am Samstagabend den SV Sandhausen zum 6. Spieltag der Oberliga B. Nach 90 intensiven Minuten, 32 Torschüssen und einem verletzten Flügelspieler stand ein 1:1 - ein Ergebnis, das beide Teams halb zufrieden und halb ratlos zurückließ. Die Hausherren legten los, als wollten sie die Tabelle auf den Kopf stellen. Schon in der ersten Minute prüfte der junge Spanier José Enrique Fortunio den Sandhäuser Keeper Luca Walther mit einem satten Schuss, der mehr nach Warnung als nach Zufall aussah. "Wir wollten zeigen, dass hier an der Küste kein Spaziergang möglich ist", grinste Cuxhavens Trainer Ralfino Ralfinosi später mit salziger Stimme. Und tatsächlich: In der 15. Minute fiel das verdiente 1:0. Fortunio flankte von links, Joseph Haddington, der 21-jährige Wirbelwind aus England, rauschte heran und drosch den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. Die Fankurve jubelte, als wäre gerade der Aufstieg klargemacht. Haddington riss die Arme hoch und rief Richtung Tribüne: "Das war für euch, Jungs!" - ein Satz, der auf Cuxhavener Platt vermutlich noch lauter geklungen hätte. Doch die Euphorie bekam einen Dämpfer: Nur drei Minuten später lag Mittelfeldmann Jason Hecht am Boden, hielt sich das Knie und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Aldo Alberti, der sich energisch in die Partie warf. "Ich bin reingekommen und dachte: Einfach laufen, laufen, laufen", sagte Alberti nach dem Spiel - und genau das tat er. Cuxhaven drückte weiter, spielte mutig, manchmal sogar zu mutig. 22 Torschüsse am Ende sprechen eine klare Sprache, aber die Chancenverwertung blieb ein Ärgernis. In der 38. Minute zirkelte Tom Heinze einen Ball knapp über die Latte, kurz darauf scheiterte Haddington erneut an Walther. Und wie es im Fußball eben so läuft, kam es, wie es kommen musste: kurz vor der Pause traf der Gegner. In der 45. Minute flankte Sandhausens rechter Flügelmann Jürgen Stefan präzise in den Strafraum. Linksverteidiger Meik Schiller rauschte heran - ja, ein Linksverteidiger! - und vollendete technisch sauber zum 1:1. Es war der erste echte Torschuss Sandhausens seit Minuten, aber er saß. "Ich hab einfach gedacht, ich probier’s", erklärte Schiller später mit einem Grinsen. "Sonst meckert der Trainer wieder, ich wär zu defensiv." Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel offen. Cuxhaven hatte leicht mehr Ballbesitz (rund 52 Prozent), aber Sandhausen stand kompakt, lauerte auf Konter und blieb gefährlich. Bernd Böhme und Eri Brückner prüften Keeper Dylan Perlman mehrfach, der einen soliden Abend erwischte - auch wenn er beim Ausgleich nur hinterherschauen konnte. In der 69. Minute wieder Haddington: Allein durch, doch sein Schuss strich haarscharf am Pfosten vorbei. Ralfinosi schlug die Hände über dem Kopf zusammen, murmelte etwas, das man lieber nicht abdruckt. "Wir haben’s versucht, aber manchmal ist das Tor einfach zu klein", sagte er später mit Galgenhumor. Sandhausens Trainer, der eher stoische Typ an der Seitenlinie, kommentierte das 1:1 trocken: "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt auswärts. Ich beschwer mich nicht." Und als ein Reporter nach der Offensivleistung fragte, zwinkerte er: "Wir haben ja getroffen - das reicht für die Statistik." Die letzten Minuten gehörten noch einmal Cuxhaven. Haddington schoss in der 91. Minute aus der Drehung, Walther fischte den Ball aus dem Winkel. In der Nachspielzeit prüfte Horst Menard den Keeper noch einmal, doch es blieb beim 1:1 - einem Ergebnis, das die Cuxhavener Fans mit Applaus und einem leicht genervten "Na gut, wenigstens nicht verloren" quittierten. Statistisch war’s ein Heimspiel der Kategorie "Wir hätten gewinnen müssen": 22:10 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - aber eben nur ein Tor. Sandhausen nahm den Punkt dankbar mit, Cuxhaven dagegen bleibt mit dem Gefühl zurück, zwei verschenkt zu haben. "Wenn wir so weiterspielen, kommt das Glück zurück", versprach Haddington beim Rausgehen, während ihm ein kleiner Fan sein Trikot abnahm. Vielleicht ist das ja das passende Bild für diesen Abend: viel Einsatz, ein bisschen Pech - und die Hoffnung, dass das nächste Mal mehr als ein Punkt rausspringt. Ralfino Ralfinosi fasste es am Ende mit typisch norddeutschem Humor zusammen: "Wir haben Sandhausen den Wind um die Ohren gepfiffen, aber der Ball wollte halt nicht rein. Vielleicht war er seekrank." Und so ging ein Spiel zu Ende, das Lust auf mehr machte - auch wenn es am Ende nur ein 1:1 war. Immerhin: Der Wind bleibt kostenlos, die Hoffnung auch. 08.01.643994 09:53 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale