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Wenn es einen Abend gab, an dem sich die 12.500 Zuschauer im kleinen Stadion von Dupniza an die alten Lehrsätze des Fußballs erinnerten - "wer vorne keine macht…" - dann war es dieser. Mares Dupniza kämpfte, lief und schnaufte, Crvena Zvezda Belgrad spielte. Am Ende stand ein 0:2 (0:0), das so nüchtern klingt wie es verdient war. Dabei hatte Hristo Stoichkov, der Trainer der tapferen Bulgaren, seine Elf offensiv eingestellt. "Wir wollten nicht nur den Bus parken", grinste er nach dem Spiel, "aber vielleicht hätten wir wenigstens ein Fahrrad querstellen sollen." Denn was Belgrad in den 90 Minuten veranstaltete, war ein Dauerfeuer: 23 Torschüsse - gegen ganze zwei der Gastgeber. Schon in der vierten Minute prüfte der 19-jährige James Rodriguez, der jugendliche Wirbelwind auf der rechten Seite, den Dupniza-Keeper Noach Van Buren. Der lenkte den Ball glänzend über die Latte - und tat das später noch einige Male. "Ich dachte kurz, er hat Magneten in den Handschuhen", schmunzelte Belgrads Trainer Don Dirigente nach der Partie. Bis zur Pause hielt Dupniza irgendwie das 0:0 - mehr mit Herz als mit System. In der 20. Minute musste Stoichkov früh wechseln: Slatko Iliew verletzte sich und wurde durch Petar Iwanow ersetzt. "Ich glaube, der Rasen hat mich mehr gefoult als der Gegner", knurrte Iliew mit Eisbeutel auf dem Knie. Zwei Minuten später sah Belgrads Innenverteidiger Ermin Jarakovic Gelb, was den Gastgebern kurz Mut machte. Georgi Kischischew probierte es in der 17. Minute mit einem beherzten Schuss - der einzige ernsthafte Versuch vor der Pause. Nach dem Seitenwechsel dann das, was kommen musste: Belgrad erhöhte die Schlagzahl, Rodriguez wirbelte, Dordevic lauerte. In der 49. Minute war es so weit - James Rodriguez, der bereits mehrere Male gescheitert war, traf nach Vorlage von Luke Featherstone aus spitzem Winkel zum 0:1. Der Jubel auf serbischer Seite war groß, der Frust auf bulgarischer Bank größer. "Ich habe ihm vorher gesagt, er soll nicht aus der Position schießen", brummte Trainer Dirigente später - "aber gut, was weiß ich schon." Dupniza versuchte danach, das Spiel noch einmal zu öffnen. Jordan Christow hatte in der 78. Minute tatsächlich die Chance zum Ausgleich, doch sein Schuss landete eher auf dem Parkplatz als im Tor. "Ich wollte es mit Schmackes machen", erklärte er entschuldigend, "aber der Ball hatte andere Pläne." Belgrad blieb gnadenlos überlegen und setzte in der 76. Minute den Deckel drauf: Zoran Dordevic, schon zuvor omnipräsent, traf nach einem Pass von Goran Koroman zum 0:2. "Das war so ein Moment, in dem man einfach weiß, dass der Ball rein muss", sagte Dordevic später. Und tatsächlich - selbst Van Buren sah diesmal nur noch die Rücklichter des Balles. Die letzten Minuten plätscherten dahin, Belgrad wechselte durch - sogar der 18-jährige Ersatzkeeper Ognjen Stepanov bekam in der 72. Minute sein Debüt. Dupniza blieb bemüht, aber harmlos. Zwei Gelbe Karten für die jungen Bulgaren Penew (34.) und Kischischew (35.) zeigten, dass wenigstens der Einsatz stimmte. Die Statistiken erzählen den Rest: 53 Prozent Ballbesitz für Belgrad, 23:2 Torschüsse, eine Zweikampfquote von knapp 58 Prozent für die Gäste. Und doch war es kein liebloser Spaziergang, sondern ein Arbeitssieg. "Wir haben den Gegner respektiert", sagte Dirigente, "man darf nicht vergessen, dass sie jung sind. Sehr jung. Manche haben noch Hausaufgaben." Stoichkov nahm es mit Galgenhumor: "Ich bin stolz auf die Jungs. 17 Jahre alt, und sie haben gegen Männer gespielt. Vielleicht verlieren sie heute, aber in fünf Jahren, da schicken sie Belgrad nach Hause." Das Publikum verabschiedete die jungen Dupniza-Spieler mit Applaus. Rodriguez winkte noch einmal in die Menge, Dordevic klatschte seine Teamkollegen ab, und Don Dirigente blickte auf die Anzeigetafel, als wollte er sagen: Pflicht erfüllt. Am Ende stand ein klarer Sieg für Crvena Zvezda Belgrad - aber auch das stille Gefühl, dass Mares Dupniza vielleicht kein großer Name ist, dafür aber ein großes Herz hat. Und wer weiß: Wenn sie beim nächsten Mal mehr als zwei Schüsse zustande bringen, könnte es sogar spannend werden. Oder, wie Stoichkov beim Hinausgehen in den Tunnel sagte: "Wir haben verloren, ja. Aber wenigstens weiß Belgrad jetzt, wo Dupniza liegt." 10.06.643990 09:05 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs