// Startseite
| Heraldo de Mexico |
| +++ Sportzeitung für Mexico +++ |
|
|
|
Was für ein Abend im Estadio Azul! 55.342 Zuschauer erlebten am 34. Spieltag der 1. Liga Mexico eine Vorstellung, die sich irgendwo zwischen Fußballlehrstunde und Zaubershow bewegte. CD Cruz Azul fegte Atletico Toluca mit 5:0 (3:0) vom Platz - und das, obwohl Trainer Chucky Mandu nach eigenem Bekunden "eigentlich gar nicht so offensiv hatte spielen lassen wollen". Schon nach vier Minuten war klar, wohin die Reise geht. Rene Simard, der kanadische Mittelstürmer mit dem Charme eines Eishockeyspielers, nahm eine Hereingabe von Rafael Carvalho volley und drosch den Ball humorlos unter die Latte. "Ich dachte, der Ball sei zu hoch, aber dann hab ich einfach die Augen zugemacht und gehofft", grinste Simard später. Der Beginn eines Abends, an dem er noch öfter lächeln durfte. Toluca hingegen kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Ihre "balancierte" Taktik - so nannte es Coach Moritz Keller in der Pressekonferenz - wirkte, als hätten sie im Handbuch die Seiten für "Pressing" und "Aggressivität" überblättert. Kein Pressing, kein Zugriff, kein Glück. Cruz Azul ließ den Ball mit 57,6 Prozent Ballbesitz und 26 Torschüssen laufen, als sei das Ganze eine Trainingseinheit. In der 14. Minute dann das zweite Kapitel des Simard-Spektakels: Adam Munro, der agile Linksaußen, tanzte zwei Verteidiger aus, legte quer - Simard musste nur noch den Fuß hinhalten. 2:0. Tolucas Torhüter Amaury Forque schimpfte lautstark: "Leute, irgendwer muss den doch mal decken!" - aber niemand fühlte sich zuständig. Nach einer halben Stunde war die Messe gelesen. Wieder Simard, diesmal nach Vorlage von Adam Matusiak. Drei Tore in 30 Minuten - die Fans sangen, die Tribünen bebten, und Chucky Mandu klatschte genüsslich in die Hände. "Rene war heute wie ein Schnellzug ohne Haltestellen", sagte der Trainer später. "Ich überlege, ihn künftig erst in der 60. Minute zu bringen, damit er den Gegnern wenigstens eine halbe Stunde Hoffnung lässt." Zur Pause wechselte Mandu seinen Torwart aus - wohl eher aus Mitleid mit dem frierenden Ersatzmann Lionel Eusebio als aus taktischer Notwendigkeit. Das Spiel war längst entschieden, doch Cruz Azul hatte noch Lust. In der 59. Minute setzte der italienische Linksverteidiger Emanuele Jacurso ein Ausrufezeichen. Er stürmte über die linke Seite, bekam den Ball von Munro und schlenzte ihn elegant ins lange Eck. 4:0 - und die Zuschauer forderten schon "seis", die Sechs. Auch hier zeigte sich Toluca überfordert. Die Gäste brachten es insgesamt auf drei Torschüsse - mehr aus Versehen als aus Überzeugung. Das Finale kam in der 86. Minute: Thalis Ardizoglou, der griechische Spielmacher, fasste sich ein Herz und nagelte den Ball aus 20 Metern ins Netz. 5:0 - der Deckel drauf, das Stadion tobte. "Ich habe einfach mal draufgehalten, weil ich keine Lust mehr hatte, wieder auf Rene zu passen", scherzte Ardizoglou nach dem Spiel, während Simard lachend daneben stand: "Kein Problem, ich gönn’s ihm. Aber nächstes Mal will ich den Ball trotzdem." Toluca-Coach Keller suchte nach Worten und fand schließlich Trost in der Ironie: "Wir haben heute gesehen, wie Fußball aussehen kann - wenn man ihn spielen lässt." Seine Spieler verließen den Platz mit leeren Blicken, wohl wissend, dass selbst 42 Prozent Ballbesitz keine Statistik mehr schönreden kann, wenn man hinten fünf Stück kassiert. Für Cruz Azul war es ein Statement. Ein Team, das laut Statistik mit "schwachem Einsatz" geführt wurde, zeigte eine der überzeugendsten Leistungen der Saison. Vielleicht war es genau diese Lässigkeit, die zum Erfolg führte. Mandu jedenfalls sah das so: "Wir wollten ruhig bleiben, den Ball laufen lassen - und dann einfach Spaß haben." Spaß hatten sie, keine Frage. Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Ich bin eigentlich Toluca-Fan. Aber heute… heute war’s schön, mal guten Fußball zu sehen." Und so bleibt von diesem Abend ein klarer Eindruck: ein entfesselter Cruz Azul, ein überforderter Gegner und ein Rene Simard, der sich mit seinem Dreierpack in die Herzen der Fans schoss. Sollte er dieses Niveau halten, wird er in Mexiko bald nur noch "El Tren Azul" heißen - der blaue Zug, der alles überrollt, was sich ihm in den Weg stellt. Ein Fußballfest mit Ansage - nur hat Toluca die Einladung offenbar nicht richtig gelesen. 25.04.643990 07:22 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale